O Bier du schmäckest fein – die klassischen norddeutschen Brauereien laden zur Besichtigung ein

In diesen Brauereien in Hamburg und Schleswig-Holsten wird noch ganz klassisch Bier gebraut und sie können manchmal auch dabei zuschauen

Viel ist von der alten Hamburger Brauereivielfalt nicht übrig geblieben. In den 1980er Jahren gab es noch drei Brauereien (Holsten, Bavaria-St.Pauli, Ratsherrn) in Hamburg. Zwischendurch waren sie sogar zu einer verschmolzen.

Im ganzen Norden sind viele traditionsreiche Brauereien samt Marken vom Markt verschwunden. So wie die Eiche Brauerei in Kiel, in Hamburg die Winterhuder Brauerei und Bill Brauerei, Lück in Lübeck oder das Lüneburger Kronenbrauhaus in der alten Salzstadt in der Heide.

Ratsherrn war als Konzernmarke fast im Nirwana abgetaucht bis sie von der Familie Nordmann wieder mit dem Brauerei-Neubau in den Schanzenhöfen zu neuem blühenden  Leben erweckt wurde. Im wesentlich kleineren Umfang wird auch versucht das Lübecker Lück wieder im Markt zu platzieren.

Der internationale Braukonzern Carlsberg geht mit mehreren Marken an den Start

Carlsberg-Holsten Markenportfolio

Ausschnitt aus dem Carlsberg-Holsten Markenportfolio im Jahr 2018 Foto: Carlsberg

Holsten Brauerei

Lang ist es her, als Holsten noch den norddeutschen Markt souverän beherrschte und das beliebteste Bier des Nordens war. Vor 14 Jahren wurde die stolze Holsten-Brauerei, die mit der Halbliter Dose Holsten Pilsener bundesweit assoziiert wird, vom dänischen Bierkonzern Carlsberg übernommen. 

Davor hat sich Holsten den ewigen Lokalrivalen Bavaria-St.Pauli (Astra) einverleibt. Branchenkenner sagen, seitdem Carlsberg eingestiegen ist, ist Dänisch die Hauptsprache in der Holstenstraße. Strategische Entscheidungen werden wohl zumeist in Kopenhagen getroffen. Hamburg ist halt nur ein Punkt auf der weltweiten Landkarte von Carlsberg.

Die Hauptsorten von Holstensind Pilsener, Edel, Extra Herb, Export, Bernstein, Radler (Alsterwasser), Alkoholfrei. Einen Shitstrom hat Holsten für die Verwendung des Namens Radler statt Alsterwasser geerntet. Aber die Wogen haben sich längst geglättet. Auch Moravia Pils, die ehemalige Premium Marke von Holsten, ist noch im Angebot, aber spielt im Markt nur noch eine sehr kleine Rolle und wird mittlerweile nur über die Gastronomie vertrieben.

Bald wird am historischen Standort in der Holstenstraße 224 in Hamburg Altona kein Bier mehr gebraut werden. Eine neue und wesentlich funktionalere Braustätte wird in Hamburg Hausbruch gebaut und soll ab 2019 den Braubetrieb aufnehmen. Auf dem weitläufigen Gelände der Holsten Brauerei entsteht dann ein neues Stadtviertel mit Wohnungen, Läden, Büros und Gewerbe.

Astra

wurde früher auf direkt St. Pauli gebraut und war im Norden immer eindeutig die Nummer 2 hinter Holsten Edel. Das hat sich gedreht. Astra Urtyp wurde ein kultiges Kiezimage, mit unkonventioneller frecher und häufig prämierter Werbung, sehr erfolgreich verpasst. Als Sponsor ist Astra beim FC St. Pauli seit Jahren aktiv. Die vier Astra-Hauptsorten sind Urtyp, Rotlicht, Rakete und Kiezmische (Alsterwasser).

Werbeplakat von Astra

Ein aktuelles Plakatmotiv von Astra, Agentur: Philipp & Keuntje Abb: Brauerei

Duckstein

Die Wurzeln der Marke Duckstein liegen in Braunschweig/Königslutter. In den 1980er Jahren wurde das Bier bei der damaligen Holsten-Tochter Feldschlösschen in Braunschweig als Spezialität für die Gastronomie wieder zum Leben erweckt. Damit begann echte Erfolgsstory. Bekannt und populär ist das Duckstein Festival in Norddeutschland u.a. auch in der HafenCity. Gebraut wird das hochwertige Duckstein in Lübzs in Mecklenburg-Vorpommern bei der Lübzser-Brauerei die zu Carlsberg gehört.

Brauereibesichtigung:
Einmal im Jahr im Frühsommer steigt das besuchenswerte populäre Holsten Brauereifest mit viel Musik und vielen anderen Aktivitäten.
Montag bis Freitag  09.00, 11.15, 13.15 Uhr, 7 Euro, Seminar „Bierkenner“ , 35 Euro, Seminar „Bierexperte“ Donnerstag und Freitag 09.00 Uhr, 85 Euro.
Wo:  Holstenstraße 224, Hamburg-Altona

Duckstein Bier, Flasche mit gefüllten Glas

Duckstein Saphir Kellerbier Foto: Brauerei

Dithmarscher Brauerei

Das Bier von der Nordsee. Dithmarscher waren schon immer Dickschädel und sind gern selbständig. So auch beim Bier! In Marne hat die Familie Hinz durchgehalten und allen Konzentrationswellen in der Vergangenheit getrotzt. Heute brauen knapp 70 Mitarbeiter im Jahr rund 200.000 hl Bier. Neben den Standardsorten wie Pilsener, Urtyp oder Bock gibt es Bierspezialitäten und viel davon ist Beugelbuddel Bier. 

Brauereibesichtigung:
Dienstag und Samstag nach Anmeldung
Wo: Oesterstraße 18, 25709 Marne

Flensburger Brauerei 

In Deutschland nördlichster Großstadt hat die Flensburger Brauerei, wohl auch weil sie im Familienbesitz ist, als tapfere Privatbrauerei mehr als wacker durchgehalten. Die Bügelflaschen von Flens sind schon seit den 1970er Jahren Kult. Das Plopp der Flasche ist einfach für die Freunde des Biergenusses ein (fast) unwiderstehliches Geräusch. Rund 550.000 hl Bier (ein Plus von 6,5%) wurden 2017 gebraut. Damit trotzen die Nordlichter dem negativen Branchentrend (minus 0,7%).

Durch die Werner-Comics von Brösel ist Flens fast unsterblich geworden. Aus Flens wurde dann Bölkstoff und das gibt es mittlerweile ganz real in gut sortierten Getränkemärkten des Vertrauens.

Die Flensburger Bier Familie

Das flenst in ziemlicher Auswahl, die Flensburger Bierfamilie am Strand Foto: Brauerei

Das Angebot reicht vom klassischen Pilsener, Bio-Bier bis hin zu Bock-Bieren und Craft-Spezialitäten wie das Flensburger BrauArt Dark Amber oder Blondie. Über dem Umstand, dass auch Flens sein Alster Radler nennt, gehen wir großzügig hinweg. Der Autor ist schließlich kein Meckerbüddel.   

Brauereibesichtigung:
Montag – Freitag 10.00, 14.00 und 18.00 Uhr, nur im Sommer: Samstag 10.00 Uhr, Preis: 9,50 – 12,50 Euro.
Wo: Munketoft 12, 24937 Flensburg

Alle Angaben ohne Gewähr

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