Immer mehr Deutsche und auch Hamburger nutzen Online-Verschreibungen

Minddoktor.seHilft bei Online-Verschreibungen Bild: Mindoktor.se – Online Arzt in Schweden (nur auf dem schwedischen Markt)

Immer mehr Deutsche und natürlich auch Hamburger nutzen Online-Verschreibungen

Die deutschen Politiker stehen mit der Telemedizin eindeutig auf Kriegsfuß, obwohl sie in anderen Ländern wie Dänemark oder Großbritannien längst Gang und Gäbe ist. Dabei würde jeder Vierte gern einen Video Chat nutzen, um sich ein Medikament verschreiben zu lassen und mehr als die Hälfte wollen die sogenannte Telemedizin nutzen können.

Patienten schätzen die Vorteile, wie die langen Wartezeiten beim Arzt zu umgehen und ständige Verfügbarkeit. Gegner fürchten den Missbrauch, indem starke Medikamente ohne genaue Diagnose problemlos verschrieben werden könnten oder ungenügende Informationen zu Behandlungsfehlern führen. Jedoch funktioniert die Telemedizin auch in Ländern wie Schweden ohne Schwierigkeiten, da der Arzt entscheidet, ob ein Patient per Telemedizin versorgt werden kann oder in die Praxis kommen muss.

Was ist eine Online Verschreibung?

Eine Online Verschreibung in Großbritannien erfolgt nach einem bestimmten Schema und beginnt für den Patienten in der Regel mit dem Ausfüllen eines Fragebogens. Dieser Fragebogen enthält sowohl Fragen zur Krankengeschichte des Patienten wie auch zu den Symptomen seines Leidens. Ein solcher, ausgefüllter Fragebogen wird von einem Arzt gesichtet, der anhand der Antworten, unter Umständen auch mithilfe von Bildmaterial, eine Diagnose stellt und ein Rezept ausstellt. Dieses Rezept geht dann an eine Apotheke, die innerhalb weniger Tage und oft innerhalb von 48 Stunden dem Patienten per Post sein Medikament zukommen lässt. Bezahlt wird aus eigener Tasche, denn die Krankenkassen in Deutschland übernehmen entsprechende Leistungen derzeit nicht.

Das Modell ist limitiert, denn es können nur bestimmte Krankheitsbilder zuverlässig und sicher online behandelt werden. Es handelt sich meist um leichtere Krankheitsbilder oder Folge Verschreibungen für z.B. die Antibabypille.

Was denken Patienten über Online-Verschreibungen?

Ein Teil der Patienten spricht sich ausdrücklich für die Nutzung der Telemedizin aus oder hat bereits ausländische Dienste in dieser Art genutzt, denn die Telemedizin ist ein wachsender Markt und die Patienten wissen die Vorteile zu schätzen.

Andere Patienten lehnen eine solche Behandlung ab, weil sie ihnen zu unpersönlich ist oder sie Angst haben, eine Diagnose anhand von einem Fragebogen sei nicht ausführlich genug, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Die Medizinische Versorgung befindet sich zweifelsohne im Wandel und Patienten sind längst nicht mehr reine Konsumenten von medizinischen Informationen und Entscheidungen, welche vom Arzt vermittelt bzw. getroffen werden. Vielmehr entwickelt sich der Patient auch im Bereich Medizin zu einer Art Prosument, einer Person, welche aktiv an der Informationsbeschaffung beteiligt ist und oftmals bereits eine eigene Vordiagnose stellt. Die medizinische Selbstbestimmung ist aufgrund der Fülle an verfügbaren Informationen omnipräsent und auch wenn sie Gefahren birgt, lässt sie sich nicht weg ignorieren. Wichtig ist, dass eine moderne Gesellschaft Antworten und Optionen für verschiedene Patiententypen bereithält und eine flächendeckende und dabei sichere Gesundheitsversorgung garantiert.

Hat Telemedizin in Deutschland eine Zukunft?

