Schonungslose Beichte: Ich bin ein Escort für Lesben

Lesbische Liebe - zwei Frauen sind zärtlich SymbolbildFoto von cottonbro von Pexels

Die ganz-hamburg.de Autorin Isabelle van Horn sprach mit Sophie* aus Hamburg Barmbek. Die 23-jährige Studentin wohnt in unweit des Eilbek-Kanals in einer Zweizimmerwohnung. Kurz vor dem Beginn des Herbst-Lockdowns trafen sie sich in einem Hamburger Café zu einem Gespräch. Sophie, eine sportlich feminine Frau, verdient ihren Lebensunterhalt als Escort für Lesben und Frauen. Sie berichtet offen, wie sie Escort für Frauen wurde und was wie bisher erlebte. Ihr Start in diese ungewöhnliche Art des Gelderwerbs war nicht ganz freiwillig.

So wurde ich Escort für Lesben – am Anfang stand eine finanzielle Katastrophe

Auch wenn man’s kaum glaubt, in den Job bin ich reingestolpert. Verbindungen zum Rotlicht-Milieu habe ich keine. Eigentlich war mein Studium finanziell abgesichert. Ich hatte eine schöne kleine Wohnung und es ging gut voran. Doch dann kam eine persönliche finanzielle Krise. Das Kapital, das meine Eltern mir fürs Studium gegeben haben, war mit einem Schlag weg. Dazu kamen auch kurzfristige Schulden im vierstelligen Bereich. Ich hätte zwei Freundinnen nicht vertrauen dürfen, aber ich war zu leichtgläubig. Mein Einkommen als Werksstudentin reichte nicht aus. Um Geld wollte ich meine Eltern keinesfalls bitten, denn mein Vater hat mich genau vor dieser Situation gewarnt. Ich war unter Druck.

Durch Zufall kannte ich in meinem Fitness-Center eine Frau, die als Escort arbeitete und die nun gar nicht den Eindruck einer unglücklichen ausgebeuteten Frau auf mich machte. Escort schien der Weg zu sein, schnell Geld zu verdienen und im nächsten Schritt aus den Schulden rauszukommen. Zumal, an Sex hatte ich immer sehr viel Spaß, bin nicht verklemmt und ich war offen für Neues.

Obwohl ich bisexuell bin, mit Männern konnte ich mir das gar nicht vorstellen. Die Vorstellung empfand ich als ekelig. Ich habe einfach erwartet, käufliche Erotik unter Frauen ist einfacher. Im Web habe ich recherchiert- Nach ein einigen Tagen Überlegung, ein paarmal wollte ich anrufen, traute mich dann aber nicht, rief ich bei einer Agentur, die auf lesbische Escorts spezialisiert ist, an.

Beim ersten Kontaktgespräch war ich überrascht. Ich hatte erwartet einen Menschen wie aus einschlägigen Filmen zu treffen. Doch real traf ich auf eine ganz andere und auch sehr interessante verständnisvolle Frau. Wir sprachen viel über meine Beweggründe als Escort zu arbeiten. Auch darüber, dass ich Grenzen überschreiten würde und welche Sex-Techniken ich beherrsche. Sie beschönigte nichts. Die Geschäftsführerin riet mir es gut zu überschlafen. Sie sagt klar, mir nutzen Frauen, die es ein- oder zweimal machen und dann unter Tränen den Job abbrechen, überhaupt nichts. Deshalb sollte ich, wenn ich mich positiv entscheide, mich nach drei Tagen bei ihr melden. Das fand ich sehr fair und offen. Rückblickend muss ich sagen, fast alles was sie sagte stimmte im Großen und Ganzen, positiv wie negativ.

Meine erste Kundin

Die Agentur hält es so, dass sie Rookies schrittweise in die Jobs einführt. Meine erste Klientin war eine lesbische Geschäftsfrau. Sie war zu einem Kongress in Hamburg. Ich bin ihr heute noch dankbar. Sie merkte schnell, dass ich neu im Geschäft war und nahm mich verständnisvoll an die Hand. Meine wohl wirklich sehr spürbare Unsicherheit war schnell verflogen und als ich nach Mitternacht mit dem Taxi nach Hause fuhr, da war ich mir ziemlich sicher, ich bin dem Job gewachsen und er interessiert mich.

Jetzt bin ich seit gut zwei Jahren dabei. Mittlerweile beherrsche ich alle erotischen Techniken. Eines habe ich gelernt, den klassischen Typ der Kundin gibt es nicht. Es sind alle Frauentypen vertreten.

