Praxisbericht: Erfahrungen eines Hamburger Geldanlegers

Die Hamburger Flagge auf der ElbeDie Hamburger Flagge © ganz-hamburg.de

Eine vernünftige wertorientierte gewinnbringende Geldanlage ist einfacher als man denkt. Eine Voraussetzung ist das langfristige Denken und man sollte nicht zocken.

Kryptowährungen wie Bitcoin sind in aller Munde. Nicht selten bekommen Anleger, die in eine Kryptowährung investieren, von Politikern, Aktivisten und Banken das Etikett Spekulant verpasst. Doch was sind das für Menschen, die in Kryptowährungen investieren? Sind es wirklich profitsüchtige Hasardeure, die alles auf eine Karte setzen. Was spricht eigentlich gegen ein planvollen Aufbau eines Depots als Altersvorsorge? Denn, die von der gesetzlichen Rentenversicherung mit allen ihren uneingelösten Versprechungen seitens der Politik muss man sich auf magere Bezüge im Alter einstellen. Die früher so protegierten und auch steuerlich geförderten Kapitallebensversicherungen haben sich teilweise als Geldverbrennungsanlagen entpuppt.

ganz-hamburg.de hat 43-jährigen Jean-Marc* aus Hamburg Bergedorf getroffen. Er hat freimütig von seinen Erfahrungen als Anleger erzählt.


© Norbert Schmidt

Jean-Marc, wie sind Sie zum Geldanleger geworden:

„Schon für meine Eltern war eine regelmäßige langfristige Geldanlage wichtig. Mein Vater hat gut verdient, aber reich war nicht, so leicht gehobener Durchschnitt. Seit meiner Geburt haben meine Großeltern und ein Onkel mir zu jedem Geburtstag Wertpapiere geschenkt. Hauptsächlich waren das festverzinsliche Wertpapiere. Dazu kamen noch Geld zur Konfirmation und ein kleiner Sparplan meiner Eltern. Davon sollte später mein Studium finanziert werden.“

Und, wieviel ist zusammengekommen:

„Alles in allem waren es gut 20 Tausend Mark. Allerdings, die habe ich nicht gebraucht. Ich wohne fast bis zum Ende des Studiums bei meinen Eltern und hatte einen ganz guten Studi-Job. Davon konnte ich sogar sparen und mir bequem einen Gebrauchtwagen leisten.“

Wie wurden Sie denn zum Anleger, festverzinsliche Wertpapiere sind nicht gerade spannend?

„Ich bin ja von Haus aus Wirtschaftsingenieur. Es gab ein billiges Studentenabo der Wirtschaftswoche, da waren ja eine Menge Anlageempfehlungen drin. Ein kleiner Teil der Wertpapiere wurden fällig und ich hatte freies Geld. Damit habe ich Aktien gekauft und auf die richtigen Trends gesetzt. Zum Ende meines Studiums bestand mein Depot zu 70% aus Aktien und 30% aus Wertpapieren. Den Depotwert habe ich in fünf Jahren um das eineinhalbfache gesteigert.“

Start ins Berufsleben © Norbert Schmidt

Aber, richtig investiert haben Sie erst im Job, richtig?

„Gleich, als ich ins Berufsleben gestartet bin, habe ich fünf Prozent meines Gehaltes in mein Depot gesteckt. Von den Gehaltserhöhungen habe ich 40 Prozent wieder investiert. Das ist einfach, denn so spürt man keinen Verzicht. Gewinne wurde immer thesauriert. Investiert habe ich immer konservativ. Blue Chip Aktien, viel Amerika und Großbritannien. Keine Beteiligungen, Bauherrenmodelle oder geschlossene Immobilienfonds. Ich habe auch ausgesprochene Dividenaktien mit Depot. Auch wenn die Kurse nicht explodieren, sie zahlen zuverlässig gute Dividenden. Mir war immer eine langfristige gute Perspektive wichtig. – so ein Warren Buffet für Arme (lacht dabei).“

Ja und warum jetzt Kryptowährungen?

