Classic Cars: Raus aus dem Winterschlaf, ab auf die Straße!

Kühlerfigur eines amerikanischen Oldtimers© Norbert Schmidt

Experten-Tipps: So wird der Oldtimer wieder fit für den Frühling.

Auch wenn Benzin gerade fast zu einem Luxusgut geworden ist. Der Winter ist gegangen und langsam wird es an der Zeit, dass Classic Cars, Youngtimer und Oldtimer wieder auf die Straßen von Hamburg kommen. Wohl dem, der sein gepflegtes Alt-Eisen richtig für die Winterpause präpariert hat. Doch nach der Winterpause sind einfach ins Auto setzen, Motor anlassen und losfahren ist wenig ratsam, lautet der Rat vom Hamburger Autohaus David Fine Sports Cars, das sich auf erstklassige Sportwagen, automobile Perlen und Klassiker spezialisiert hat.

Olaf Bornhöft
Olaf Bornhöft von David Fine Sports Cars (c) Tom Wolf

„Ein Check-up vor Beginn der neuen Saison ist unverzichtbar, ansonsten riskieren Besitzerinnen und Besitzer nicht nur Unsicherheit im Straßenverkehr und unschöne Schäden an ihrem Auto, sondern auch eine eventuelle Wertminderung ihres Klassikers“,

Olaf Bornhöft, Serviceleitung und Experte für Oldtimer bei David Finest Sports Cars

Nach dieser Experten-Checkliste sollte man sein Auto nach der Winterpause wieder Frühjahresfit machen.

Rundum-Check und Reinigung

Nachdem die Autoplane entfernt wurde, gilt es erst einmal, sich einen Überblick zu verschaffen und das Auto gründlich zu inspizieren: Sind Schrammen, Risse, Rost oder andere kleinere Mängel zu sehen, sollten diese noch vor Saisonstart korrigiert werden lassen. Auch ein Blick unter das Auto ist notwendig. Gibt es Anzeichen eines Flüssigkeitsverlustes? Hilfreich dabei ist eine Taschenlampe. Handylicht ist meist zu funzelig.

Anschließend wird der Innenraum inspiziert. Gibt es Feuchtigkeit oder gar Nässe? Das könnte ein Hinweis auf einen defekten Innenraumfilter oder undichte Gummidichtungen sein. Gummi verschleißt auch, wenn ein Auto nicht bewegt wird – daher ist es sinnvoll, die Wischerblätter am Scheibenwischer nach langer Standzeit auszutauschen, um einer zerkratzten Windschutzscheibe vorzubeugen.

Sieht hier nun alles gut aus, kann sich an die Reinigung gemacht werden. Merke: Ein Klassiker gehört nicht in die Waschanlage, da harte Kunststoffbürsten hier schnell zu Schäden führen können. Sicherer ist es, auf die klassische Handwäsche mit lauwarmem Wasser, einem Autoshampoo der Wahl sowie einem großen Trockentuch zu setzen.

Zur Grundausstattung für die Innenraumreinigung gehören Microfasertücher, Glasreiniger und spezielle Reinigungsmittel sowie -tücher für die Armaturen und Scheiben. Ein Staubsauger entfernt den oberflächlichen Schmutz, mit einem Pinsel kann an den Lüftungen der Staub gründlich entfernt werden. Bei Echtledersitzen sollte regelmäßig mit einem speziellen Reiniger und einem Pflegemittel gearbeitet werden, um das Naturprodukt geschmeidig zu halten.

Stadtpark Revival 2018
Chevrolet Corvette Impressionen © Norbert Schmidt

Unter die Haube schauen

Motorhaube auf: Bevor es losgehen kann, müssen die Füllstände von Motoröl, Kühlwasser, Brems- und Wischwasser sowie Hydraulikflüssigkeit der Servolenkung überprüft und eventuell entsprechend angepasst oder sogar ausgetauscht werden. Wer clever war, hat die Füllstände im Herbst dokumentiert und im Handschuhfach aufbewahrt.

Fällt auf, dass für den Zeitraum der Standzeit ungewöhnlich viel Flüssigkeit verloren gegangen ist, sollten die Dichtungen noch einmal gecheckt werden. Auch eine kurze Sichtprüfung der Kabel und Schläuche auf poröse Stellen ist zu empfehlen. Gerade Schläuche neigen mit dem Jahren zum mürbe werden.

Die Reifen prüfen

Bevor der Wagen im Herbst zur Ruhe gestellt wurde, wurde idealerweise der Reifendruck erhöht – diesen gilt es nun wieder abzulassen. Der ideale Reifendruck eines Oldtimers liegt je nach Modell bei ungefähr 1,5 bis 2,5 bar. Sicherheitshalber sollte auch noch einmal die Profiltiefe gemessen und die Reifen nach Rissen oder anderen Alterserscheinungen abgesucht werden. Achtung, das Reserverad nicht vergessen!

Batterie einsetzen

Wenn vor dem Winterschlaf die Batterie abgeklemmt oder ausgebaut und bei Zimmertemperatur gelagert wurde, dann sollte sie nachgeladen werden. Beim Laden überprüfen: Wie hoch ist die Batteriespannung (sie sollte zwischen 12 und gut 13 Volt liegen), dann die Leistungsaufnahme beobachten. Die Batterie sollte nur in einem gut belüfteten Raum geladen werden.

Bremsen testen

Nachdem der korrekte Füllstand für die Bremsflüssigkeit bereits geprüft wurde, sollte der Klassiker, bevor es losgeht, ebenfalls einem praktischen Bremstest unterzogen werden. Nach der langen Standzeit kann sich der erste Anhalteweg durch leichte Rostschleier auf den Bremsscheiben etwas verlängert. Kein Grund zur Sorge: Nach ein paar Mal bremsen verschwindet der Rostschleier von allein. Deshalb die ersten Kilometer besonders vorausschauend fahren und auf Nebenstraßen ohne Verkehr die Bremse wieder einfahren.

Fast fertig: Vor dem Motorstart

Bevor es nun endlich auf die Straße gehen kann, lohnt es sich, die Zündkerzen noch einmal auf Rost oder Verschmutzungen zu prüfen. Leuchtet die Motorkontrollleuchte oder stottert der Motor, sollte das Verschleißteil überprüft und eventuell ausgetauscht werden.

Während man für den Wechsel einer Zündkerze meist nicht sehr tief in die Tasche greifen muss, können Folgeschäden durch eine defekte Zündkerze umso teurer sein. Sieht hier alles gut aus, noch kurz die Luftfilter reinigen und die Kraftstoffschläuche auf eventuelle Risse checken. Dann kann der Motor endlich gestartet werden – keine Sorge, nach der langen Standzeit ist es hier nicht unüblich, dass ein älterer Wagen auch noch einen zweiten oder dritten Versuch braucht.

Ist der Oldie nun warm geworden und schnurrt so, wie gewohnt, kann die Oldtimer-Saison 2022 endlich sauber und vor allem sicher losgehen. Achtung beim Starthilfe Spray. Der hilft zwar fast immer, sollte aber nur bei Autos ohne Katalysator eingesetzt werden. Sonst nimmt der Kat Schaden und verliert seine Funktion.

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