Ein Berliner Stern strahlte im Waldhaus Reinbek

Entrecôte Blumenkohl, Belugalinsen und grüner PfefferSonja Frühsammer: Entrecôte Blumenkohl, Belugalinsen und grüner Pfeffer © ganz-hamburg.de

Sonja Frühsammer, Berlins einzige Sterneköchin, überzeugte beim 33. Schleswig-Holstein Gourmet Festival im Waldhaus Reinbek mit ihrer aromastarken Kochkunst.

Das 33. Schleswig-Holstein Gourmet Festival biegt in die Zielgerade ein, doch kulinarisch geht ihm keinesfalls die Puste aus. Das bewies Sonja Frühsammer (Frühsammers im Berlin Grunewald) am letzten Februarwochenende im Waldhaus Reinbek am Rande des Sachsenwalds. Sie weilte als Gastköchin und zeigte ihre Leidenschaft für Produktveredlung auf jedem angerichteten Teller.

Das Menü

Die Gäste konnten sich auf eine aromastarke, fantasievolle und gemüseorientierte klassische Küche freuen.

Das unterstrich die Sterneköchin schon bei der Amuse bouche – Avocado, Tomate. Der milde Geschmack der Avocado zusammen mit der süßen Intensität der Tomatenummantelung überzeugte auf Anhieb und steigerte die Vorfreude auf die folgenden Gänge.

Wilde Garnele
Sonja Frühsammer: Wilde Garnele, mit Avocado, Rettich, Kumquat,
Cashewkerne, Kräutersalat © ganz-hamburg.de

Anschließend kam Wilde Garnele, die übrigens in Bayern gezüchtet wurde, auf den Teller. Sie wurde von Avocado, Rettich, Kumquat und Cashewkerne begleitet. Der Kräutersalat setzte einen frischen knackigen Akzent.

Pochiertes Landei auf Makkaroni, Weizenmalz und Parmesanschaum
Sonja Frühsammer: Pochiertes Landei auf Makkaroni, Weizenmalz
und Parmesanschaum © ganz-hamburg.de

Das weniger oft mehr ist, bewies die Berlinerin mit ihrem pochierten Landei auf Makkaroni, Weizenmalz und Parmesanschaum hier waren es die fein abgestimmten Texturen und die zarten Akkorde.

Ihre Liebe zum Gemüse beweist Sonja Frühsammer auch bei den folgenden zwei Gängen.

Kabeljau mit Ochsenmaulvinaigrette und Liebstöckelbohnen
Kabeljau mit Ochsenmaulvinaigrette und Liebstöckelbohnen © ganz-hamburg.de

Dem Fischgang Kabeljau mit Ochsenmaulvinaigrette und Liebstöckelbohnen. In schönster Harmonie fand sich das Entrecôte mit Blumenkohl, Belugalinsen und grüner Pfeffer wieder zum dem der 2015 Vino Nobile di Montepulciano Avignonesi aus der Toskana ein sehr schöner Begleiter war.

Das Menü wurde mit Heidelbeere, Dilleis und weiße Schokolade, Schokolade, Lakritz und Salzkaramell sehr norddeutsch abgeschlossen. Übrigens, das Brot hatte ihr Gatte in Berlin gebacken.

Im dem architektonisch auffällig gebaute 5-Sterne-Hotel von Familie Schunke wird Kulinarik wird im Waldhaus Reinbek großgeschrieben. Küchenchef Christian Dudka und sein Team bedienen sich heimischer Produkte, dazu gehört viel Wild, und wenn es passt auch internationale Spezialitäten. Kunstvoll, aber nicht überkandidelt richtet der Küchenchef seine Speisen auf den Tellern an. Sie zeigen, hier ist jemand am Werk, der sich über Kochtechniken, Zubereitungsarten und Produkt-Zusammenstellungen Gedanken macht.

Die Sterneköchin Sonja Frühsammer
Sonja Frühsammer in der Küche vom Waldhaus Reinbek © ganz-hamburg.de

Über Sonja Frühsammer

Das Sonja Frühsammer einmal erste Berliner Sterneköchin wird, stand ganz bestimmt nicht in ihrem Horoskop. Sie wurde in Australien geboren und wuchs in Berlin auf. Als sie nach dem Abitur eine Kochlehre starten wollte, blitzte sie bei der Berliner Gastronomie ab. Eine junge Frau in der Küche? Ein klares Nein!

So begann sie  eine Kochlehre in der Werksküche von Siemens. Dort war mal über die Philosophie der Sättigungsbeilage zum Glück hinausgewachsen.

Ihre erste Stelle bei Sternehalter Karl Wannemacher, dem Pionier der Berliner Spitzenküche, hat sie nachhaltig geprägt. 1998 eröffnete Sonja mit ihrem Mann Peter Frühsammer, der in den 80er Jahren jüngster Sterne-Koch Berlins wurde, das Cateringunternehmen ‚SerVino‘. Aus der beruflichen Verbindung wurde bald auch eine private.

Die beiden übernahmen 2005 die Gastronomie des noblen Grunewalder Tennisclubs und etablierten dort nach ihrer Hochzeit das Gourmet-Restaurant ‚Frühsammers‘ und das Bistro ‚Grundschlag‘.

2008 wurde Sonja von den Gastronomiekritikern und den Berlin-Partnern zur ‚Aufsteigerin des Jahres‘ gewählt und 2014 von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur ‚Aufsteigerin des Jahres‘ gekürt.

Ein Jahr später folgte die Weihe mit dem ersten Michelin-Stern. Eine Auszeichnung, mit der die bescheidene Küchenchefin nicht gerechnet hätte. Bis heute kann sie sich noch nicht so ganz an den Erfolg gewöhnen:

„Was ich die letzten Jahre erleben durfte, hätte ich mir nicht träumen lassen. Ich will doch nur gut kochen. Frische Gerichte, die einfach Spaß machen und schmecken. Doch dann kam der Stern und auf einmal kocht man in Indien, in Israel und manchmal auch im Fernsehen. Unglaublich“,

sagt die 50-Jährige, der alles Großtuerische, übertrieben Ehrgeizige fremd ist.

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