Fein: Astra wird etwas braver und ist wohl #meetoo-korrekt

Werbeplakat von AstraDas aktuelle Plakatmotiv von Astra, Agentur: Philipp & Keuntje Abb: Brauerei

Das neue aktuelle Plakat-Motiv von Astra zeigt dieses Mal keine nackte Haut. 

Georg August von Rutz macht sich so seine Gedanken zum Lauf der Dinge

Der sicherlich politisch-korrekteste Bundesligaverein Deutschlands, der zweitklassige FC St. Pauli, hat zusammen mit der Hamburger Organisation Pinkstinks Germany eine Kampagne für „sexismusfreie Kommunikation“ gestartet. Auch zwei Werbemotive von Astra (immerhin einer der Hauptsponsoren des Vereins) aus den Jahren 2011 und 2017 waren auch als Negativbeispiele dazu in einer Broschüre, weil sie wohl zu viel „Haut zeigten“, abgebildet.

Nun ja, wir leben im Zeitalter des betreuten Denkens, in dem selbsternannte Moral- und Sittenwächter, u.a. auch den gemeinen ahnungslosen Biertrinker davor schützen, dass er zum Sexist wird. Welcher Mann will das schon sein und medial hingerichtet werden? Deshalb ganz ehrlich, ich bin wirklich froh darüber. Da schmeckt mir das Astra vielleicht sogar noch besser. Wer weiß das schon so genau?

Zum Glück ist der Anspruch Werbung zu ächten: die Menschen als sexuelle Objekte darstellen, in Geschlechterrollen zwängen oder eine geschlechterbezogene Hierarchie darstellen, so schön schwammig formuliert, dass man sicherlich 40% aller Werbemotive irgendwie angreifen könnte. Zum Glück werden auch anerkannte Gedichte von Häuserwänden wie in Berlin entfernt.

Früher war der katholische Volkswartbund, der immerhin im Auftrag des Himmels tätig war, für die „Sitten-Hygiene“ zuständig. Heute haben wir selbsternannte Protestorganisationen, die mit geschickter Öffentlichkeits- und Lobbyarbeit versuchen moralische Standards setzten und durchaus den PC-Korrektheitsgrad zu bestimmen. Gern lassen sich diese Organisationen von verschiedenen Behörden und Institutionen alimentieren. Sage da jemand noch, dass wir keinen Fortschritt in Deutschland haben und dass unser Staat nicht neutral ist.

Das neue Astra Werbemotiv

Heuer startet Astra (eine Marke des dänischen Bierkonzerns Carlsberg) mit einem neuen Kampagnenmotiv, das nun wirklich nicht zu viel Haut zeigt. Philipp und Keuntje, die Hamburger Stammagentur der Biermarke, bringt ein Plakatmotiv mit der Künstlerin Domenika Pawlowski und weiteren Stammgästen aus dem Elbschlosskeller (Hamburger Berg und very shocking: eine Raucherkneipe!) heraus.

Durchaus kann der Elbschlosskeller zu den Hamburger Hardcore Kneipen gezählt werden. Kneipen wie der Elbschlosskeller werden langsam rar auf dem Kiez. Für ein vertrautes Rendezvous oder ein erstes scheues Kennenlernen bieten sich wahrlich andere und zivilere Locations an.

Doch keine Angst, in ein paar Jahren ist das schmuddelige St. Pauli sowieso tot. Voraussichtlich wird St. Pauli überwiegend von teilzeitveganen Hipstern und grün-bewegten Latte-Muttis, die Designermode tragen, in schicken Eigentumswohnungen leben und sündhaft teure Riese&Müller E-Lastfahrräder fahren, bevölkert. Dann sind aus schmuddeligem Sex-Schuppen Yoga-Studios geworden. In ehemals abgewirtschafteten Nepperläden wird viel unnützer Design-Tand verkauft. Eine Raucherkneipe wird schon Probleme bekommen, wenn nur die Tür aufgeht und Zigaretten-Qualm auf der Straße zu riechen ist. Sie sehen, das ist zukünftiger echter Fortschritt und wer will schon rückschrittlich sein.

Die ausgelassene Party-Szene auf dem Plakat ist übrigens nicht ausgedacht, sondern laut Agentur gut beobachtet. Wie auch immer, im Elbschlosskeller gab es lange Zeit gar kein Astra, denn die Kneipe war an die untergegangene Elbschloss-Brauerei, die früher Ratsherrn Pils braute, gebunden. Mittlerweile ist die Marke Ratsherrn wieder ohne jeglichen Bezug zur Elbschloss-Brauerei reaktiviert und braut erfolgreich in den Schanzenhöfen Craft Beer. Aber, das wissen sowieso nur noch ein paar komische Bier Fexe, die sich ein wenig in der Hamburger Bier- und Brauereigeschichte auskennen.

Das durchaus aufmerksamkeitsstarke und ungewöhnliche Plakat-Motiv hängt ab dieser Woche in Hamburg auf einer prominenten Großfläche auf der Reeperbahn sowie in weiteren deutschen Großstädten. Bei diesem Motiv ist die Wahrscheinlichkeit eines #meetoo-Alarm mit hoher Wahrscheinlichkeit eher gering. Darüber hinaus ist ein zusätzliches, typisches Kiez-Motiv geplant. Die Agentur und Brauerei schweigen darüber wie ein Grab.

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