Mit dem Rauchen aufhören – für Gesundheit und Umwelt

Raucher mit Sonnenbrille und Zigarette im MundSymbolbild Rauhcer Photo by Alex Sheldon on Unsplash

Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, hat dafür meist gesundheitliche Gründe – schließlich ist der Konsum von Tabak eines der größten vermeidbaren Gesundheitsrisiken überhaupt. Doch es gibt sogar noch mehr Anreize für die Rauchentwöhnung.

Rauchen und die gesundheitlichen Folgen

Rauchen ist maßgeblich an der Entstehung von Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen beteiligt. Es erhöht außerdem das Risiko für verschiedene Krebsarten, beschleunigt die Hautalterung und kann zu Potenzproblemen führen. Je früher das Rauchen eingestellt wird, desto wirkungsvoller kann auch das Erkrankungsrisiko reduziert werden. Bereits innerhalb weniger Jahre nach der letzten Zigarette sinkt das Risiko für die meisten tabakbedingten Krebsarten deutlich. Nach zehn Jahren hat sich das Lungenkrebsrisiko bereits halbiert. Bei der Entwöhnung helfen Nikotinkaugummis. Diese sind rezeptfrei erhältlich und mildern die typischen Entzugserscheinungen beim Zigarettenverzicht. Auch aus finanzieller Sicht lohnt es sich, mit dem Rauchen aufzuhören: Wer täglich ein Päckchen Zigaretten raucht, kommt damit auf jährliche Ausgaben von immerhin fast 2.000 Euro – die sich nach der Entwöhnung für andere Dinge verwenden lassen.

Eine neue Studie der WHO zeigt darüber hinaus, dass die Rauchentwöhnung auch einen großen Beitrag zum Schutz des Planeten leisten kann – und damit der Gesundheit aller zugutekommt.

Tabakplantage
Tabakplantage in den USA Bild von David Mark auf Pixabay

Der ressourcenintensive Anbau von Tabak

Die jährliche Produktion von weltweit sechs Billionen Zigaretten trägt massiv zum Verbrauch der Ressourcen bei. Betrachtet man den gesamten Lebenszyklus des Tabaks vom Anbau der Pflanzen über die Zigarettenproduktion bis hin zum Vertrieb und zur Entsorgung, dann zeigt sich: Wasserverbrauch, Bodenerosion, Abfall und Kohlendioxid-Ausstoß machen Ökosystemen massiv zu schaffen.


Problematisch ist bereits der Anbau: Tabakpflanzen wachsen zumeist dort, wo es ohnehin zu wenig Nahrung für die Bevölkerung gibt. Im Jahr 2014 wurden auf insgesamt vier Millionen Hektar Land ganze 32,4 Millionen Tonnen Tabak angebaut. Zu den zentralen Anbauregionen gehören Indien, Pakistan, Malawi und Simbabwe – also Länder, die zumindest zeitweise mit Lebensmittelknappheit zu tun haben. Pointiert lässt sich formulieren, dass der Zigarettenkonsum in den entwickelten Nationen die Ressourcen ärmerer Länder in Rauch aufgehen lässt.

Die Plantagen verdrängen vielerorts die Wälder; so liegen etwa 90 Prozent der Tabakanbauflächen des afrikanischen Kontinents in Trockenwäldern und Buschländern, sogenannten Miombo-Regionen. Rund die Hälfte der dort bislang verlorengegangenen Flächen stehen im Zusammenhang mit der Tabakproduktion – was vermehrt zur Wüstenbildung führt. Und das nicht nur in Afrika, sondern auch in Indien, Jordanien, Brasilien und Kuba.

Eine Tabakplantage auf Cuba
Tabakanbau auf Kuba. Bodenerosion und -auslaugung ist ein Problem beim Tabakanbau
Bild von Norbert Höldin auf Pixabay

Dafür ist allerdings nicht nur die vermehrte Waldrodung verantwortlich: Tabakfelder tendieren außerdem besonders stark zu Bodenerosionen, denn die Tabakpflanzen schützen den Boden nur marginal vor Wind und Wasser. Im Vergleich zu anderen Nutz- und Nahrungspflanzen nehmen Tabakpflanzen deutlich mehr Stickstoff, Kalium und Phosphor auf, was die Böden rasch auslaugt und somit verstärktes Düngen erforderlich macht. Pestizide und andere Agrarchemikalien werden bei der Tabakproduktion daher ebenfalls vermehrt eingesetzt und lassen den Boden erschöpft zurück.

Auch die Bewässerung schlägt zu Buche: Für die Herstellung einer handelsüblichen Zigarette sind rund 3,7 Liter Wasser nötig. Mit der Wassermenge, die für die jährliche Tabakproduktion aufgewendet wird, könnte die gesamte Bevölkerung Großbritanniens 2,5-mal versorgt werden.