„Ich leite heute bei einem Verkehrsunternehmen den Bereich Finanzen und Controlling. In den letzten 20 Jahren ist einiges passiert. Die solide Geldpolitik der Deutschen Bundesbank gibt es, seit es den Euro gibt, definitiv nicht mehr. Ich höre ja so einiges. Es sind nicht nur die Null-Zinsen. Die Banken pumpen Geld in den Markt – kaufen Anleihen ohne Ende auf. Ob es nun spekulative Geschäfte sind oder mehr als fantasievoll in neue Geschäftsmodelle investiert wird. Ich kenne ein paar Unternehmen, die leben praktisch von den Nullzinsen und halten sich damit über Wasser. Das Investorengeld fließt. Grundstücke und Häuser werden hin- und her gehandelt. Die Immobilie bleibt gleich nur die Kaufpreise steigen steil an. Da entwickelt sich ein Blase.“

Poster Räumungsverkauf
Viele Geheimtipps sind ihr Geld nicht wert © Norbert Schmidt

Wie kamen Sie auf Kryptowährungen?

„Ich wurde so vor drei Jahren auf Bitcoin aufmerksam. Damals machten sich viele Menschen über Kryptowährungen lustig, verpassten das Etikett unseriös. Aber, was taten die Notenbanken? Sie senken die Zinsen auf null, führten Strafzinsen ein und kaufen Anleihen von eigentlich bankrotten Staaten. Der Euro bekam zunehmend den Charakter einer FIAT-Währung.“

Und was war Ihre Gegenstrategie?

„Für mich war das, dass Signal mein Depot krisenfester zu machen. Ich hatte vorher schon Sachwerte gekauft. Mir gehören zum Beispiel 12 Stellflächen und 9 Garagenplätze in interessanten Wohnvierteln. Die habe ich teilweise in Zwangsversteigerungen gekauft. Die Rendite ist ordentlich und das Risiko ist gering. Denn bei Stellplätzen gilt nicht das wahnsinnige Deutsche Mietrecht. Ich habe auch reales Gold und Silber gekauft. Da bin ich ehrlich, das ist war auch emotional.”

Wann haben Sie sich für Kryptowährungen interessiert?

„In den Bitcoin bin ich rechtzeitig im Jahr 2017 eingestiegen. Ein junger IT’ler in unsere Firma hat davon geschwärmt. Vielleicht hat er mich auch etwas ‚überredet‘ Keine hohe Summe, aber der Kurs lag damals bei rund 4.000 US $. Jetzt liegt er aktuell über 40.000 US-$. Er  hat sich also verzehnfacht. Allerdings, ich habe auch zu höheren Kursen gekauft. Klar, dazwischen gab es immer mal wieder heftige Abstürze. Da muss man die Nerven behalten.”

Stuckfigur Mutter mit Kind
Langfristig denken und nicht kurzfristig mit Zocken Anlageerfolg erzwingen wollen © Norbert Schmidt

Ihr Fazit als erfahrener Anleger?

„Grundsätzlich streue ich immer breit. Ich muss das Geschäft verstehen können. Deshalb wäre ich auch nie bei Enron eingestiegen oder hätte Lehman-Zertifikate gekauft. Hohe Rendite ohne Risiko gibt es nicht. Auch wenn ich eine tolle Performance mit Apple, Amazon, Ebay und Google hatte. Jeder Anleger hat auch lahme Enten. Rückblickend muss ich feststellen, das waren fast immer gehypte Aktien, über die insbesondere die Medien euphorisch berichtet haben. Mein Rat: Finger weg! Ansonsten sollte man Ziele immer realistisch einschätzen und Gier ist der schlechteste Ratgeber.

Anfänger rate ich fangen Sie mit ETFs an. Am besten mit einem monatlichen Sparplan. Verengen Sie ihren Blick nicht auf Deutschland. Setzen Sie auf langfristige Trends, nicht auf kurzfristige Moden.

Seine Sie immer vorsichtig bei sogenannten Geheimtipps. Denken Sie immer daran, alle erzählen nur von Ihren Erfolgen, nie von den Niederlagen und dicken Verlusten.“

*Name und Wohnort geändert

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