Der Deutsche Blätterwald vertrocknet

ZeitungsstapelZeitungen Bild von congerdesign auf Pixabay

In zehn Jahren haben sich Anzeigen-Einnahmen der Deutschen Zeitungen halbiert.

Die Zahl klingt stolz, doch vor zehn Jahren war sie noch doppelt so hoch. Deutschlands Zeitungen haben im letzten Jahr nur noch 1,8 Mrd. Euro aus Anzeigen und Beilagen eingenommen. Das meldet der Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger (BDZV). Auch wenn das letzte Jahr aufgrund der Corona-Einflüsse anders beurteilt werden muss. Die Verluste sind im Zehnjahresvergleich massiv. Angenommen werden kann, dass die in Hamburg erscheinenden Tageszeitungen wie Hamburger Morgenpost, Hamburger Abendblatt und BILD Hamburg von dem Branchentrend ebenfalls betroffen sind.

Auf steiler Talfahrt: Die Anzeigeneinnahmen deutsche Tageszeitungen 2010 -2020 Quelle: BDZV und Statista

Allerdings, auf der anderen Seite ist es den Verlagen gelungen die Vertriebsumsätze (Einzelverkäufe, Abonnements, Digitale Angebote) u.a. auch durch kräftige Preiserhöhungen, obwohl auch die Auflagen im Sinkflug sind, zu steigern. Lag im Jahr 2010 die Auflage noch bei 19,4 Mio. verkauften Exemplaren sind es 2020 nur noch 12,5 Mio. Laut Verband gleicht das Einnahmeplus beim Vertrieb den Rückgang bei den Anzeigenerlösen bei regionalen und überregionalen Zeitungen aus.

Jedoch betragen die digitalen Umsätze (Vertrieb mit E-Paper: 248 Mio. weitere digitale Umsätze 537 Mio. Euro) nur gut zehn Prozent der Gesamteinnahmen.

Branchenkenner prognostizieren neben Sparmaßnahmen und Stellenabbau weitere Fusionen und noch mehr Kooperationen im Verlagsbereich. Denn, ob es weiterhin gelingt sinkende Anzeigenerlöse mit steigenden Vertriebseinnahmen und digitalen Einnahmen wie in der Vergangenheit zu kompensieren, ist fraglich. Gerade in kleineren Bundesländern wie Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern oder dem Saarland könnte es bald de facto nur noch eine oder zwei unabhängige Tageszeitungen geben. Auch nicht unwahrscheinlich ist, dass einige Titel zukünftig keine Printausgabe mehr produzieren und nur noch Online erscheinen.

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