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Stadtverkehr: Von KEP-Logistik bis „Grüne Welle“ für Radler

Warenumschlag vom Lieferwagen auf das E-Bike am Neuen Wall © Norbert Schmidt

Hamburg nimmt als Wirtschaftsstandort eine Metropolfunktion für Norddeutschland ein und ist gleichzeitig die Heimat von über 1,8 Millionen Menschen. Die logistischen Herausforderungen sind entsprechend hoch. Während stadtstrukturelle Hindernisse wie Alster, Elbe und zahlreiche Kanäle den Kurier-, Express- und Paket-Diensten (KEP-Dienste) die zeitkritische Auslieferung erschweren, sehen sich Fahrradfahrer ständigem Stop-and-go-Verkehr gegenüber. Für viele Problematiken gibt es Lösungen.

Viel Verkehr, viele Hindernisse – die Herausforderung für KEP-Logistik

KEP-Dienste sind vorwiegend für eilige Sendungen unterwegs. Insbesondere Kleinstunternehmen prägen das Hamburger Gewerbe mit etwa 1.700 Unternehmen. Wie die Handelskammer Hamburg bestätigt, beschäftigen nur rund 40 Unternehmen mehr als drei Mitarbeitende. Im Handelsregister sind nicht einmal fünf Prozent der Betriebe eingetragen.

„Andererseits sind in Hamburg beschäftigungsintensive KEP-Unternehmen wie die Hermes Europe GmbH, die DPD Dynamic Parcel Distribution GmbH & Co. KG, die United Parcel Service Deutschland Inc. & Co. OHG und die DHL Vertriebs GmbH & Co. OHG ansässig oder durch Niederlassungen vertreten“,

erklärt die Handelskammer im Branchenporträt Logistik.

Damit die Pakete pünktlich bei den Empfängern eintreffen, müssen die Fahrer im Hamburger Stadtverkehr ausreichend Zeit einplanen. Genaugenommen ist Hamburg eine Stadt die dreifach geteilt ist. Einerseits trennt die Elbe mit wenigen Querungsmöglichkeiten, Harburg, Wilhelmsburg, die Veddel und Finkenwerder von der Stadt. In Hamburg selbst ist es die Außenalster die den westlichen vom östlichen Teil der Stadt trennt. Eine Überfahrung oder Unterquerung ist nicht möglich.

Ein Nadelöhr auf der westlichen Veloroute in die Hamburger City. Der westliche Brückentunnel
unter der Stadtbahn in Richtung Norden ist aktuell für Radfahrer sehr eng und wird umgebaut. © Norbert Schmidt

Bei etlichen Velorouten fehlen noch Fahrräder-/Fußgängerbrücken. Das bedeutet immer Umwege, die Zeit kosten. Hinzu kommt das hohe Verkehrsaufgebot zu den Stoßzeiten sowie diverse Baustellen, die das schnelle Vorankommen behindern. Ohne präzise Koordination und effiziente Routenplanung steigt der Zeitaufwand für die Sendungslieferung erheblich und damit die gesamten Logistik- beziehungsweise Transportkosten.

Kep-Logistik Software-Lösungen und Apps für mehr Effizienz

Abhilfe schaffen Software und individuelle Applikationen, die speziell für die Logistik- und Transportbranche konzipiert wurden. Ein entsprechend spezialisierter Entwickler ist die sendOS GmbH aus dem brandenburgischen Nuthetal, die mit der App für Kuriere & Expressdienstleister send.MOBILE zur Verringerung der Fuhrpark- und Verwaltungskosten beiträgt. Mit der Applikation werden Fahrzeuge über mobile Geräte mit einer Telematikfunktion ausgerüstet, Routen sollen sich optimieren und bevorzugte Navigationssysteme integrieren lassen. „Ebenfalls bietet die App die Möglichkeit, Lieferscheine und andere Dokumente zu scannen, einzusehen und an die Zentrale zu senden“, erklärt das Unternehmen.

Kooperationen und Fahrradkuriere

Neben technischen und digitalen Lösungen könnten Kooperationen zwischen KEP-Diensten und die Einrichtung von Umschlagsplätzen (Hubs) ergänzende Ansätze zur Entlastung des hiesigen Stadtverkehrs sein. Beispielsweise könnten an stark frequentierten Knotenpunkten für KEPs terminalartige Stationen geplant werden, um Transportwege zu verkürzen und das Tourenmanagement bedarfsgerechter auf die verschiedenen Stadtteile auszurichten.

Darüber hinaus prägen Fahrradkuriere den KEP-Verkehr in Hamburg schon heute positiv. Anders als Kraftfahrzeuge können sie sich die öffentlichen Verkehrsmittel zunutze machen und durch viele Abkürzungen abseits des Trubels wertvolle Zeit gewinnen. Nicht zu vergessen: die vorteilhaften Auswirkungen auf das Ökosystem – Fahrräder mindern die städtische Schadstoffbelastung.

Apropos Fahrräder: „Grüne Welle“ in Altona und Harvestehude

Die Verkehrsbehörde Hamburg hat im Mai 2022 elf Ampeln so geschaltet, dass sich viele Radler über eine „grüne Welle“ freuen können. Die dynamische und digitale Ampelschaltung wurde im Rahmen des bundesgeförderten Projekts „PrioBike-HH“ realisiert und kommt allen Radfahrern zugute, die mit einem Durchschnittstempo von 18 km/h auf den entsprechenden Strecken unterwegs sind.

Unter anderem wurden mehrere Ampeln zwischen Bleickenallee und Lobuschstraße umgestellt, wodurch Radler ohne ständiges Stoppen vom Hohenzollernring zur Max-Brauer-Allee gelangen. Weitere Ampeln erzeugen auf der Veloroute 3 in der Bogenstraße in Harvestehude zwischen Kaiser-Friedrich-Ufer und Schlump unterbrechungsfreie Fahrt. Die Ampelschaltung soll dabei keine negativen Folgen für den Kfz-Verkehr mit sich bringen. Auf den genannten Strecken wurden mehrere tausend Radfahrende täglich gezählt: Auf der Veloroute 1 durchschnittlich 5.000 Fahrradfahrer und auf Veloroute 3 im Schnitt 3.300.

Erweiterung ist bereits in Planung

Der Ausbau der „grünen Welle“ ist bereits geplant und beispielsweise für die Veloroute 5 zwischen Ballindamm und Alstertor sowie die Strecke zwischen Museumsstraße und Ottenser Marktplatz vorgesehen. Auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Landesverband Hamburg e. V. begrüßt die Entwicklung, wünscht sich jedoch grüne Wellen auf Velorouten als Standard in Hamburg. In anderen Städten wie Kopenhagen hätte sich dabei ein Tempo von 18 bis 20 km/h bewährt.

Weiterführendes Verkehrsthema: Hamburg ist topp, wenn es um die Unterstützung der E-Mobility geht

Bert Olsen:
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