Wichtig ist, ein Escort darf nie auffallen oder gar erkennbar sein. Das ist nicht ganz einfach, denn gerade in Hotels hat das Personal gute Menschenkenntnis und einen wachen Blick auf die Gäste. Wer als Frau den Dresscode und die Umgangsformen nicht beherrscht, fällt sofort auf, wird bemerkt. Die Hamburger Top Hotels kenne ich alle von innen. Aufgefallen bin ich bis jetzt noch nie.

Meine Kundinnen

Hauptsächlich werde ich von Lesben und bisexuellen Frauen gebucht. Gerade Lesben wissen recht genau was sie wollen und mögen es schon mal recht direkt. Bei bisexuellen Frauen liegt der Schwerpunkt auf sanfter einfühlsamer Erotik. Was durchaus vorkommt sind Hetrofrauen, die neugierig auf lesbische Erotik sind. Sie gehören für mich zu den schwierigen Kundinnen. Eine Mischung aus Unsicherheit, Gehemmtheit und Klischeevorstellungen macht es nicht einfach. Sie haben häufig im Kopf, dass sich eine Frau wie ein Mann verhält und der Liebesspiel genauso abläuft. Einmal hatte ich eine Kundin, die mitten am Abend einen Weinkrampf bekam. Es war zu viel für sie. Das kommt vor, dann muss man sehr behutsam sein.

Wichtig ist allen Frauen die Kommunikation bei den Treffen. Das ist fast immer mehr als unverbindlicher Small Talk. Je nach Situation muss ich dabei in eine Rolle schlüpfen. Es kann sein, dass ich als Mitarbeiterin, Assistentin oder Kundin auftrete und eine Businesstasche oder einen Laptop dabei habe. Oder ich bin die Freundin, Nichte, Sportpartnerin oder Bekannte in einem Ressort oder auf Wochenendeinladungen. Vor Corona ging es nach Sylt, Mallorca oder nach London. Für mich heißt es immer, die Rolle muss perfekt gespielt werden. Ohne gründliche Vorbereitung geht das nicht.

Klar, dass der Kleiderschrank gut gefüllt ist. Diskretion und Unauffälligkeit gehört zum A & O eines Escorts. Was mir auffällt, ich habe schon ein paar Kolleginnen, die mit Männern unterwegs waren, identifizieren können. Das liegt einfach daran, dass Männer andere Erwartungen an eine Frau haben. Die Rolle der Frau erkennt man als Frau einfacher.

Gerade wenn man auf gesellschaftlichen Events ist. Frauen checken Frauen ab, ob nur durch Blicke, Beobachtungen oder im Gespräch. Sie wollen fast immer ergründen, in welchem Zusammenhang steht man mit der Frau, die man begleitet. Männer sind daran fast nie interessiert. Mit ein paar Standardfragen, lenkt man die Konversation in eine unverfängliche Richtung und lässt sie reden. Da muss Frau nur den Eindruck machen, dass sie aufmerksam zuhört, den Gesprächsinhalt interessant findet und keinesfalls darf sie den Eindruck erwecken, dass sie an dem Mann interessiert ist.

Nicht nur Sonnenschein

Bis auf zwei Ausnahmen bin ich stets respektvoll und höflich behandelt worden. Eine Frau hat sich danach bei mir entschuldigt, sie war in einer sehr belastenden Stresssituation und ich war der ‚Blitzableiter‘. Ihre Entschuldigung war sehr ehrlich und danach hat sie mich noch einmal gebucht.

Natürlich gibt es Schattenseiten, jedes Treffen heißt auch immer sich zu einem gewissen Grad zu öffnen und auf die Kundin einzugehen. Das kostet Kraft. Ich bin nur bezahlter Gast im Leben der Kundin. Ich bin eine Geliebte auf Zeit und darfür da, der Kundin schöne erotische Erlebnisse zugeben. Das geht nicht halbherzig, man muss emotional annehmen.

Für einige Frauen ist ein Escort etwas, dass man sich leistet. Sie sparen für ein besonderes Erlebnis und haben dementsprechend hohe Erwartungen. Andere stehen finanziell sehr gut da. Da bin ich Teil der Komfortzone, des Wellbeings.

