Wie der Lockdown zu einem Anstieg des Teilzeit-Escorts geführt hat

(c) Norbert Schmidt

Professionelle erotische Begegnungen der vierten Art sind ein Jahrtausende altes Phänomen und können bis in frühste Kulturen zurückverfolgt werden. Auch wenn nicht alles schriftlich überliefert worden ist, mit ziemlicher Sicherheit kann angenommen werden, dass käufliche Erotik zumeist auch immer moralisch mehr oder weniger diskutiert und bewertet wurde. Fragen der Moral werden traditionell von der Religion verhandelt und geregelt. Trotz zumeist sehr eindeutiger Kontrapositionen in den einzelnen Religionen hat das aber an den tatsächlichen Verhältnissen wenig geändert. Käufliche Liebe, Casual Sex und Erotik gibt es praktisch in jedem Land der Welt. Ein anderes Beispiel ist der Ehebruch, der auch immer sanktioniert ist. Doch auch Ehen wurden und werden gebrochen. Weil der Mensch ein Mensch ist, richtet er sich zwar nach Geboten und Verboten. Allerdings nie vollständig und permanent. Schließlich sind Menschen aus krummen Holz geschnitzt.

Eines hat die Corona-Pandemie, die unser Arbeits-, Sozial- und Zusammenleben fast auf den Kopf gestellt hat, gezeigt. Erotische Begegnungen der vierten Art werden weiterhin gesucht und nachgefragt. Gerade in der Branche der Escort-Services sind nicht wenige Menschen als Gelegenheits-Begleiter/innen eingestiegen.

Ergänzendes Einkommen

Auch wenn in Deutschland viele Arbeitnehmer von den großzügigen Kurzarbeitsregelungen profitiert haben, nicht wenige Menschen haben durchaus spürbare Einkommensverluste zu verzeichnen. Um das zu kompensieren haben sie Tätigkeiten in der Erotik-Branche, wie Sex-Hotlines, Cam-Dienste oder Casual Sex, gestartet. Der Vorteil, viele Tätigkeiten können von Zuhause aus ausgeübt werden. Auch in Hamburg boomt der Teilzeitsex. Dazu kommt, Branchenkenner berichten, dass immer mehr Escorts online werben und der Anteil der Teilzeit-Escorts in Köln boomt. Auch Hamburg hat einen deutlichen Zuwachs zu verzeichnen.

Mehr Kontakte

Die Gründe warum ein Escort Service genutzt wird sind sehr vielfältig und vielschichtig. Die Kontaktbeschränkungen haben die Möglichkeiten realer ungezwungener Begegnungen massiv eingeschränkt. Die Folge war auch Kontaktarmut. So ist es kein Wunder, dass einfach auch Gesellschaft, um sich weniger allein zu fühlen, ein Wunsch an Escorts  war.

Den erotischen Horizont erweitern

Erotische Fantasien, Kopfkino und Gefühlsfasching gehören unzweifelhaft zu unserem Leben. Einiges wird mit dem Partner verwirklicht, anders wird aus vielen, durchaus nachvollziehbaren, Gründen nicht angesprochen und steht lange im Raum. Das tut mittelfristig keiner Beziehung gut.

Ein weiterer Faktor ist, die Tätigkeit als Escort ermöglicht es, die eigene Sexualität zu erforschen, den erotischen Horizont zu erweitern und gleichzeitig Geld zu verdienen. Selbstbestimmt kann ein Escort entscheiden,  welche Kunden er oder sie sehen möchten oder ob ein Cam-Service oder anderes durchgeführt wird. Ein wichtiges Kriterium, das Escort legt dabei die fest und kontrolliert die Bedingungen. Für einen Escorts ist es  eine Möglichkeit der Sexualität in einem sicheren Raum zu erkunden ohne auf Privatsphäre zu verzichten.

Fremdgehen
© ganz-hamburg.de

Die Gründe als Escort zu arbeiten sind sehr vielfältig und vor allem nicht eindimensional.

Wir sollten nie vergessen, dass dem ganzen Geschehen in der Welt der Casual Sex und der Erotik immer ein Geheimnis umweht. Der Grund ist einfach, das Geschehen ist nicht transparent und immer noch mit sehr vielen Tabus behaftet. Deshalb ist Diskretion nicht nur eine Tugend, sondern wird von allen Beteiligten erwartet.

Ganz sicher gibt es kleine gesellschaftliche gut organisierte Gruppen, die repressive Moralvorstellungen durchsetzen möchten. Aus diesem Grund ist der Ansatz Sexarbeiter*Innen grundsätzlich als Opfer zu sehen, nicht nur einseitig. Das Ziel dahinter ist simpel, es geht um die Kontrolle des gesellschaftlichen Lebens und die Unterdrückung des Sexualtriebes und des einzelnen Menschen. Lustfeindlichkeit zeichnet Diktaturen aus und die Macht der Kirche hat sich Jahrhunderte lang darüber definiert.

Es gibt viele Sexarbeiterinnen, die stolz auf ihren Job sind und diesem selbst bestimmt ausüben. Diese Menschen verdienen genauso viel Respekt wie jemand, der in einem Büro oder einem Laden arbeitet. Ob die Teilzeit Escorts in der Branche bleiben ist noch offen.

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