Alles auf Off in Hamburg Wandsbek – Conrad Elektronik macht bald dicht

Ansicht des Conrad Marktes in Hamburg Wandsbek bei blauem HimmelDer Conrad Elektronikmarkt in Hamburg Wandsbek © Norbert Schmidt

Das Einzelhandelssterben setzt sich fort: Der Conrad Elektronikmarkt in Hamburg schließt. Conrad setzt bei Privatkunden voll auf seinen Onlineshop.

Schicht im Schacht für den großen Conrad Elektronikmarkt in Hamburg Wandsbek. Conrad Elektronik gab bekannt, dass er fast alle deutschen Filialen schließen will. Bereits vor der Corona-Pandemie schloss 2019 die Conrad Filiale am Hahnenkamp direkt am Bahnhof Altona. Der Standort hat sich schon damals wohl nicht mehr gerechnet.

Conrad ist im stationären Einzelhandel schon seit einigen Jahren auf den Rückzug. Vor fünf Jahren hat die Elektronikkette deutschlandweit noch 25 Filialen besessen. Aktuell betreibt der Multichannel-Händler, der in 17 Ländern aktiv ist, deutschlandweit nur noch 11 Filialen. Ganz wird das Einzelhandelsgeschäft nicht aufgegeben. Zukünftig wird es Filialen nur noch für Geschäftskunden (B2B) geben. Dafür werden neue Standorte gesucht. Für Privatkunden ist der Onlineshop da.

„Natürlich fällt uns dieser Schritt sehr schwer. Wir haben unsere Beschäftigten daher frühzeitig informiert und sind in Gesprächen, um sozialverträgliche Regelungen zu finden und unserer sozialen Verantwortung gerecht zu werden”,

erläutert Ralf Bühler, CEO von Conrad Electronic SE, die Situation.

Elektronikläden: Nicht nur männeraffin sondern auch sehr speziell

Ob Bastler, Technik-Enthusiast oder Nerd, in diesen Kreisen ist der Elektronik Multichannel-Händler Conrad eine erste Adresse, wenn es um Elektronik, Kommunikations- und IT-Technik, Werkzeug, Modellbau, Gadgets und Bauteile geht. Dem Marktführer Conrad flogen dabei nicht unbedingt alle zumeist männlichen Technikerherzen zu, aber die Zeit der legendären kleinen Computerbauteil-, Elektronik- und Bastlerhändler ist lange vorbei, da sie nicht mehr wettbewerbsfähig waren.

Gerade die Kleinteiletresen in Elektronikgeschäften sind (waren) ganz besonders spezielle Orte mit oft eher längeren Schlangen, Verkäufern die ihre Kunden gern verbesserten (wehe man kannte die genau technische Bezeichnung nicht …). Zwischen den fast immer männlichen Kunden und den Verkäufern bestand immer eine spezielle Beziehung, der Ton war freundlich rustikal und technisch reduziert knapp. Gepflegt wurde der spezielle Nerd- und Technikerhumor und der Dresscode lautete lustiges ‘Statement T-Shirt’. Auf der anderen Seite wurden viele Kunden vor Fehlkäufern bewahrt. Wenn sich einmal eine Frau in Läden dieser Art verirrte, dann wurde sie meistens mit Engelsgeduld beraten.

Conrad macht da weiter wurde Media Markt & Co. aufhören

Wer Technik jenseits von Media Markt, Saturn & Co. brauchte, der kam an Conrad schwer vorbei. Allerdings, die Käufer in diesen Warengruppen sind besonders Web-affin. Das Web, u.a. Amazon, Ebay oder Alibaba, bietet nicht nur mehr Auswahl und niedriger Preise. Online bestellen ist auch ein echter Time Saver.

Die Wurzeln des fast 100 Jahre alten Unternehmens waren immer stark durch den Versandhandel geprägt. Schon einmal hat der Elektronikhändler konsequent auf das geänderte Einkaufsverhalten reagiert. In den 1970er Jahren wurden fast alle damaligen Conrad Filialen geschlossen, denn es wurde voll und ganz auf den Versandhandel gesetzt.

Hinzu kommt Conrad, das Sortiment umfasst mittlerweile um die 6 Millionen Artikel für Privat- und Geschäftskunden. In einer Filiale könnte man nicht einmal ansatzweise selbst nur für Privatkunden ein Vollsortiment komplett anbieten. Hinzu kommt der Betrieb einer stationären Einzelhandelsfiliale ist kosten- und personalintensiv: Hohe Mieten, Aufwendungen für Personal, Warenwirtschaft, Lagerhaltung im Geschäft, Security, lokale Werbung, behördliche Auflagen und eine aufwendige Verkaufssteuerung summieren sich. Das ist in einem preisaggressiven Markt mit geringen Handelsspannen und hohes technisches Innovationtempo, dass Warenbestände schnell veralten lässt, wirtschaftlich unter den aktuellen Rahmenbedingungen kaum noch möglich.

Für Hamburg als Stadt bedeutet das, dass sich der Rückzug des Einzelhandels weiter vorsetzt und Immobilienbesitzer über neue Nutzungen nachdenken müssen.

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