Autoverwertung – was passiert dabei?

SchrottauutoEine gute Autoverwertung ist heute kein großes Problem mehr, darf allerdings nur von zertifizierten Schrotthändlern oder Autoverwertern durchgeführt werden.@ Tama66 (CC0-Lizenz) / pixabay.com

In Deutschland sind inzwischen Millionen Pkw auf den Straßen unterwegs. Eine Tatsache, die sich besonders anhand der Statistiken des Kraftfahrtbundesamtes nachvollziehen lässt. Für den Stichtag 01. Januar 2016 verzeichnet dessen Statistik zum Beispiel einen Bestand von mehr als 45 Millionen Pkw. Die KBA-Statistiker führen aber nicht nur über die Neuzulassungen Buch oder im Hinblick auf die Besitzumschreibungen. Auch das Thema Außerbetriebsetzung beschäftigt das Kraftfahrtbundesamt. Das Verblüffende: 2015 wurden den Statistiken entsprechend mehr als 8,3 Millionen Pkw abgemeldet und auch in Hamburg spielt dieses Thema eine wichtige Rolle.

Auf den ersten Blick müsste die Zahl der Autos auf deutschen Straßen also schrumpfen. Wer sich die Zahlen sehr genau anschaut, bemerkt recht schnell, dass nur ein Teil der Abmeldungen Autos erfasst, die in die Jahre gekommen sind. Knapp 30 Prozent der Pkw waren zum Zeitpunkt der Abmeldung bereits mindestens 15 Jahre alt. Etwa 15 Prozent wurden bereits innerhalb des ersten Jahres wieder außer Betrieb gesetzt. Letztere Pkw dürften sicher nicht auf dem Schrottplatz landen – sondern zu Jahreswagen werden. Bei den 30 Prozent der Außerbetriebsetzungen älterer Pkw ist die Autoverwertung wahrscheinlich. Wie läuft dieser Prozess ab? Und was kostet den letzten Besitzer des Pkw die Verwertung?

Was bedeutet Autoverwertung?

Unfallfahrzeuge oder Autos mit nicht mehr zu reparierenden Defekten landeten früher einfach auf dem Schrottplatz. Heute hat sich der Begriff Autoverwertung eingebürgert. Laut Umweltbundesamt sind es jedes Jahr etwa eine halbe Million Pkw, die diesen Weg gehen. Die Bezeichnung beinhaltet einen klaren Hinweis, um was es an dieser Stelle geht. Jeder Pkw besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Rohstoffe, die sich inzwischen wieder in den Produktionskreislauf einbinden lassen.

Dazu gehören:

  • Eisenmetalle
  • Aluminium
  • Buntmetalle wie Kupfer, Cadmium oder Nickel 

Im Zuge der Autoverwertung wird versucht, möglichst viel dieser Elemente/Rohstoffe zurückzugewinnen – und wieder zu nutzen.

Die Verwertung erfolgt schrittweise – beginnend mit der Außerbetriebsetzung. Die eigentliche Verwertung übernehmen in Deutschland spezielle Entsorgungsstellen, von denen bundesweit mehr als 1.000 existieren. In den Verwertungsbetrieben besteht der nächste Schritt darin, alle Flüssigkeiten aus dem Auto zu entfernen. Hierzu zählen unter anderem:

  • Motoröl
  • Motorkühlflüssigkeit
  • Flüssigkeit für die Scheibenwaschanlage.

Zusätzlich werden Bauteile wie der Airbag entfernt. Ist der Pkw soweit trocken gelegt, werden die noch verwertbaren Bauteile des Fahrzeugs entfernt. Am Gebrauchtwagenmarkt werden häufig unter anderem:

  • Getriebe
  • Scheinwerfer
  • Motorteile
  • Achsteile
  • Hauben und Türen

gehandelt. Ist das Fahrzeug soweit zerlegt, wird es in aller Regel gepresst/verdichtet und anschließend der Fraktionierung zugeführt. Nach dem Schreddern kommen verschiedene Methoden zum Einsatz, mit denen sich verschiedene Materialen voneinander trennen lassen – wie Magnetabscheider oder Schwerkraftfraktionierung.

Ist Autoverwertung immer kostenpflichtig?

Hartnäckig hält sich Ansicht, dass die Abgabe eines Altautos in die Verwertung schnell mehrere hundert Euro kosten kann. Diese Haltung ist inzwischen schlicht falsch. Der Grund: Mit der Altfahrzeug-Verordnung – kurz AltfahrzeugV – nimmt der Gesetzgeber die Autohersteller in die Pflicht. Über § 3 Abs. 1 AltfahrzeugV werden die Hersteller verpflichtet, ihre Fahrzeuge vom letzten Halter zurückzunehmen. Und diese Rücknahme muss – so der Willen des Gesetzgebers – unentgeltlich erfolgen.

