Dickes Ding: Hamburger Handelskammer-Präses tritt Knall auf Fall zurück!

Tobias BergmannTobias Bergmann - ehemaliger Präses der Hamburger Handelskammer © ganz-hamburg.de

Scherbenhaufen: Tobias Bergmann trat als Rebell an und wollte bei der Handelskammer alles ändern, jetzt macht er sich vom Acker und legt sofort alle Ämter nieder!

Er war als Revolutionär angetreten, doch jetzt hat der Handelskammer-Präses Tobias Bergmann (47) sein Amt mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Der selbsternannte Kammerrebell und „Revolutionär“ gibt auf! Die Bombe platzte am Samstagnachmittag, als er eine E-Mail, die er an die Hausspitze der Handelskammer geschickt hatte, via Twitter und Facebook verbreitete.

Bergmann hinterlässt einen Scherbenhaufen

So schnell kann es gehen. Noch im Winter 2017 hatte Tobias Bergmann mit seiner Gruppe Die Kammer sind wir! einen furiosen Wahlkampf gegen die damalige Kammerführung um Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz mit vollmundigen Wahlversprechen wie mit der Senkung der Kammergebühren geführt und bei den Plenumswahlen 55 von 58 Sitzen gewonnen. Mit entsprechend satter Mehrheit wurde Bergmann wurde daraufhin im Frühjahr 2017 zum Präses gewählt.

Bergmanns Wahlversprechen waren das Papier nicht wert!

Doch schnell zeigte sich, dass der Unternehmensberater Bergmann seinen Mund wohl etwas zu voll genommen hat. In dieser Kaste, die leider viele Gaukler und Taschenspieler kennt, übrigens nicht besonders selten. 

Seine Wahlversprechen musste Tobias Bergmann nach und nach abräumen. Bitter, man wollte sparen und dann gab es für den Ex-Geschäftsführer Schmidt-Tenz  eine Millionenabfindung. Nicht nur das Sparsamkeit anders geht, dass eine hohe Abfindung gezahlt werden musste, war durchausabzusehen. Von der versprochenen Abschaffung der Zwangsgebühren ist längst keine Rede mehr.

Auch die Strukturreform der Kammer steht auf der Kippe, in der kommenden Woche sollte bei einer Plenumssitzung  erneut darüber abgestimmt werden. Kammer-Insider hielten eine Niederlage für Bergmanns Pläne für nicht unwahrscheinlich. Hinzu kommt, viele werfen ihm mittlerweile Planlosigkeit und eine erratische Amtsführung vor. 

Viele fähige Mitarbeiter sind schon weg

In der Kammer drehte sich derweil das Personalkarussel, fähige und langjährige Mitarbeiter haben die Handelskammer verlassen. Schlimmer noch, die selbstbewusste Hamburger Handelskammer, die stets mit deutlicher Stimme sprach, ist in der öffentlichen Meinungsbildung  nur noch mit einer Flüsterstimme hörbar. Auch das Wirken der Hauptgeschäftsführerin Christi Degen ist kammerintern umstritten. 

Hamburger Wirtschaft findet sich nicht wieder

Hatten die Kammerrebellen am Anfang den Überraschungsmoment auf ihrer Seite, organisiert sich seit einigen Monaten Widerstand in der Hamburger Wirtschaft.

Kein Wunder, die Zusammensetzung des Plenums spiegelt nicht einmal ansatzweise die Struktur und Bedeutung der Hamburger Wirtschaft wider.
Wenn dann noch durchgestochen wird, dass das Plenum über die Mineralwassermarke, die die Handelskammer verwenden soll, ausgiebig diskutiert hat, dann können sich Unternehmer und Manager nur noch wundern. Es gibt wahrlich andere Probleme.

Unternehmer aus der vierten und fünften Liga sind nun man keine Ansprechpartner für große renommierte Unternehmen, Marktführer mit vielen Mitarbeitern und hohen Umsätzen. Da ist wenig Augenhöhe vorhanden. So war es eine Frage der Zeit bis sich eine Opposition außerhalb der Handelskammer gebildet hat.

Das Bündnis „Starke Wirtschaft Hamburg“ hat sich vorgenommen bei der nächsten Plenumswahl im Jahr 2020 wieder die Mehrheit zu übernehmen. Es wird von bislang 50 Unternehmen und 150 profilierten Einzelpersonen getragen. Dabei sind Schwergewichte und erste Adressen wie die Haspa,  Jungheinrich, Helm oder die führende Hamburger Mittelstands-Kanzlei Möhrle Happ Luther. 

Versammlung eines Ehrbaren Kaufmann
Versammlung eines Ehrbaren Kaufmann 2017 – die Sitzordnung wird es höchstwahrscheinlich nie mehr geben © ganz-hamburg.de

Was wird aus der Versammlung eines Ehrbaren Kaufmann?

Immer kurz vor Sylvester wird die „Versammlung eines Ehrbaren Kaufmann“ abgehalten. Auch wenn sie von einem eigenständigen Verein organisiert wird, spricht hier stets der Handelskammerpräses zur Lage in Hamburg. Wie soll das mangels Amtsinhaber in diesem Jahr möglich sein?
Auf jeden Fall wird eine jahrhunderte alte Tradition gebrochen.

ganz-hamburg.de ist der Meinung 

Insgesamt steht die Handelskammer, als noch immer Hamburgs wichtigste Wirtschaftsvertretung, vor einem Scherbenhaufen, den Tobias Bergmann hinterlassen hat. Gerade den letzten Satz von Bergmann in seinem Rücktrittsschreiben kann man nur als zynischen Witz bezeichnen:

„Ich hoffe, dass die Handelskammer Hamburg den eingeschlagenen Weg mutig weitergeht.“

Tobias Bergmanns letzter Satz in seinem Rücktrittsschreiben

Komisch, dass ihm bei seiner eigenen Mannschaft im Plenum dafür dann der Rückhalt fehlt und er die Segel streicht. Er bringt scheinbar auch nicht den Mut, etwas auszukämpfen, auf. Im Falle einer Niederlage im Plenum hätte er nach der Sitzung  zurücktreten können. Das ist eine Frage des persönlichen Stils und der Haltung oder wie isoliert der Präses schon war.

Mit anderen Worten, er empfiehlt seinem Nachfolger, mit Vollgas weiter in die Sackgasse und Chaotik zu fahren. Kaum anzunehmen, dass es dafür noch Mehrheiten gibt. 

Verrechnet haben sich auch die Grünen Hamburgs. Fraktionsvorsitzender Anjes Tjarks hat sich über ihn mehr grünen Einfluss in der Handelskammer erhofft. 

Na ja, immerhin hatte sich Tobias Bergmann in einem Gespräch mit dem Spiegel einmal mit französischen Revolutionär Robespierre verglichen. Das hat ihm viel Spot eingebracht. Allerdings Robespierre ist aber heftiger gescheitert und endete bekanntlich wenig ruhmvoll auf der Guillotine. Vielleicht trösten Bergmanns-Freunde in seinem Wilhemsburger Boxclub ihn über die Niederlage hinweg. Wer weiß das schon so genau.

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