Die Abschaffung des Bargeldes

GeldGeld und Kredit gehören zusammen Foto: pexels.com CC0 License

Money makes the world go round – aber immer weniger mit Geldscheinen und Münzen

Die Deutschen sind traditionsgemäß ein Volk der Barzahler! Doch immer häufiger steht die Abschaffung des Bargeldes zur Diskussion. Auch wenn hierzulande immer noch schätzungsweise 80% an der Supermarktkasse zum Portemonnaie greifen, zeigt der Blick auf andere Länder, dass die bargeldlose Welt gar nicht mehr so weit entfernt ist. 

In Schweden zahlen z.B. nur noch ein Viertel der Einwohner mit Scheinen und Münzen. Wer dort das Parkticket bezahlt, zieht das Smartphone aus der Tasche, um kontaktlos die ausstehenden Beträge in Sekundenschnelle zu begleichen.

Kontaktlose Bezahlsysteme auf dem Vormarsch! (link) Bild von kalhh auf Pixabay

Von bargeldlos zu kontaktlos

Gerade während der Coronakrise verliert das Bezahlen mit Bargeld an Charme. Zu groß war und ist die Angst der Bürger, sich zu infizieren. Online-Shopping und Kryptowährungen gewinnen an Zulauf. Kredit- und Girokarten werden immer häufiger gezückt. Bezahl-Apps und bargeldlose Zahlungsmethoden wie PayPal werden von der Generation der Digital Natives kommentarlos akzeptiert.

Mit der neuen Technologie NFC, deren Kürzel für Near Field Communication steht und deren Funktionsweise hier abgerufen werden kann, werden Zahlungen kontaktlos im Vorübergehen geleistet. Spätestens wenn NFC bei jedem Bäcker oder Friseur zum Einsatz kommt, hat das letzte Stündlein für das geliebte Bargeld geschlagen.

Die Welt ohne Bargeld

Noch ist es nicht soweit! Doch mächtige Interessengruppen setzen sich dafür ein, dass die Abschaffung des Bargeldes vorangetrieben wird. In der jetzigen Phase der Negativzinsen würden die Banken davon profitieren, wenn Bürger und Unternehmen nicht mehr ihr Konto leerräumen können, um die Zahlung von Strafzinsen zu vermeiden. Privat- und Geschäftsbanken müssten bei Liquiditätsengpässen keinen “Run” mehr befürchten, bei dem Kunden in Panik vor einem Bankrott des jeweiligen Instituts ihr gesamtes Vermögen auf einen Schlag abheben.

Profitieren würde zudem die Branche der FinTechs. Diese oft aus StartUps bestehenden Innovatoren aus der Finanztechnologie entwickeln neue Zahlungsarten oder optimieren bestehende Prozesse. Der Begriff umfasst im weitesten Sinne Anbieter von Bezahl-Apps, Mobile Payment Technologien, Kreditkartenanbieter und elektronische Zahlungssysteme.

Pro und Contra der Abschaffung von Bargeld

Das Thema polarisiert die Bevölkerung und Gegner und Befürworter der Bargeldabschaffung diskutieren die positiven und negativen Aspekte mit Vehemenz. Deshalb stellen wir die Vor- und Nachteile für die Gesellschaft und den Bürger einmal gegenüber.

Die Vorteile einer Welt ohne Bargeld

Für viele mag es überraschend erscheinen, doch der Gebrauch von Bargeld ist in der Regel weitaus teurer als die Nutzung von bargeldlosen Zahlungsmitteln. Dabei sind zum einen die Produktionskosten der Abermillionen von Scheinen und Münzen anzuführen. Zum zweiten betrifft es das Handling. Darunter fallen die Transportkosten zu den Banken und die Bestückung von Geldautomaten. Hinzu zählen die Verwahrung im Banksafe und der Austausch von unbrauchbar gewordenen Scheinen.

Bargeldlose Bezahlvorgänge können in der Regel effizienter und in kürzerer Zeit bewältigt werden als solche, bei denen mühsam Wechselgeld abgezählt werden muss. Es passieren weniger Fehler, die Ausgabe von falschen Rückgeldbeträgen wird vermieden. Ein schlagendes Argument der Befürworter einer Bargeldabschaffung ist das Absinken der Kriminalitätsrate. Überfälle auf Banken, Geldtransporter oder Einzelhandelsgeschäfte blieben ohne Bargeldbestände sinnlos.

Die Nachteile der Abschaffung des Bargeldes

Kritiker bemängeln die Einschränkung der persönlichen Freiheit des Individuums. Derzeit können Einkäufe elektronisch bezahlt werden, müssen aber nicht. Ohne Bargeld besteht diese Wahlmöglichkeit nicht mehr. Zudem wird die Kritik am “gläsernen Bürger” immer lauter. Jeder Bezahlvorgang über Kreditkarte oder mobilem Endgerät wird auf Datenbanken gespeichert. Zwar wurden die Datenschutzgesetze zum Schutz der Privatsphäre in den letzten Jahren immer weiter angepasst. Ob diese auch bei komplett bargeldlosem Zahlungsverkehr ausreichen, muss der Ernstfall zeigen. 

Auch die Gegner der Bargeldabschaffung führen die Kriminalitätsrate in ihrer Argumentation an. Sie rechnen keinesfalls mit einer Verringerung, sondern sehen eher eine Verschiebung Richtung Cyberkriminalität und rechnen mit vermehrten Hackerangriffen auf persönliche Daten und Online-Währungen.

Fazit

Deutschland ist zwar noch ein gutes Stück vom skandinavischen Modell entfernt, die Abschaffung des Bargeldes ist aber schon erkennbar und wird eher schrittweise ablaufen. Die Einstampfung großer Geldscheine hat schon begonnen, eine schrittweise Verschärfung einer Obergrenze für Bargeldzahlungen ist ebenso zu erwarten wie die Einführung einheitlicher Abhebungsbeschränkungen. Verstärkt wird diese Tendenz von der jungen Generation, für die die Nutzung des Smartphones und bargeldloser Bezahlvorgänge längst zum Alltag gehören.

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