Kunststoff im Automobilbau, heute nicht mehr wegzudenken

Cockpit eines SmartOhne Kunststoffe hätte man das Cockpit nicht so konsturieren können Photo by Mike Bird from Pexels

Auch wenn Autos überwiegend aus Stahl gebaut werden, modernes Autodesign wäre undenkbar ohne Kunststoff.

In den 1920er Jahren gab es den geflügelten Spruch: „Ein Pfund Blech und ein Pfund Lack fertig ist der Hanomag.“ Der Hintergrund war einfach, er war auf den ersten deutschen Kleinwagen, den Hanomag 2/10 PS (Spitzname: Kommissbrot), der ab 1925 in Fließbandfertigung produziert wurde, gemünzt. Über Kleinwagen hat man sich schon immer gern lustig gemacht.

Hanomag 2/10 PS (Kommissbrot) Foto: Wikipedia – Von User:Asterion – Eigenes Werk, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1460722

Trotz des für damalige Verhältnisse skurrilen Designs war der Kleinwagen, der erste weltweit in Pontonform, ein Verkaufserfolg. Kunststoffe wurden damals im Automobilbau, bis auf Gummi, nicht eingesetzt. Metall und Holz waren die dominierenden Werkstoffe, denn großserienfähiges Plastik stand noch nicht zur Verfügung.

Moderner Werkstoffmix

Heute ist zwar die Karosserie zumeist überwiegend aus hochfestem Automobilstahl gefertigt, aber der Kunststoffanteil an einem Auto ist hoch. Ein PKW besteht zu einem Siebtel aus Kunststoffen und Plastik. Doch reine Kunststoff- Karosserien, von denen man sich in den 1950er Jahren viel versprach, haben sich, mit ganz wenigen Ausnahmen, nicht durchgesetzt und sind weiterhin die Ausnahme.

Sportwagen Chevrolet Corvette
die Chevrolet Corvette von 1957 hat eine Kunststoff Karosserie © ganz-hamburg.de

Ein großer leistungsfähiger Zulieferer ist Knauf Automotive. Wobei Knauf als Unternehmen dem Endverbraucher mehr bekannt als der Hersteller von Gipskartonplatten, ohne die es heute keinen modernen Innenausbau von Gebäuden geben würde, ist.

Kunststoff im Automobilbau

Kunststoffe im Automobilbau werden vielfältig innen und außen eingesetzt. Denn Kunststoff hat einen großen Vorteil: er ist nicht nur in fast jede beliebige Form zu bringen. Kunststoff spart Gewicht und kann die Komplexität von Bauteilen verringern. Das vereinfacht die Produktion und senkt die Montagezeiten. Modernes Automobildesign, ob innen oder außen, ist nur mit Kunststoffen möglich.

Citroen Cactus
Kunststoffseitenteile beim Citroën Cactus © Citroën Kommunikation

Weniger Gewicht, das vermindert den spezifischen Verbrauch, egal ob klassisch mit einem Verbrennungsmotor oder mit einem Elektroantrieb. Elektromobilität geht gar nicht ohne Kunststoff. Denn eine Lithium-Ionen-Batterie lässt sich ohne Kunststoffspezialfolien nicht herstellen. Waren in der Vergangenheit Kunststoffe nur schwer recyclebar, können heute viele Kunststoffbauteile bei sortenreiner Verwendung und Kennzeichnung wieder in den Produktionskreislauf aufgenommen werden. Das schont Ressourcen und die Kennzeichnung ist im Automobilbau gesetzlich vorgeschrieben.

So vielfältig wie die Einsatzmöglichkeiten und Orte in einem Auto, sind die Art der Herstellung, ob geschäumt, gespritzt oder im 3D-Druck.  

Am häufigsten wird Polypropylen (PP) im Automobilbau verwendet. Gut 50% ist sein Anteil. Ein Fünftel der Kunststoffe sind aus Polyurethan (PU). Gut 12 Prozent beträgt der Anteil von Acrylnitril-Butadien-Styrol-Copolymere (ABS), das sich durch Schlagfestigkeit auszeichnet.

Heute müsste man vielleicht etwas anderes reimen: „Ein Pfund Technologie, 600 Gramm Blech und 100 Gramm Kunststoff, gewürzt mit ganz viel Know-how – fertig ist das Auto!“

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