Hamburg vor dem Olympia-Referendum: Pro und Kontra in Kürze

Feuer und FlammeFeuer und Flamme das Logo der Hamburger Olympia Bewerbung

Zieht Feuer und Flamme für Olympia und überzeugt die Hamburger?

Am 29. November entscheidet sich, ob Hamburg sich offiziell um die olympischen Spiele 2024 bewirbt. 1,3 Millionen Bürger sind dann aufgerufen, beim Referendum ihre Stimme abzugeben. Sollten die Mehrheit der Wähler und mindestens 20 Prozent aller Wahlberechtigten mit „Ja“ stimmen, gilt das Referendum als angenommen. Wenn nicht wird die Bewerbung sofort gestoppt. Da es eine sehr knappe Abstimmung wird, kämpfen sowohl Befürworter als auch Gegner bis zuletzt um jede Stimme.

Nachhaltige Investition oder Milliardengrab?

Die Gegner fürchten vor allem stark steigende Kosten und damit hohe finanzielle Belastungen für die Stadt. Projekte wie die Elbphilharmonie hätten gezeigt, dass die tatsächlichen Kosten meist weit höher sind als zuvor veranschlagt. Aufgrund der angespannten Finanzlage könne Hamburg sich die Ausrichtung der Spiele nicht leisten, und solle mit dem Geld lieber soziale Projekte oder die Infrastruktur fördern.

Die Befürworter entgegnen, der Finanzplan sei solide aufgestellt, Faktoren wie eventuelle Kostensteigerungen und die jährliche Inflationsrate seien bereits einkalkuliert. Zudem würde der Beitrag der Stadt definitiv nicht höher sein als 1,2 Milliarden Euro, egal wie hoch die Kosten noch steigen. Hamburg müsse also keine neuen Schulden für die Spiele aufnehmen und ein Teil der Investitionen würde in die Stadtentwicklung fließen. Dadurch entstehe ein Nutzen auch über Olympia hinaus. Zudem würde Olympia die Nachfrage auf Hamburgs Stellenmarkt anheizen und einen Teil der Kosten durch höhere Steuereinnahmen aufgrund gestiegener Touristenzahlen wieder reinholen. Auf dem kleinen Grasbrook sollen ca. 8.000 Wohnungen entstehen, davon 2.200 Sozialwohnungen. Dieser komplett neue Stadtteil wäre vollkommen barrierefrei und ermögliche zudem eine weitere bauliche Erschließung der Gebiete östlich der Elbe.

Chance für die Stadtentwicklung oder teurer „Gigantismus“?

Genau das bezweifeln wiederum die Skeptiker. Der neue Stadtteil sei alles andere als wohnlich und zunächst müssten die dort ansässigen Hafenbetriebe überzeugt werden, in eine weniger zentrale Lage umzusiedeln. Und überhaupt seien 8.000 Wohnungen sehr wenig im Vergleich zum immensen Bedarf an bezahlbaren Wohnraum. Für eine nachhaltige Stadtentwicklung brauche man kein Mega-Event wie Olympia. Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) steht stark in der Kritik, unter anderem, weil in den sogenannten Ausrichterverträgen sehr detaillierte Bedingungen für die Ausrichtung der Spiele akzeptiert werden müssen. Die Spiele arten häufig in Gigantismus aus, zurück blieben immense Kosten und nicht genutzte Sportstätten, während das IOC sämtliche Gewinne einstreicht, so die Gegner der Spiele.

Wahlschein Olympia Referendum Hamburg

Wahlschein Olympia Referendum Hamburg Foto: ganz-hamburg.de

Hamburg als Musterbeispiel für zukünftige Bewerbungen

Allerdings möchte das IOC offensichtlich genau diesem beklagten Gigantismus entgegenwirken. In seiner „Agenda 2020“ kündigte Präsident Thomas Bach an, die Spiele sollen wieder kleiner und vor allem ökologisch und finanziell nachhaltiger werden. Die Stadt Hamburg sieht sich in dieser Hinsicht als Vorreiter. Das Olympiastadion soll auch weiterhin für internationale Wettkämpfe genutzt werden, sämtliche andere Sportstätten stünden nach den Spielen dem Breitensport zur Verfügung. Sollte es das IOC mit dem Thema Nachhaltigkeit also tatsächlich ernst meinen, hätte Hamburg mit seinem Konzept gute Chancen, sich gegen seine Konkurrenten durchzusetzen. Die Stadt würde dadurch weltweit bekannter werden und zudem ein positives Image erhalten. Diese Chance hätte man ohne Olympia nicht.

Beide Seiten haben also durchaus gewichtige Argumente auf ihrer Seite. Der Ausgang des Referendums ist völlig offen. Man darf gespannt sein, wie sich die Bürger am Sonntag entscheiden werden. Wie und wo sie Ihre Stimme abgeben können, erklären diese Olympia-FAQs auf der Webseite der Stadt Hamburg.

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