Der laufende Hamburger Wahnsinn: Männer sollte man waffenscheinpflichtig machen, wenn sie nicht kochen können

Pasta vor blauen HintergrundFoto von George Becker von Pexels

Mann, Mann, Mann! Führt der Corona-Blues zu Verblödung? Und geht Liebe wirklich durch den Magen – oder doch eher dran vorbei?

von Manuela Treudorf-Mies*
Hallo, liebe Leute, ich lebe noch – eure Manuela! Ihr wisst ja, die olle Schulfreundin von den Norbert… Ruft der mich letztens doch ma an und will wissn, ob ich denn auch sowas wie Corona-Blues hätt? Was das denn, frach ich ihn. Naja, meint er, sonne Mischung aus nix mit sich anfang könn, büschn traurich und n‘ Tick depri… Weil man könnt nu ja seit lange schon nirgends wo mehr hin, keine Kaffeeklappe, keine Kneipe, und sich noch nichma zu Hause mit zwei oder drei Freunde treffen. Das tät ein ja so pö a pö ganz schön aufn Keks gehn!

Dolles Ding – original passiert!

Klar, sach ich, aber mit ein annern Mensch könnt man sich ja noch treffn. Und da hätt ich grad was richtich Dolles erlebt mit wem, der mein Magen testen wollte, wieviel an Fertigprodukte der wohl so abkann und braucht, damit ich schwach werd… Wo ich nu tief Luft hol, um ihn das ausführlich zu erzähln, sacht er: „Nee, nix erzähln! Tu das ma aufschreibn für mein Blog, da brauch ich dringend was gegen Corona-Blues…Ne lebensechte Story aus dein total normalen Wahnsinn!“

Kann ihn ja sonne Bitte nich abschlagn, und da muss ich also nu mal ran… Fing ja alles ganz harmlos an: Ruft mich neulich ‘n uralter Bekannter an, ehemaliger Arbeitskollege aus’n Supermarkt, aber schon seit Jahrn nix mehr von gehört oder gesehn.

Schnackt son büschn rum, fracht mich, ob ich immer noch geschiedn wär oder nochmal wieder verheiratet… Nee, sach ich, das in Leben nich nochmal! Jeden Fehler kamman ja mal mach’n, aber immer nur einmal…! Von sich tut er auch erzähl’n, wär ja nach seine Scheidung wieder bei Mutti eingezogen, und nu, wo sie jetzt in Ohlsdorf ihren letzten Wohnsitz hat, hätt er sich mit Tricks und Spucke die Genossenschaftswohnung untern Nagel gerissen. Denn, die ist zwar klein, aber ist echt billig!

Das Verhängnis nimmt seinen Lauf, oder bin ich einfach nur dämlich?

Ob ich nich Lust hätt ihn ma zu besuchen? Tät mich ja sonst gern in Restaurant zum Essen einlad’n, wär aber ja nu alles zu und dicht. Ob‘s mir am Samstag passen tät? Da gäbs in Fernsehn ‘n Fußball-Freundschafts-Länderspiel, und er würd vorher auch was Leckeres für uns kochen…Warum eigenlich nich, denk ich. Hab ja sonst nix vor, is ‘n netter, alter Kollege, und man kann über früher und annere alte Kollegen schnackn. Und ein Abend nich selber kochen müss’n, is ja auch mal ganz schön…

Ich also zugesacht und dahin. Er mir gleich die ganze Wohnung gezeicht, zwei kleine Zimmer und ne Wohnküche. „Hab extra für dich alles schön aufgeräumt und saubergemacht“, sacht er. Inner Küche hatter auch schon den Tisch für uns gedeckt und an jeden Platz neben Teller sogar ein Weißweinglas auf der richtigen Seite platziert. Naja, auf den Servietten prangt ein goldenes M – da hättn die Warnlampen schon blinken müssen…!

Billigrotwein in der Flasche
Deutschlands größter Feinkosthändler schenkt ein © ganz-hamburg.de

Ich hab nen französischen Rotwein da, passt doch, oder? Bevor ich noch ein Ja murmeln kann, dreht er mit ner eleganten Bewegung den Schraubverschluss auf und schenkt schwungvoll ein. Na hoch die Tassen, die Marke kenn ich vom Sehn. Unter Kollegas: mit Persorabatt nicht mehr als 1,78. Was er denn Schönes für uns kochen würde, frach ich. Spaghetti Bolognese, sein Lieblingsgericht!

