Im Gespräch: Kristina Tröger (VdU)

Als Auftakt für die Reihe „Hamburgs GANZE Frauen“ beantwortet uns Kristina Tröger, Unternehmerin und Landesvorsitzende Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU), einige Fragen zum Leben und Berufsalltag. Die selbständige Unternehmerin startete Ihr Berufsleben als Politologin und Betriebswirtin, machte Karriere als Managerin, u.a. in Unternehmen wie Kaufhof und Otto, und machte sich dann selbständig. 2010 wurde sie Vorsitzende des „Verbandes Deutscher Unternehmerinnen“, bei dem sie sich nach wie vor mit großem Engagement ehrenamtlich einbringt.

Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche auf Ihrem „Chefsessel“ ?

Da ich viel unterwegs auf Baustellen, bei Kunden oder in Behörden bin, ist die Anzahl der Stunden auf meinem „Chefsessel“ schwankend. Oftmals verbringe ich dort die Abendstunden oder je nach Arbeitsaufwand einige Stunden am Wochenende. Hinzu kommt, dass ich viel Zeit für mein Ehrenamt als VdU- Landesvorsitzende benötige. Viele von diesen Arbeiten erledige ich natürlich auch an meinem Schreibtisch.

„Arbeitstabu“ haben sie zu welchen Zeiten?

Auf jeden Fall die Nachtstunden. Hinzu kommt, dass ich die durch meinen Biorhythmus als Morgenmensch ohnehin nicht nutzen könnte.

Wollten Sie schon immer das werden, was Sie jetzt sind?

Meine Berufswünsche als Jugendliche waren: selbständige Unternehmerin und Politikerin.
Deshalb habe ich auch Politikwissenschaften in Frankreich und im Anschluss Betriebswirtschaftslehre studiert. Der erste Wunsch ist in Erfüllung gegangen und politisch tätig bin ich in meinem Ehrenamt.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an junge Frauen, wenn sie ins Berufsleben starten?

Genau wissen, was man will, und es auch an den richtigen Stellen artikulieren. Nicht zu bescheiden sein, wenn man eine höhere Position angeboten bekommt, der man aus eigener Sicht noch nicht gewachsen ist. Die Position erst einmal ohne große Nachfragen und Zweifel annehmen und dann weitersehen. Vor lauter Arbeit nie vergessen, sich gut zu vernetzen, um die Position zu sichern, Projekte weiterzubringen und um Karriere zu machen.

Das hat Kristina Tröger in ihrer Handtasche

Was finden wir in Ihrer Schreibtischschublade, Handtasche oder Businesstasche?

Nur in den erstgenannten, denn wenn ich abends zum privaten oder halb geschäftlichen Terminen gehe, möchte ich keine Businesstasche mitnehmen. Dann möchte ich „Ganz Frau“ sein – Hand aufs Herz – was ist eigentlich überflüssig, muss aber einfach immer dabei sein? Mehrere Stifte (ich notiere ohnehin alles in meinem iPhone), 2. Strumpfhose (habe ich noch nie benötigt), Kopfschmerztablette (ich nehme sowieso keine Tabletten), das 2. Tuch (ein Tuch reicht) und Schmuck zum Wechseln (das vergesse ich sowieso) für eine Abendveranstaltung.

Wenn Sie ein Bewerbungsgespräch führen, was ist für Sie ein generelles Ausschlusskriterium?

Ein Mensch, den keine oder zu wenig Empathie hat. Sie ist die wichtigste Grundlage für unser Handeln beruflich und privat.

Welche Berufe sind unterbezahlt?

Meine Aussagen sind natürlich subjektiv. Für mich gehören hierzu einige hochpositionierte akademische Berufe, Pflegeberufe in Altenheimen und Krankenhäusern, teilweise Dienstleistungsberufe wie Verkäufer, Friseure und Paketzusteller. Erfolg setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen.

Welchen Rat würden Sie geben, um dorthin zu kommen, wo man hin will?

Intelligenz, Fleiß, gute Ausbildung, wissen was man will, ein starker Wille und vor allem ein Ziel, es auch artikulieren zu können, Förderer/Mentoren suchen, genau hinhören, wer an deine Fähigkeiten glaubt, gutes Networking, bei Babypausen nicht den Anschluss verlieren, seine Empathie einsetzen und keine Beförderung absagen.

Für wie wichtig halten Sie “Networking“ unter Frauen? Und warum?

Nachweislich ist Networking genau das, was wir Frauen definitiv schlechter beherrschen als Männer. Frauen tendieren dazu, vor lauter Arbeit zu vergessen, sich gut zu vernetzen. Um die Position zu sichern, Projekte weiterzubringen und um Karriere zu machen ist gutes Networking „lebenswichtig“!

„Geld allein macht nicht glücklich“? Wie wichtig ist Wertschätzung für Sie im Berufsleben?

Da die meisten Menschen mehr Zeit am Arbeitsplatz als außerhalb verbringen, ist es besonders wichtig, dass sie sich wohlfühlen und Wertschätzung erfahren. Fühlt ein Mensch sich nur als Erschaffer seiner Produktivität und erhält keine Wertschätzung, wird er nicht nur unzufrieden. Sein Engagement und seine Leistung entwickeln sich negativ. Total unterbezahlte Mitarbeiter erfahren von vornherein keine Wertschätzung und das Arbeitsverhältnis gestaltet sich somit kritisch.

Spielt „social media“ in Ihrem Leben eine Rolle?

Unsere Arbeitswelt ist ohne „social media“ nicht mehr denkbar. Aus Gründen des Datenschutzes und letztlich auch des Arbeitsaufwandes bin ich nicht in allen Kanälen vertreten. Aber ich beschäftige mich aber immer wieder damit und werde künftig auch noch mehr diese Angebote nutzen.

Was muss in Hamburg anders/geändert sein/werden?

Das Flüchtlingsthema sollte für alle sichtbar und mit viel „Herz und Verstand“ angegangen werden. Es trägt zum gesellschaftlichen Frieden bei. Ein starker Fokus auf die Bildungspolitik und die weitere Verbesserung der Unterbringung von Kindern in Kitas und in Ganztagsschulen ist wichtig, um mehr Frauen erfolgreich am Arbeitsleben teilhaben zu lassen. Gesicherte Rahmenbedingungen sind vor allem wichtig für die Unternehmer, um planen und investieren zu können.

Was ist IHR Wunschprojekt für 2015?

Unser großes Neubauprojekt in Hamburg.

Elbe oder Alster?

Walddörfer!

Vielen Dank für Ihre Zeit! Weitere interessante Hamburgerinnen finden Sie in der Rubrik Hamburgs GANZE Frauen!

Ganz-Hamburg _  HGF

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