Brumm Sex im Osten und Westen, eine deutsch-deutsche Bettgeschichte

Brum Sex - Nadine Beck im Erotic Art MuseuemNadine Beck - Plug + Play - hat sich ganz wissenschaftlich um den Brumm Sex gekümmert © ganz-hamburg.de

Plug + Play – 50 Jahre Vibratoren in der DDR und in Westdeutschland eine sehenswerte Ausstellung im Erotic Art Museum.

Was wenige wissen, den Vibrator gibt es schon ungefähr solange, wie es gewerblich in Serie produzierte Haushaltsgeräte gibt. Mittlerweile sind das rund 150 Jahre. Das fing natürlich ganz harmlos mit dem „Manipulator“ an, dann gab es den „Do-Do“, die „Super-Susy“ bis hin zum „Satisfyer“ oder App-gesteuerten Vibratoren. Die Erotikindustrie hat schon immer die aktuellste Technik genutzt.

Auf jeden Fall halten die 150 Jahre Vibratorengeschichte viel visuell reizvolles, Unterhaltsames und Informatives bereit. Es fing am Ende des 19. Jahrhunderts ganz harmlos mit einem Gerät für bessere Durchblutung, gegen Haarausfall, Leistenbrüche oder andere Zipperlein an.

Seine Wirkung galt als „belebend, beruhigend, erfrischend und mild“. Geworben wurde mit gar nicht so kleinen Anzeigen in damaligen führenden Frauenzeitschriften. Der Vibrator war damals das Wellnessgerät und natürlich wurden die Geräte auch schnell elektrifiziert.

Diese Massagegeräte waren Luxusprodukte. In Arbeiterhaushalten waren sie kaum verbreitet, denn Strom und elektrische Geräte waren teuer.

Brumm Sex – Ein Geschenk des Himmels

Wie fast jedes Gerät kann es so oder ganz anders gebraucht werden. Schnell erkannten Frauen, dass es ein Geschenk des Himmels war und es die Wonne eines Orgasmus ohne Partner und Schwangerschaftsriskio bereiten konnte.

Darüber sprach man natürlich nicht öffentlich, aber es war bekanntes Wissen. Jetzt hat die in Hamburg lebende Kulturwissenschaftlerin Nadine Beck im Rahmen ihrer Dissertation den Brumm-Sex in beiden deutschen Staaten erforscht.

Um hinter die Kulissen des Vibrators zu schauen, sprach Nadine Beck mit Zeitzeugen, ließ Fragebögen zu dem Thema ausfüllen, sichtete Amateurpornofilme und Berge von Beate Uhse-Katalogen sowie die einschlägige Literatur, ersteigerte historische Apparate bei Ebay, alles im Dienste der Wissenschaft.

Zusammenfassend sei eines verraten, im westlichen Teil Deutschlands setzte man schnell auf die professionelle Produktion. Der Batterieantrieb und Plastik war die Norm.

Ein DDR Massagegerät in einem Gerätekoffer für Brumm Sex
DDR Massagegerät Ideal – AKA Electric aus den fürehn 1960er Jahren © ganz-hamburg.de

Der Osten war das Eldorado des Do it yourself, mit viel Fantasie und bastlerischem Geschick wurde auch ganz normale „unverdächtige“ Haushaltsgeräte wie Kaffeemühlen, Wäscheschleudern und gar Kaffeelöffel zu Freundenspendern der erotischen Art. Wobei, dass was man in der DDR Kaffee nannte, nicht unbedingt den Namen verdiente.

Aber, das ist eine ganz andere Geschichte. Denn Jacobs, Eduscho und Tchibo waren auch in der DDR viel getrunkene Kaffeemarken.

Die Ausstellung im Erotic Art Museum ist sehr unterhaltsamer Ausflug in die Welt der erotischen Selbstbefriedigung.

Buchcover Plug + Play Frau mit wehenden Haaren
Nadine Beck: Plug + Play Foto: Günter Zint/Panfoto

Über Nadine Beck

Nadine Beck wurde 1976 in Marburg/Lahn geborgen. Sie studierte u.a. Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaften in Marburg, Jena, Weimar, Cholchester/Groß Britannien und in Chengdu in China. Mittlerweile wohnt sie mit Mann und den beiden Katzen Bibi und Eddy in Hamburg-Altona.

50 Jahre Vibratoren in DDR und BRD
eine deutsch-deutsche Bettgeschichte

Wann:
Vom 3. Oktober 2019 bis zum 24. Dezember 2019
Montag bis Freitag von 11:00 – 18:00 Uhr
Wo: Erotic Art Museum Hamburg, Bernhard-Nocht-Straße 79, 20359 Hamburg St. Pauli
erotic-art-museum.com

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