Die Grüne Bürgerschaftsfraktion lud zur Diskussionsrunde ein

Podiumsgespräch in Hamburg Robert Habeck im Gespräch mit Lars MeierDie Grüne Wirtschaft trifft: Robert Habeck im Gespräch mit Lars Meier (c) Gute Leude Fabrik

Wir leben in einer Zeit, in der die Dinge ins Rutschen geraten sind.

Die Grüne Bürgerschaftsfraktion lud gemeinsam mit dem Nachhaltigkeitsnetzwerk N Klub zur Veranstaltung und Diskussionsrunde „Die Grüne Wirtschaft trifft – Der N Klub fragt nach?!“ am Dienstagabend in die St. Pauli Kirche ein.

Im Mittelpunkt des Abends und der Diskussion stand die Sonderausgabe des Formats „Der N Klub fragt nach?!“:

N Klub-Initiator und Gute Leude Fabrik-Geschäftsführer Lars Meier diskutierte mit Robert Habeck  (Bundesvorsitzender BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) unter anderem über das Thema „Wo muss Politik Akzente für eine nachhaltige und zukunftsfähige Entwicklung setzen?“.

Nichts da mit besinnlicher Adventszeit und fröhlichen Glühwein trinken. Die deutsche Politik und Gesellschaft steht vor massiven Veränderungen.

Dabei sind die Grünen zu einem bestimmenden Faktor geworden. Welchen großen Einfluss die Partei hat, hat sie gerade beim „Klima-Kompromiss“ bewiesen und damit eine massivsten Steuererhöhungen der letzten Jahrzehnte ausgelöst.

Angesprochen auf die viel diskutierte CO²-Steuer stellt Robert Habeck heraus:

„Der CO²-Preis fängt mit 25 Euro an, eine Lenkungswirkung zu erzielen. Unternehmen, die Kohle verwenden, fangen aktuell an über Alternativen nachzudenken.“

Zurzeit gehe es in der Politik darum, sinnvolle, geplante Kompromisse einzugehen. Habeck führte weiter fort, dass Kompromisse kein Zeichen für Scheitern seien, sondern vielmehr Anreize dafür geben sollten, um parteiübergreifend gemeinschaftlich weiter voran zu schreiten.

Bei Fridays for Future sieht der Grüne Parteivorsitzende die große Gefahr, eine ganze Generation für die kommenden 30 Jahre zu verlieren. Sollte die Politik hier nicht auf die Verzweiflung der jungen Menschen eingehen und entsprechende Themen auf den Weg bringen, würden sich diese entweder radikalisieren oder enttäuscht von der Demokratie zurückziehen.

Robert Habeck über Katharina Fegebank

In Katharina Fegebank sieht er eine Person, die die Lebensfreude und Unmittelbarkeit verkörpert, um solche Themen anzugehen und die Hansestadt Hamburg auf dem Weg in die Zukunft zu begleiten.

„Sie weiß, ob die Züge pünktlich kommen und wie man Bier trinken darf, ohne vom Schaffner weggebürstet zu werden.“

ergänzt Habeck

Seine öffentliche Position sieht er etwas kritisch, weil das Bild eines Politikers bestimmte Assoziationen bei den Menschen wecke und vielfältige Erwartungen an seine Person. Er dürfe dann nicht mehr fliegen, nicht auf Kreuzfahrt gehen oder beim Discounter einkaufen, weil es nicht zu dem öffentlichen Bild passe:

„Wir dürfen uns dann auch nicht wundern, wenn manchmal Beschlüsse in der Politik gefasst werden, die an den Bedürfnissen der Menschen vorbei gehen.“

Robert Habeck zum Abschluss des Gespräches

Die Panel-Diskussion

Im Vorfeld des Interviews sorgte eine spannende Panel-Diskussion für viel Gesprächsstoff unter den 320 Gästen. Moderiert von Dominik Lorenzen  (Grüne, MdBü, Sprecher für Wirtschafts- und Hafenpolitik) debattierten drei Hamburger Wirtschaftsmanager Wybcke Meyer (Geschäftsführerin TUI Cruises), Tarek Müller (Geschäftsführer About You) und Antje Schubert (Geschäftsführerin Iglo) um die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen.

„Wir dürfen nicht mit dem Zeigefinger voran gehen, sondern müssen dem Verbraucher die Möglichkeit geben auszuwählen“,

stellt Antje Schubert auf die Frage nach der Zukunftsvision der Firma Iglo heraus.

Antje Schubert sieht viele Chancen, die verschiedenste, technische Möglichkeiten, die global wachsende Nachfrage nach Nahrung (Bevölkerungswachstum) bieten.

Für den Tourismus-Bereich sind entsprechende Knöpfe schon gedrückt, um die Kreuzfahrt zukünftig attraktiv, nachhaltig und emissionsfrei zu gestalten, stellt Wybcke Meyer in diesem Zusammenhang heraus.

„Deutschland hat eine große Chance, um synthetische Kraftstoffe herzustellen“, fügt sie hinzu.

„Wir wollen bereits 2020 emissionsfrei sein“,

Erklärt Tarek Müller unter zustimmendem Applaus der Gäste.

Entsprechende, selbst für das Unternehmen überraschend kostengünstige Alternativen habe About You bereits schon umgesetzt. Man müsse Unternehmen durch entsprechende Sanktionen und Strafen, vor allem im CO2-Ausstoß, auf den richtigen Weg bringen, um Unternehmen, die bereits in der Umstellungsphase sind, zu stärken.

Gleichzeitig müsse man aber auch dafür sorgen, dass Firmen nicht durch Sanktionen aussterben, sondern diese durch Förderungen und rechtliche Grundlagen unterstützen.

Unser Fazit des Abends

Die gewachsenen und erfolgreichen deutschen Industrie- und Wirtschaftsstrukturen stehen vor großen komplexen Veränderungen und Umbrüchen. Genau genommen sind die Folgen und Wirkungen einer CO²-Steuer heute noch nicht überschaubar.

Die Infrastruktur muss umgebaut werden, das erfordert große vorausschauende Investitionen, gleichzeitig wird fast jedes wichtige Projekt durch NGO-Klagen über Jahrzehnte blockiert oder die komplizierten Vergabeverfahren sorgen für Klagen von unterlegenen Wettbewerbern, die die Realisierung weiter verzögern.

Wachsende soziale Konflikte und klare Bruchlinien zeichnen sich ab und werden die zukünftige Politik herausfordern. Das kann man durchaus alles durch ein grün gefärbte Feel Good Brille betrachten. Die Chancen überbetonen und die Risiken kleinreden.

Zu den vielen schwelenden Konflikten werden neue hinzukommen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass es deutliche und nicht wenige Verlierer geben wird, ist ziemlich groß.

Eines ist auch gewiss, die Stammwählerschaft der Grünen, wird weniger auf der Seite der Verlierer stehen. Da wird dann die Frage, ob man in der U-Bahn ein Bier trinkt und phöser Schnaffer sagt: „Du, du, du“, ziemlich nebensächlich sein.

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