Zum Glück bin ich noch keine Veganerin

Aufm Herd steht auch schon ‘n großer Pott mit kochend Wasser, da leert er die gesamte Spaghettipackung rein, liest halblaut auf der Rückseite die Kochanleitung und stellt Muttis (Gott hab sie seelich) Eieruhr auf sechs Minuten.

Einen anderen Kochpott kann ich nich erspähen. Wie will er denn in sechs Minuten ne Sauce Bolognese mit Hackfleisch, Zwiebeln und Tomaten hinkriegen, frach ich mich – und krich die Antwort prompt geliefert: in Form von zwei Gläsern Fertigsauce – auch vom größten Feinkosthändler Deutschlands! Das kommt zack zack in einen kleinen Pott. Noch ein drittes Glas geht schwupps auf. Darin lecker süß-sauer eingelegte Paprika in Streifen. Da bleiben echt keine Wünsche offen! Natürlich sind die Spaghettis nach sechs Minuten alles andere als gar – al dente super plus, Härtegrad Stufe drei*** würde ich mal sagen.

Parmesello gibs natürlich nicht. Kling – Klang stossen wir mit dem Le Rouge an und verdrücken diese kulinarische Höchstleistung. Auch egal, Männer die so kochen, die sind waffenscheinflichtig. Oder, willer testen, ob ich nen Ledermagen hab? Wer weiß das schon so genau?

Lidl Kartoffel Chips
Chips beim Fussi, ohne die geht das nicht! Foto: Lidl

Ab in die Nahkampfdiele, aber nur eine kommt durch

Nach’m Essen räumen wir alles in den Candy-Geschirrspüler. Jetzt zum Fussi trinken wir aber Bier, murmelt er, holt ein paar Flaschen Oettinger aus’m Kühlschrank und reißt ne Tüte Snack Day Chips auf. Damit gehts rüber ins Wohnzimmer, rauf aufs Sofa und Glotze an. Wir schalten um ins Stadion…

Beim ersten deutschen Tor jubelt er laut, nimmt nen großen Schluck aus der Pulle, legt mir die annere Hand aufs Knie und verkündet stolz: „Ich hab übrigens nicht nur die ganze Wohnung für dich aufgeräumt und geputzt, sondern auch noch das Bett frisch bezogen!“

Au weia, der Wink, oder besser K.O.-Schlag, mit’n Zaunpfahl tut weh! Zumal, meine Wahrsagerin hat mich gewarnt! Manuela, nimm dich in Acht, ich sehe einen gefährlichen Mann…! Wie wahr, wie wahr – die Frau kann echt inne Zukunft schaun!

Was mach ich mit mein plötzlichen Fluchtinstinkt? Den Gang zum Klo verbind ich mitn Abstecher anne Gardrobe zu Mantel, Schal und Mütze. Dann  schau ich nochma kurz durch die halboffene Wohnzimmertür, um mich bei ihn für den netten Abend zu bedanken. Aber wenn ich jetzt noch länger bliebe, dann müsste er ja das Bett am nächsten Morgen gleich schon wieder frisch beziehn, und das sei ihm ja nun wirklich nicht zuzumuten…!

Also, in diesen Abend hat er grademal sechs Euro investiert. Sparsam nährt sich das Eichhörnchen, aber: sechs Minuten Kochzeit, sechs Euro Wareneinsatz und SEX, das ist doch ein Tick zu billig!

*Die Autorin ist ganz-hamburg.de (leider allzu) bekannt. Bei Redaktionsbesprechungen weigert sie sich sich standhaft die Cognac-Flasche für alle zu holen, stattdessen trinkt sie lieber Chai Latte. 
Die Personen, Begebenheiten und die Handlung dieses Blogbeitrages (Der laufende Hamburger Wahnsinn) sind frei erfunden – schlimmer noch, ein Produkt der überbordenden Fantasie von Manuela Treudorf-Mies, die bekanntlich zu Tagträumen der dritten Art neigt.  Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig und sind natürlich nicht beabsichtigt. Ganz großes Indianer-Ehrenwort!

Print Friendly, PDF & Email