Bürgerschaftswahl 2020, so hat Hamburg gewählt

Die Hamburger Flagge auf der ElbeDie Hamburger Flagge © ganz-hamburg.de

So sieht ganz-hamburg.de die Wahlergebnisse der Bürgerschaftswahl.

Politiker und viele Medien denken und ticken anders. Da wird selbst eine Partei, wie die SPD, die 6,6 Prozentpunkte verliert, zu einem Wahlgewinner. Wirklich gewonnen haben in Hamburg nur die Grünen. Sie haben 11,9 Prozentpunkte, das entspricht einem Zuwachs von 97% Stimmen, gewonnen. Positiv ist auch die gestiegende Wahlbeteiligung auf 63,3% sie liegt höher als 2015 und 2011.

Vorläufiges Wahlergebnis der Hamburger Bürgerschaftswahl
Ergebnis der Hamburger Bürgerschaftswahl 2020 Quelle: Landeswahlleitung / statista

Die rote Karte haben die CDU und FDP vom Wähler erhalten. Noch muss die FDP wegen einer Auszählungspanne um den Wiedereinzug in die Bürgerschaft bangen. Die CDU ist fast bedeutungslos und die LINKE klebt an ihrer hinteren Stoßstange.

Die AfD, man kann zu ihr stehen wie man will, ist mit einem ‚blauen Auge‘ davon gekommen. Zwar hat sie 0,8 Prozentpunkte verloren, aber hat im Vergleich zu 2015 ihre absolute Stimmzahl fast gehalten. Bei einer höheren Wahlbeteiligung bedeutet das dann einen Rückgang.

Trotzdem, Hut ab vor Dr. Peter Tschentscher, er hat mit sehr viel persönlichen Einsatz und seiner ruhigen, nie schrillen Argumentation viele überzeugt. Hätte es nicht den negativen Trend der Bundes-SPD, ihren Linksruck und die zwei wenig überzeugenden Parteivorsitzenden gegeben, wäre sogar noch mehr drin gewesen. Nur, wie gesagt hätte: Hätte – hätte – Fahrradkette.

Die Grünen müssen echte Regierungspartei werden

Die Hamburger Grünen stehen vor einer Zäsur. Mit fast einem Viertel der Stimmen sowie als Regierungspartei kann man sich nicht verstecken und steht in der Verantwortung. Regierungspartei sein und via verbündete oder nahe stehende NGOs die Stadtpolitik ausbremsen, werden viele Wähler der Partei nicht abkaufen. Die Herausforderungen der Zukunft sind keine Feel Good Themen. Es müssen Lösungen statt Verbote entwickelt werden.

Eines zeigt die Hamburg Wahl. Die Grünen sind die Partei der hedonistischen privilegierten und angesagten Szene-Stadtteile, in denen es sich trendy leben lässt. Im Roten Hamburg, wo sich die sozialen und wirtschaftlichen Bruchlinien Hamburgs ballen, sind die Grünen bei weitem nicht so stark.

Bisher hat die SPD zuverlässig für den Ausgleich zwischen dem Roten und Weißen Hamburg gesorgt, weil die Partei stets fest geerdet und pragmatisch war. Doch, diese Bindungskraft schwindet.

Praktische Lösungen für konkrete Probleme

Auch wenn Hamburg gut da steht. Die Hafenentwicklung und die Elbvertiefung wurden durch eine NGO-Klageflut gezielt sabotiert. Der Containerumschlag lahmt.

Die Anziehungskraft Berlins in den Medien, in der Web- und IT-Wirtschaft sowie in der Wissenschaft ist ungebrochen. Hier muss Hamburg durch Einfallsreichtum, Entbürokratisierung und Betonung der Kaufmannstugenden attraktiver werden.

Die Verkehrsinfrastruktur der Stadt ist überlastet. Der Hauptbahnhof muss dringend erweitert werden. In den Stoßzeiten fahren U- und S-Bahnen am Rand der Kapazitätsgrenze. Wie will man da zukünftig Umsteiger aus dem Auto mitnehmen? Eine Politik, die sich am Feel Good und der Lastfahrrad-Seeligkeit von Altona, Ottensen, Eimsbüttel, St. Georg oder Winterhude ausrichtet, wird darauf keine praktischen Antworten finden.

Einem Hafenarbeiter zu sagen, du kannst ja von Rahlstedt bei Wind und Wetter 20 Kilometer in den Hafen fahren, was brauchst du ein Auto? Ist zynisch, moralisierend und weltfremd.

Die AfD ist im Roten Hamburg stark

Die AfD ist in den Hamburger Kleine Leute Vierteln, die alles andere als schick oder trendy sind, stark. Hier, im Roten Hamburg, in Viertel wie Bergedorf, Billstedt, Bramfeld, Farmsen, Finkenwerder, Harburg, Jenfeld, Rahlstedt, Rothenburgsort, Süderelbe, Wandsbek, Wilhelmsburg befinden die AfD Hochburgen. Das sind auch die Stadtteile, die die Lasten der ungeregelten Massenimmigration zutragen hatten.

Hamburger Wahlen sind stets etwas besonders, denn es wird auch ganz praktisch und pragmatisch über die Güte einer Stadtpolitik abgestimmt. Da helfen nicht Ideologien, Parolen oder hehre Sprüche. Da muss eine Partei liefern. Sonst wird sie schnell abgewählt. Daran müssen sich die Hamburger Grünen messen lassen. Die Wahl ist gelaufen. Jetzt muss geliefert werden. Wir haben nicht viel Zeit, Arbeit ist angesagt und nicht vergessen in fünf Jahen ist wieder Wahltag = Zahltag.

Die CDU und FDP müssen sich neu aufstellen und attraktive Antworten finden. Das erreicht nur, wenn man eigenen überzeugenden Themen setzt. Vielleicht sollte der selbstbezogene Funktionärsküngel einmal abgesetzt werden.