E-Mobility: Schnellladesäulen werden verzweifelt gesucht

Ein blauer VW up wird aufgeladenE-Auto wird geladen © Norbert Schmidt

Auch wenn die Politik und viele Medien für den Ausbau der Ladeinfrastruktur für E-Autos kräftig die Werbetrommel rühren. Tatsächlich hinkt der Ausbau dem Bedarf hinterher. Erschwerend kommt ein regional sehr unterschiedlicher Ausbaustatus dazu. Denn in einigen Landkreisen und Städten gehören öffentliche Ladesäulen zu den raren Gegenständen.

Einen Negativ-Rekord kann der Kreis Plön als schlechtester deutscher Zulassungsbezirk wenn es um Schnellladesäulen geht verbuchen. Nach Daten des Verbands der Automobilindustrie (VDA) gibt es nur einen Schnellladepunkt, den sich theoretisch alle der dort zugelassenen 1.455 Elektroautos teilen müssen. Bei der Platzierung von Hamburg muss berücksichtigt werden, dass die Hansestadt einen hohen gewerblichen Anteil und die Zulassungen eines der größten Deutschen Autovermieters (Europcar) hat. Die Platzierung ist somit nicht ganz so aussagefähig.

Das VDA-Ladenetz-Ranking 2022 für Hamburg und die Metropolregion

RangStadt/LandkreisAuto-
kennzeichen
S-Wert: E-Pkw pro SchnellladepunktE-Pkw-BestandSchnell-ladepunkte
213Stadt Hamburg*HH14323.981168
48Kreis OstholsteinOH622.15735
85Kreis SegebergSE803.75747
162Landkreis HarburgWL1153.45530
170Kreis Herzogtum LauenburgRZ1192.25819
178Kreis StormarnOD1243.70930
182Kreis PinnebergPI1263.91231
184Stadt LübeckHL1272.03416
217Landkreis StadeSTD1462.19015
283Landkreis CuxhavenCUX1951.5578
317Kreis SteinburgIZ2471.2335
390Kreis PlönPL1.4551.4551
Deutschland 1431.010.7107.053
Quelle: VDA

Allerdings, E-Mobilität ist immer noch die Ausnahme in Deutschland. Aktuell liegt 2021 der E-Autoanteil (BEV und PHEV) bei circa 1,22 Prozent. Werden nur die Neuzulassungen betrachtet, dann beträgt der Anteil der Elektroautos 6,7 (BEV) bzw. 6,9 (PHEV) Prozent.

Öffentliche E-Ladesäule in Hamburg Winterhude
E-Ladesäule in Hamburg Winterhude © ganz-hamburg.de

Dazu beigetragen hat die Auslieferungs- bzw. Produktionspolitik der Hersteller. Aufgrund der Chipkrise werden vorrangig Autos mit E-Antrieb hergestellt und ausgeliefert. Marktprognosen gehen davon aus, dass der Anteil der Elektroautos am Bestand bis 2025 bereits 11,1 Prozent betragen wird. Für das Jahr 2030 soll der E-Mobility-Marktanteil bei 24,4 Prozent liegen.

Wachsende E-Mobilität erfordert, dass für die im Rahmen der Energiewende stillgelegten Kernkraft- und Kohlekraftwerke (Kapazität 2200 Megawatt) stabiler Ersatz geschaffen wird. Ein Doppel-Axel aus sinkender Stromerzeugungskapazität bzw. Zappelstromquellen wie Photovoltaik sowie Windkraft und steigendem Stromverbrauch (Raumheizung und E-Mobilität) wird mittelfristig nur denkbar schwer funktionieren. So oder so, für die Durchsetzung und die Akzeptanz der E-Mobility ist der zügige Ausbau der Ladeinfrastruktur von zentraler Bedeutung.

Über das VDA-Ladenetz-Ranking

Das VDA-Ladenetz-Ranking basiert auf Daten der Bundesnetzagentur (BNetzA) zur Anzahl der Ladepunkte in deutschen Landkreisen und Städten mit dem Stichtag 01. Oktober 2021 und des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zum Pkw- und E-Pkw-Bestand, ebenfalls zum Stichtag 01. Oktober 2021. Neuere Daten zum Pkw-Bestand liegen nicht vor.  

Die Bundesnetzagentur wertet einen Ladepunkt als Schnellladepunkt, wenn er eine Kapazität von mehr als 22 Kilowatt hat. Deutschlandweit gibt es Stand Ende November 2021 insgesamt 7.053 dieser Schnellladepunkte, denen rund eine Millionen Elektroautos gegenüberstehen (143,3 Elektroautos je Schnellladepunkt).

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