Im Gespräch: Sylva Kairies

Die Unternehmerin Sylva Kairies (35) gründete Anfang 2015 ihr Modelabel FILIPPA & FLORENTINE, benannt nach ihren Töchtern (2 Jahre 6 Monate), und bietet online nachhaltige, hochwertige und stylishe Schals aus Hamburg. „Mit viel Liebe für Menschen und Natur“ – so das Motto von FILIPPA & FLORENTINE. Konkret heißt das: faire Bezahlung, keine schädlichen Chemikalien, reduzierter Wassereinsatz beim Färben, möglichst kurze Transportwege, klimafreundlicher Versand, Vermeidung von Plastik und hochwertige Naturfasern für eine besonders lange Lebensdauer. Made in Deutschland und Italien! Zudem unterstützt die Unternehmerin soziale und nachhaltige Projekte wie zum Beispiel „The Water Project“, das sich weltweit für einen einfachen und sicheren Zugang zu Wasser einsetzt.

Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche auf Ihrem „Chefsessel“ ?

Ich organisiere mein Label Filippa & Florentine buchstäblich vom Küchenstuhl aus. Hier sitze ich immer, wenn ich nicht gerade auf Messen, in Geschäften oder auf dem Spielplatz bin. Wenn die Kinder schlafen, erledige ich die Sachen, die ich tagsüber nicht geschafft habe. Allerdings kommt das nicht jeden Tag vor. Ich kann mir meine Arbeitszeiten glücklicherweise gut einteilen, da ich von zu Hause aus arbeite.

„Arbeitstabu“ haben sie zu welchen Zeiten?

Arbeitstabu habe ich, wenn ich mit meinen beiden Töchtern Filippa und Florentine zusammen bin. Das ist wie in den meisten Familien mit Kindern am späten Nachmittag und an den Wochenenden. In ganz seltenen Ausnahmen gehe ich dann mit den Kindern gemeinsam zur Post, um noch ein Paket zu verschicken.

Wollten Sie schon immer das werden, was Sie jetzt sind?

Die Berufswelt ist so vielseitig, dass für mich das Wirtschafts- und Marketingstudium in Berlin und Schottland genau die richtige Basis für alles Weitere war. Mit der Gründung des Labels Filippa & Florentine konnte ich meine Faszination für Mode, kreatives Gestalten und selbstständiges Entscheiden vereinen. Die Möglichkeit, diesen Schritt zu realisieren, habe ich erst mit der Geburt meiner Kinder gesehen. Ich bin glücklich, diesen Schritt gemacht zu haben.

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an junge Frauen, wenn sie ins Berufsleben starten?

Für mich war immer wichtig, während der Ausbildung viel auszuprobieren. Dazu gehört offen und pro-aktiv mit neuen Situationen umzugehen und Herausforderungen nicht zu scheuen. Oft kann “FRAU“ mehr als sie eigentlich denkt. Dabei sollte man aber immer das eigene Ziel fest im Blick behalten.

Was finden wir in Ihrer Schreibtischschublade, Handtasche oder Businesstasche?
– Hand aufs Herz – was ist eigentlich überflüssig, muss aber einfach immer dabei sein?

Tasche Sylva kairies

iPhone, weißer Moleskin-Ideenblock, Portemonnaie, Taschentücher, Ersatzwindeln, Feuchttücher für schmutzige Kinderhände, Kaugummis, Handcreme und Lipgloss.

Eigentlich brauche ich alles, sodass eine Auswahl überflüssiger Dinge schwer fällt. Das iPhone muss immer dabei sein, um Eindrücke mit der Kamera festzuhalten und in Notfällen erreichbar zu sein. Das Ideenbuch ist ebenso ein wichtiger Begleiter geworden, um alle Ideen festzuhalten. Ohne Feuchttücher und Ersatzwindel geht nichts, da immer mal wieder bei den lieben Kleinen ein Malheur passiert. Wahrscheinlich würde ich wie jede andere Frau sagen, dass alles in meiner Tasche dringend notwendig ist.