Es gibt auch einsame Frauen oder sie leben in sehr unglücklichen belastenden Beziehungen. Wichtig ist, ich darf ihre Probleme nicht zu dicht an mich heranlassen. Ich muss damit professionell, ähnlich wie Rettungssanitäter oder Ärzte, umgehen. Ehrlich gesagt, ich schaffe das nicht immer vollständig. Zum Ausgleich mach ich Yoga und Work Outs. Das ordnet die Gedanken, fördert die innere Balance und erdet mich. Wenn ich mich mental nicht gut fühle, dann nehme ich keine Aufträge an.

Das reizt mich als lesbischer Escort besonders

Anspruchsvolle Aufträge reizen mich. Kurze Besuche und Termine sind nicht so meine Präferenz, auch wenn sie schnelles Geld bedeuten. Ich mag lange Wochenenden und Aufenthalte in Ressorts. Einmal habe ich eine Inhaberin auf einer Geschäftsreise begleitet. Das war sehr interessant.

Das Studium gibt mir zum Glück die zeitliche Flexibilität. Mir ist aufgefallen, Frauen entscheiden sich bei der Wahl eines Escorts für Persönlichkeiten. Natürlich soll das Escort sympathisch attraktiv und begehrenswert sein. Hochglanz Beautys werden von Frauen wenig gesucht. Ein interessanter Duft, exquisite Dessous, wie z.B. von la Perla oder I.D. Sarrieri mögen auch Frauen, doch sie sollen nicht nach Männergeschmack aussehen. Wichtig ist ihnen Sinnlichkeit und die drückt sich nicht Oberweite und Kleidergröße aus.

Dass es ein Job auf Zeit und er nicht bürgerlich ist, ist mir bewusst. Mein Umfeld weiß eigentlich nicht was ich mache. Ich habe es einer sogenannten guten Freundin erzählt. Darauf hin hat sie den Kontakt zu mir abgebrochen. Die Corona-Pandemie hat natürlich das Geschäft stark zum Erliegen gebracht. Ich bin froh, dass ich mir eine stabile finanzielle Reserve anlegen konnte. Im Herbst gab es ein kurzes Zwischenhoch. Bis zum Frühherbst nächsten Jahres muss ich mir keine Gedanken machen. Dazu kommt, mein Studium endet irgendwann und dann werde ich wohl aufhören.

Gelernt habe ich Rollen perfekt zu spielen, mich in gesellschaftlichen Situationen sicher zu bewegen und auch mit Fremden die Konversation und das Gespräch zu pflegen. Dazu braucht es sehr viel Disziplin und eine gewisse Allgemeinbildung. Wenn eine Frau strikte Veganerin und Antialkoholikerin ist, dann sollte sie den Job lieber nicht machen. Zum Essen, Trinken und Genuss sollte man eine positive unkomplizierte Einstellung haben.

Das Escort führt Regie

Gleichzeitig gilt es immer die Kontrolle oder die Regie über eine Situation, ohne dominierend zu sein, auszuüben. Meist ist das indirekt. Das Escort leitet die ersten Schritte ein, legt den Kurs fest, lässt das aber nie die Kundin Spüren. Es ist mehr ein, an die Hand nehmen und ermuntern. Vieles an den Treffen ist inszeniert und folgt Ritualen. Drogen sind zum Glück weitestgehend tabu. Alkohol fast immer in Maßen. Es kommt schon einmal vor das Marihuana genossen wird. Kokain, XTC oder Crystal sind in der Szene meines Wissens nach eher selten. Sie bedeuten alle Kontrollverlust und davon geht eine Gefahr aus. Ich bin kein leichtsinniges Party-Girl.

Ich frage immer nach dem Hintergrund meiner Kundin. Eine begeisterte Reiterin wird auch über ihr Pferd sprechen wollen. Frauen die kulturell interessiert sind, tauschen sich gern über Künstler und Ausstellungen aus. Wer ganz abgefahrene Hobbies hat, der erwartet nicht, dass sein Gegenüber darin fit ist. Aber, zum Fachsimplen ist keine Frau mit mir zusammen. Sie wollen das Gefühl haben, dass ich ihre Leidenschaften teile und lebe. Das Teilen der emotionalen Einstellung ist ihnen wichtig.

Rückblickend gesehen bereue ich nicht als Escort für Frauen zu arbeiten. Der Job hat mich finanziell unabhängig gemacht. Doch keine Frau sollte denken, es ist leicht verdientes schnelles Geld.

*Name geändert

Ein Übersicht über Hamburger Escort Agenturen für diskrete Begegnungen finden Sie hier.

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