Damit sollte klar sein, dass die Autoverwertung inzwischen für den Letzthalter kein Kostenrisiko mehr darstellt. Im Gegenteil: Die Branche der Autobauer wird heute in die Pflicht genommen und muss hier Fahrzeuge wieder zurücknehmen.

Für die Halter sicher eine beruhigende Nachricht. Via Internet ist die Suche nach dem nächsten Verwertungsbetrieb sicher kein Problem mehr. Und es gibt eine weitere Möglichkeit, die alte „Familienkutsche“ loszuwerden. Aufgrund der Wertstoffe bieten Ankäufer oft noch einige hundert Euro für das Altauto. Soweit noch fahrtüchtig, kann ein Auto die Verwertung umgehen – und geht stattdessen in den Export. In Asien oder Afrika sind solche Fahrzeuge oft noch einige Jahre unterwegs.

Was sollte dabei beachtet werden?

Generell gilt zwar die bereits genannte Rücknahmepflicht der Hersteller. Wer das Auto einfach auf den nächsten Schrottplatz fährt, kann aber nicht automatisch damit rechnen, den Pkw unentgeltlich loszuwerden. Es muss im Vorfeld geklärt werden, ob das Fahrzeug hier überhaupt verwertet werden darf. Hintergrund: Laut Umweltbundesamt darf die Verwertung nur in den anerkannten Demontagebetrieben erfolgen.

Wichtig: Das „Abstellen“ am Straßenrand ist in keinem Fall zu empfehlen, da der Tatbestand der illegalen Altfahrzeugentsorgung im StGB (Strafgesetzbuch) auftaucht und ein Bußgeld in fünfstelliger Höhe nach sich ziehen kann.

Wer sein Fahrzeug nach der Verwertung abmelden will, muss einen Verwertungsnachweis erbringen, den der Verwertungs-/Demontagebetrieb ausstellt. Zusätzlich sind für die Abmeldung des Pkw die:

  • polizeilichen Kennzeichen
  • Zulassungsbescheinigung Teil I und II

beizubringen. Damit will der Gesetzgeber verhindern, dass die Fahrzeuge einfach illegal entsorgt werden. Tipp: Einige der Entsorger übernehmen die Formalitäten auf Wunsch gleich mit.

Wer unbedingt einen Erlös mit dem ausrangierten Pkw erzielen will, sollte sich in der Umgebung informieren, was die einzelnen Verwerter bereits sind zu zahlen. Hier lassen sich durchaus Unterschiede in der Praxis erkennen. Aber: Je größer der Suchradius, umso schwieriger der Überblick, da Kosten für den Transport des Pkw – sofern nicht mehr fahrtüchtig – den Erlös mindern können. In jedem Fall zahlt es sich aus, an diesem Punkt mit etwas Geduld und Augenmaß nach Verwertern zu suchen.

Alten Reifen

Die Überreste eines Autos. Mit einer entsprechenden Autoverwertung lässt sich möglichst viel vom Auto noch nutzen und unter Umständen eventuell auch noch ein bisschen Geld herausholen. @ MichaelGaida (CC0-Lizenz) / pixabay.com

Fazit: Autoverwertung heute sehr oft kostenlos

Die Verwertung eines alten Pkw oder Unfallwagens wird teuer. Diese Haltung steckt in den Köpfen vieler Halter. Aber: In der Praxis sieht die Situation deutlich entspannter aus. Heute können Letzthalter unter Umständen sogar damit rechnen, einen Erlös mit dem Altfahrzeug zu erzielen. Und selbst wenn nicht – der Gesetzgeber schreibt Herstellern inzwischen die kostenfreie Rücknahme ihrer alten Modelle vor. Beachten müssen Verbraucher allerdings, dass die Abmeldung einen entsprechenden Verwertungsnachweis voraussetzt. Und auch die Kfz-Kennzeichen nicht mit in der Schrottpresse verschwinden dürfen. Wo doch noch der eine oder andere Euro rausspringen soll, ist Fahrtüchtigkeit ein wichtiger Faktor – etwa um den Pkw in den Export gehen zu lassen.

Bildquellen:
Abbildung 1: @ Tama66 (CC0-Lizenz) / pixabay.com
Abbildung 2: @ MichaelGaida (CC0-Lizenz) / pixabay.com

 

Bitte folgen und liken Sie ganz-hamburg.de
Social media & sharing icons powered by UltimatelySocial