Wenn Sie ein Bewerbungsgespräch führen, was ist für sie ein generelles Ausschlusskriterium?

Wichtig bei der Rekrutierung ist mir, dass der/die Kandidat/in neben der fachlichen Qualifikation ins Team passt und mit Leidenschaft hinter dem Unternehmen steht. Wenn einer der Punkte nicht erfüllt ist, dann passt es eher nicht.

Welche Berufe sind unterbezahlt?

Schwer zu sagen. Aus meinem unmittelbaren Umfeld bekomme ich immer wieder mit, dass der Job der Kindererzieher unterbezahlt ist. Gerade diese Berufsgruppe hat so eine verantwortungsvolle Aufgabe, denn sie sollen gemeinsam mit den Eltern die nächste Generation auf die Zukunft vorbereiten.

Erfolg setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Welchen Rat würden Sie geben, um dorthin zu kommen, wo man hin will?

So alt fühle ich mich selbst noch nicht, dass ich weise Ratschläge geben kann. Von meinem Elternhaus habe ich aber mitbekommen, dass man mit Ehrlichkeit, Fleiß, Hartnäckigkeit und einem gesunden Selbstvertrauen seine Ziele erreichen kann.

Für wie wichtig halten Sie “Networking“ unter Frauen? Und warum?

„Networking“ ist im Allgemeinen sehr wichtig und kann die eine oder andere Tür öffnen. Wie schon oft berichtet, sind Männer hier ein paar Schritte voraus. Dennoch sind Frauen im privaten Bereich häufig die besseren Netzwerker. Diese Fähigkeit sollten wir Frauen noch besser im beruflichen Bereich nutzen. Ich schließe mich hier mit ein.

„Geld allein macht nicht glücklich“? Wie wichtig ist Wertschätzung für Sie im Berufsleben?

Jeder braucht Wertschätzung für die tägliche Arbeit – sei es durch Kunden, Vorgesetzte oder die Familie. Am Anfang haben viele Freunde und Familienmitglieder Tücher bei mir gekauft. Das hat mich sehr glücklich gemacht. Aber als die ersten richtigen Kunden online bestellt haben, war das Strahlen aus meinem Gesicht nicht mehr wegzubekommen. Es freut mich, denn es steckt so viel Leidenschaft und Liebe in unseren nachhaltigen Produkten.

Spielt „social media“ in Ihrem Leben eine Rolle?

Social Media spielt für mich primär beruflich eine Rolle. Privat habe ich Accounts bei Facebook, LinkedIn und XING, aber diese werden nur gelegentlich von mir gepflegt.
Gerade für B2C-Unternehmen sind die sozialen Medien heute eine wichtige Möglichkeit, um zum Beispiel die Identität der Marke aufzubauen und mit Kunden und potentiellen Mitarbeitern in Kontakt zu kommen.

Was muss in Hamburg anders/geändert sein/werden?

Meine Familie und ich fühlen uns in Hamburg sehr wohl. Als Unternehmerin mit einem klaren Bezug zum textilen Einzelhandel wünschte ich mir eine größere, kreative Subkultur, wie etwa in Berlin-Mitte oder im Meatpacking District in New York. In Hamburg konzentriert sich sehr viel auf das Zentrum, wo die Ladenmieten insbesondere für Newcomer zu hoch sind.

Was ist IHR Wunschprojekt für 2015?

Mein berufliches Wunschprojekt für 2015 ist, ab der zweiten Jahreshälfte das Label in Hamburg bekannter zu machen und mehr Hamburgerinnen für unsere eleganten und lässigen Tücher zu begeistern. Als privates Wunschprojekt strebe ich an, mein Sportpensum zu steigern, um so den perfekten Ausgleich für den Alltag zu schaffen.

Elbe oder Alster?

Die Alster ist für mich einer der schönsten Orte der Stadt. Sei es für einen Familienspaziergang oder als Jogging-Strecke.

Sylva Kairies, April 2015

www.filippaflorentine.com

Vielen Dank für Ihre Zeit! Weitere interessante Hamburgerinnen finden Sie in der Rubrik Hamburgs GANZE Frauen!

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