Fahrradurlaub oder machst Du nur Ferien oder radelst Du schon?

Mutter mit Kind fahren auf einer Radtour durch einen WaldAuf Radtour Photo by Mark Stosberg on Unsplash

8 Tipps wertvolle Tipps für Fahrradurlaub-Rookies und Anfänger. So macht die Bike-Reise wirklich Spaß!

Urlaub in Pandemiezeiten ist anders und vor allem viel regionaler. Wenn man Urlaub rund um Hamburg machen möchte, bietet sind ein Fahrradurlaub geradezu an. Denn, wie oft hat man schon darüber nachgedacht, aber nie umgesetzt.

Praktisch in Reichweite finden sich der Ostseeküsten-Radweg von Flensburg bis zum Seebad Ahlbeck auf Usedom, der Elberadweg von Schöna in der Sächsischen Schweiz bis Cuxhaven oder der Weserradweg vom Weserbergland bis zur Nordsee.

Für Rookies Mehrtagestouren im Hamburger Umkreis:

Alte Salzstraße

Auf den Spuren des weißen Goldes von der Alten Salzstadt Lüneburg zur Königin der Hanse, nach Lübeck. Achtung, nicht in Lüneburg versacken, bekanntlich hat die Stadt die größte Kneipendichte Deutschlands.

  • Länge: 116 Kilometer
  • Verlauf: Lüneburg – Lauenburg, – Mölln -Ratzeburg
  • Markierung: blau-grün-rotes Logo, Schrift – ‘Alte Salzstraße’

Von Hansestadt zu Hansestadt

Wir wollen mal nicht so sein, jetzt wo Werder Bremen abgestiegen ist, kann man als Hamburger auch einmal in Bremen vorbeischauen. Außerdem gibt es kaum Steigungen auf dem Radfernweg Hamburg-Bremen. Am günstigsten zurück, wer will schon in Bremen bleiben (?), geht es mit dem Metronom und Niedersachsen Ticket.

Länge: 150 km
Verlauf: Hamburg – Hollenstedt – Sittensen – Zeven – Wilstedt – Fischerhude – Bremen

Von Hamburg nach St. Peter-Ording an die Nordsee

Immer nach Norden, aber erstmal nach Westen die Unterelbe entlang. Wer hier radelt, wird etwas mehr Gegenwind haben. Elmshorn ist ein alternativer Abstecher. Wer schneller ankommen möchte, macht den Schlenker nicht. Leider gibt es keine direkte Zugverbindung von St. Peter-Ording nach Hamburg. Man kann z.B. nach Friedrichsstadt (ca. 35 Km) mit dem Rad fahren und dann geht es direkt mit dem Schleswig-Holstein Ticket zurück nach Hamburg. Oder man nimmt den Umweg über Husum in Kauf.

Länge: 180 km
Verlauf: Hamburg – Wedel – Elmshorn – Glückstadt – Brunsbüttel – Meldorf – Wesselburen – St. Peter Ording
Markierung: In beiden Richtungen ein rundes, blaues Logo mit Fahrrad

Deshalb, nicht warten, sondern starten

Doch wie immer Leben, was simpel klingt, ist nicht simpel. Denn es gibt ziemlich einfache Fehler, die gerade Rookies unterlaufen und die eine Radreise schnell zu einer mittelprächtigen Katastrophentour machen können. Immerhin, rund die Hälfte alle Radreisen wurden im letzten Jahr von Anfänger unternommen. Das ergab die Radreiseanalyse des ADFC. Unser Fahrradspezialist “Pedale” Rüdiger Stein-Bendes gibt acht ultimativen Tipps:

Tipp Nummer 1: Fahrradurlaub nicht ohne Vorbereitung starten

Die Vorbereitung einer Radtour ist das A und O. Zum Glück gibt es jede Menge Infos im Web und spezielle Reiseführer. Deshalb die Route genau planen. Dazu gehören die Streckenverhältnisse:

  • Sind es gesonderte und gar spezielle Radwege, ist man auf dicht befahrenen Straßen unterwegs?
  • Gibt es die komfortablen Velo Routen?
  • Hat man ein geeignetes Tourenrad und ist es technisch im guten Zustand?
  • Deshalb rechtzeitig das Rad durchchecken lassen. Die Reifen sollten pannensicher und in einem guten Zustand sein. Achtung: Werkstatttermine sind aktuell eher rar, deshalb sich rechtzeitig um einen Termin kümmern. Weniger Terminstress in Hamburg hat man bei Yeply.

Tipp Nummer 2: Erst planen, dann aufs Rad

Eine Radreise, wenn sie nicht pauschal gebucht ist, braucht Überlegung, Planung und Vorbereitung. Spontan losfahren geht. Aber, dann sollten man viele (auch unangenehme) Überraschungen einplanen.

  • Wie anspruchsvoll und sportlich soll die Tour werden? Sucht man eher die sportliche Herausforderung oder möchte man links und rechts des Radweges viel sehen? Danach muss man die Etappen planen.
  • Im Zweifel planen Sie eine Etappe lieber kürzer als länger.
  • Zu Vorbereitung sollte man unbedingt trainieren.
  • Will man in einem Quartier übernachten oder campen? Das bestimmt die Ausrüstung und wie viel Gepäck man mitnehmen muss. Denken Sie daran, dass Gepäck muss sich einfach, schnell, wettersicher und stabil verstauen lassen. Die Gepäckträger müssen tragfähig sein und Sie benötigen gute Fahrrad-Packtaschen.