Angesichts solcher Werte könnte es insbesondere in den Entwicklungsländern sinnvoller sein, die für den Tabakanbau verwendeten Flächen und Ressourcen zur Produktion von Nahrungsmitteln einzusetzen. Beispielsweise könnten allein die fast 1.300 Quadratmeter Land, die zur Herstellung von einer Tonne Tabak notwendig sind, zur Produktion von sechs Tonnen Tomaten verwendet werden. Der Wasserverbrauch ließe sich damit um das Fünf- bis Achtfache senken.

Angesichts knapper Ressourcen würde auch die Wirtschaft davon profitieren. Es käme außerdem den Menschen zugute, die aktuell auf den Tabakfarmen arbeiten und nicht selten an der Grünen Tabakkrankheit leiden – einer Nikotinvergiftung, die auf den ungeschützten Hautkontakt mit Tabakblättern zurückgeht.

Weggeworfene Zigarettenkippen
Eine Zigarettenkippe enthält mehrere tausend Giftstoffe. Bei Regen sickern diese gefährlichen Stoffe in den Erdboden oder ins Grundwasser. Foto: Alexander Hauk

Die Herstellung und Entsorgung von Zigaretten

Mit dem Anbau des Tabaks ist die Geschichte der Umweltprobleme allerdings noch nicht zu Ende erzählt: Große Mengen Wasser, Energie und anderer Ressourcen werden auch für die weiteren Produktionsschritte verbraucht. Laut WHO-Bericht setzen Produktion und Konsum von Tabakprodukten Treibhausgase frei, deren Wirkung jährlich rund 84 Millionen Tonnen Kohlendioxid entspricht. Betrachtet man den persönlichen Verbrauch der Konsumenten, so lässt sich feststellen: Ein Mensch, der 50 Jahre lang jeden Tag eine Packung Zigaretten raucht, produziert dadurch mehr als fünf Tonnen kohlendioxidäquivalente Gase.
In Form von toxischem Abfall finden die Überreste der Tabakprodukte schlussendlich ihren Weg in die Ökosysteme.

Von sechs Billionen weltweit gerauchten Zigaretten landen rund 4,5 Billionen als weggeschnippte Kippen in der Umwelt. Kleine mobile Aschenbecher werden leider viel zu wenig genutzt. Auch kriminelle Raucher werden immer wieder bei Polizeikontrollen erwischt.

Zigarettenkippen auf dem Haufen
Photo: Sera Cocora / pixelio.com

Entgegen der landläufigen Meinung sind Zigarettenstummel biologisch nur schwer abbaubar: Neben Papier, Tabak und Asche enthalten Zigaretten auch einen Zelluloseazetat-Filter. Diese synthetische Substanz bleibt der Umwelt lange erhalten. Vom Wind durch die Landschaft geweht, in Flüssen treibend oder von Meeresströmungen in andere Länder getragen: Je nach äußerem Umfeld kann es bis zu 15 Jahre dauern, bis sich Zelluloseazetat-Filter zersetzen. Salzwasser verlangsamt den Zersetzungsprozess sogar noch weiter – im Meer kann es demnach bis zu mehrere hundert Jahren dauern, bis eine Zigarette abgebaut ist.

Auf ihrem Weg verteilen die Stummel mehr als 5.000 verschiedene Stoffe, von denen bislang 150 als giftig eingestuft wurden – vor allem, weil sie krebserregend wirken. In Zigarettenstummeln sammeln sich außerdem Blei, Arsen, Chrom, Cadmium, Kupfer, Formaldehyd und Benzol.

Werden Zigarettenstummel beispielsweise in einer Pfütze eingeweicht, so reichern sie das Wasser mit einer Konzentration von rund 2,5 Milligramm Nikotin pro Liter an. Schätzungen zufolge kann auf diese Weise bereits eine einzige Zigarette tausend Liter Wasser mit umweltrelevanten Nikotinmengen belasten.

Darüber hinaus kann bislang nicht ausgeschlossen werden, dass die Stoffe früher oder später wieder den Weg in unsere Nahrungskette finden.
Zigarettenkippen sind das weltweit am häufigsten weggeworfene Produkt – an Stränden und Küstenstreifen machen Zigarettenstummel sogar 30 bis 40 Prozent aller eingesammelten Müllgegenstände aus. Pro Jahr finden sich zwischen 340 und 680 Millionen Kilogramm Zigarettenkippen als achtlos weggeworfenes Abfallprodukt auf unserem Planeten.

Die Lösung? Mit dem Rauchen aufhören – am besten noch heute. Das kommt nicht nur der Gesundheit und dem persönlichen Portemonnaie zugute, sondern auch den fragilen Ökosystemen – und damit schlussendlich uns allen.

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