Der deutsche Markt wartet eigentlich nur auf die Freigabe durch die Politik, denn der Bedarf ist eindeutig vorhanden. Immer mehr Menschen nutzen in Deutschland die Dienste von ausländischen Online Doktoren – möglich auf Basis der freien Arztwahl innerhalb der EU.

In Deutschland ist mehr als die Hälfte der Bevölkerung für eine Einführung entsprechender Dienstleistungen, welche sich darüber hinaus bewusst ist, dass dieser den Gang zum Hausarzt nicht vollständig ersetzen kann bzw. soll.

Aber viele Patienten würden es sich wünschen, wenn sie wegen ihrer Halsschmerzen oder einer Blasenentzündung nicht stundenlang beim Hausarzt sitzen müssten, um ein Rezept zu bekommen. Hier könnte die Telemedizin eine Entlastung für Ärzte sein, denn sie könnten per Videochat leichte Diagnosen stellen und behandeln, um sich mehr Zeit für schwerwiegendere Erkrankungen bei anderen Patienten zu nehmen. Auch in ländlichen Regionen entlastet ein solches System, denn oftmals ist im nahen Umkreis gar kein Arzt zur Behandlung verfügbar und Patienten müssen erst in die nächstgelegene Stadt fahren, um einen Arzttermin wahrnehmen zu können.

Vergleich anderer europäischer Länder mit Ferndiagnose und Deutschland

In Deutschland verharrt die Politik auf dem Standpunkt, dass die Sicherung der Qualität wichtiger ist als die Nutzung neuer Medien im Gesundheitswesen. Länder wie Dänemark oder Schweden nutzen die Telemedizin bereits seit Jahren und haben gute Erfahrungen damit gemacht. Auch in den Niederlanden ist es möglich, dass ein Arzt Rezepte am Telefon oder per Videochat ausstellt. In Schweden entscheidet der Arzt, ob eine Behandlung per Videochat möglich ist oder eine Behandlung vor Ort notwendig ist.

Ähnlich sieht es in der Schweiz und auch in England aus. Ärzte können entscheiden, ob eine Online Behandlung Sinn macht oder der Arztbesuch erforderlich ist. Moderne Gesellschaften attestieren einem Patienten die Fähigkeit, Symptome bei leichten oder bereits diagnostizierten Krankheiten selbst vernünftig einzuschätzen. Hier sind wir wieder bei der medizinischen Selbstbestimmung.

euroClinix.net

Bild: euroClinix.net – Online Arzt in Großbritannien (diverse europäische Märkte, auch DE)

Reine Ferndiagnosen und somit auch Online-Verschreibungen sind in Deutschland noch verboten … doch für wie lange?

Eine Frage, die sich zweifelsohne nicht leicht beantworten lässt. Der Einfluss der Ärzte- und Apothekerlobby auf die Politik spielt bei den Entscheidungen eine große Rolle, denn beide fürchten einen Paradigmenwechsel, dem lokale Ärzte und regionale Apotheken nicht gewachsen sind. Zu groß der Druck von Investoren und international ausgerichteten Unternehmen, welche von einem auf den anderen Tag einen Fuß auf bereits besetztes Gebiet setzen würden. Die Furcht vor Veränderung und Verdrängung wirkt stärker als das Erkennen von Chancen und Potenzialen.

Am Ende des Tages wird sich die Telemedizin und die Behandlung im Internet jedoch zweifelsohne durchsetzen, denn das Gesundheitssystem ist schlichtweg darauf angewiesen. Zu weit fortgeschritten sind die Einschränkungen in der Behandlungsqualität, seien es Menschen, welche wochenlang auf Termine warten oder die Abdeckung der ärztlichen Versorgung auf dem Land. Auch steigt der Druck aus dem Ausland, denn Länder, welche entsprechende Modelle anbieten, profitieren bereits jetzt und werden in der nahen Zukunft noch stärker wachsen. Eine simple Angelegenheit von Angebot und Nachfrage. Deutschland muss hier agiler reagieren, um diesen innovativen Markt nicht zu verschlafen.

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