Tipp 3: Nicht mit einem ungeeigneten Rad losradeln

Die die Tour geplant, der Gepäckumfang steht fest und das Trainingslevel stimmt. Jetzt überlegen Sie, welches Rad Sie brauchen? Fahrräder haben Höchstgewichte. Zu hohes Gewicht über eine längere Zeit samt Erschütterungen ermüden den Rahmen und Gabel- oder Rahmenbruch droht. Besonders empfindlich sind Alu-Räder, sie brechen sofort. Stahlrahmen bekommen meist erst Risse. Reparaturen, wenn sie überhaupt möglich sind, sind kostenintensiv. Wir reden dabei gar nicht von dem hohen Unfall- und Verletzungsrisiko.

Wenn Sie mit einem E-Bike auf Tour gehen. Dann müssen Sie Ladepunkte und -pausen einplanen. Ansonsten gilt: Die Rahmengröße, Sattel- und Lenkerhöhe müssen zur Körpergröße passen. Faustregel: Das Bein sollte mit der Ferse auf dem Pedal am tiefsten Punkt ausgestreckt sein. Die richtige Lenkerhöhe entlastet den Rücken. Je aufrechter man sitzt, desto bequemer.

Lederfahrradsattel von Brooks
Ein begehrter Klassiker: der aber eingefahren werden muss. Der Brooks Fahrradsattel aus Leder © ganz-hamburg.de

Montieren Sie einen bequemen Tourensattel oder sparen Sie ihn ein. Wir sprechen uns nach dem ersten oder zweiten Tourentag gern wieder.

Tipp 4: Die Strecke sorgfältig aussuchen

Überlegen Sie sich, welchen Charakter die Fahrradtour haben soll:

  • Soll es eine sportliche Herausforderung, ein Gemeinschaftserlebnis, Sightseeing oder eine Spaßtour sein?
  • Wie viele Steigungen und Höhenmeter hat die Tour? Mein Tipp: Velo Routen neben Flüssen sind meist steigungsarm, sehr gut erschlossen und haben für Fahrradfahrer eine gute Infrastruktur. Nichts geht über eine gepflegt Rast auf der Tour!
  • Achten Sie darauf, dass möglichst alle Etappen gleich lang sind. Dier erste Etappe sollte immer etwas kürzer sein. Auch Etappen mit vielen Höhenmetern sollten weniger lang geplant werden.
  • Pausen und Rastzeiten von Anfang an einplanen.
  • Seien Sie realistisch beim Einschätzen des Trainingslevels. Muskelkater und Erschöpfung sind eher kontraproduktiv.
  • Nutzen Sie Radroutenplaner. Die haben ausgearbeitete bewährte Routen und viele Infos!

Tipp 5: Seinen Fitnesslevel überschätzen

Seien Sie bei der ersten Tour nicht zu ehrgeizig. Bewerten Sie das Fitnesslevel der Teilnehmer konservativ. Es bringt nichts, wenn Sie total geschafft die Etappenziele erreichen. Oder, wenn ein Teilnehmer nicht mithalten kann. Da kommt es schnell zu Spannungen und schlechter Stimmung in der Gruppe. Perfekt ist, wenn vorher ein paar Trainingstouren gemacht werden.

Tipp 5: Gute Ausrüstung ist alles

Es fängt mit dem Rad an, es muss nicht nur genügt Tragfähigkeit besitzen, es muss auch leicht laufen. Billigräder haben meist schlechte Lager, das kostet Kraft und Kondition, für die 2.500 meter zum Bahnhof sind sie okay, aber gehen Sie nie auf Tour mit solchen Bikes. Mein Kommentar: Willkommen im Club…

Sparen Sie nicht an der Bekleidung, ein gut polsterte Hose und funktionelle schnelltrocknende regendichte Kleidung machen sich schnell bezahlt. Die Packtaschen sollten unbedingt regendicht sein. Greifen Sie lieber zu einem guten Markenprodukt, die paar Euro mehr zahlen sich schnell aus!

Tipp 6: Auch beim Fahrradurlaub gilt: Safety first

Ohne Fahrradhelm sollten Sie nicht auf Tour gehen. Wichtig, damit es nicht zu warm wird, ist eine gute Belüftung des Helms. Billighelme aus dem Baumarkt haben die meist nicht. Die Hövding Airbag Kragen ist eine gute Alternative und High Tech für die Sicherheit. Zum Gepäck gehört auch ein Reparaturkit: Eine kompakte Luftpumpe, Flickzeug und Werkzeug. Kaufen Sie Qualität, Billigwerkzeug versagt meist beim ersten Einsatz. Verstauen Sie das griffbereit. Ein leichtes Fahrradschloss sollte nicht vergessen werden. Fahrräder sind leider bei Ganoven sehr beliebt. Auch wenn es nicht die Sicherheit erhöht: Ein Packplan ist ungemein praktisch und Sie sparen sich nervige Suchereien.

Tipp 7: Weniger Gewicht ist nur durch weniger Gewicht zu ersetzen

Über das richtige Packen und die Ausrüstung könnte ich drei bis fünf Artikel schreiben. Ich empfehle die Packtipps vom ADFC, die sind praxiserprobt und pragmatisch.

  • Planen Sie die Ausrüstung, die mitgenommen werden muss, und das Gewicht genau.
  • Ist jedes Teil wirklich notwendig?
  • Gibt es leichtere Varianten?
  • Wie hoch ist das Gesamtgewicht?
  • Feilschen Sie um jedes Gramm. Jedes eingesparte Kilo zählt, denn es verringert die Anstrengung.

Tipp 8: Runter vom Sofa rauf aufs Rad

Sie sitzen immer noch rum? Jetzt aber los – auf zum Fahrradurlaub und ab in die Pedale!

Rüdiger Stein-Bendes

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