Im Gespräch: Yukiko Elisabeth Kobayashi

Impact DOCK Hamburg

Das Impact DOCK Hamburg ist ein Inkubator für Business-Ideen: Ziel ist es, profitable Geschäftsideen zu entwickeln, die an den Megatrends der Gegenwart ansetzen und Hamburgs Unternehmen sowie die Stadt Hamburg zukunftsfähiger& erfolgreich machen. Herzstück ist dabei ein hochdiverses Netzwerk aus Hamburgerinnen und Hamburgern mit vollkommen unterschiedlichen Hintergründen – Vertreter/innen Hamburger Corporates, der Unis, der Stadt, Freiberufler, Start-Ups, Entrepreneure, etc. – lauter Menschen, die sich im Alltag nie begegnen würden und die hier im Rahmen von Events und Workshops aufeinandertreffen und gemeinsam Ideen entwickeln.

Auf unseren „Innovation Journeys“ entwickeln wir mit Unternehmen neue Geschäftsideen – neue Produkte oder auch neue Geschäftsprozesse. Dabei starten wir mit einer differenzierten Anamnese/Diagnose der Zukunftsfähigkeit/Innovationskraft eines Unternehmens und entwickeln dann – angelehnt an die konkreten Business-Herausforderungen des jeweiligen Unternehmens – mit hochdiversen Innovationsteams neue Business-Ideen (u.a. mittels Design Thinking, Business Model Development, Digital Innovation Jams). … und sorgen anschließend für eine nachhaltige Umsetzung im Unternehmen.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit liegt in diesem Jahr auf der Entwicklung von Geschäftsideen, die Hamburg als „Arrival City“, als Stadt mit einer wirklichen Willkommenskultur weiterentwickeln und positionieren. Dabei wird es uns insbesondere darum gehen, die Potentiale der Menschen, die aus aller Welt nach Hamburg kommen, sicht- und erfahrbar zu machen und – im besten Sinne – später auch nutzbar. Zuwanderung als – in vielerlei Hinsicht – Bereicherung unserer Stadt.

Als Auftaktveranstaltung haben wir Ende Februar beim „Kochen ohne Grenzen“ in hochdiversen Kochteams mit Zuwanderern aus u.a. Afghanistan, Syrien, dem Iran und Nigeria gekocht und gespeist – und sind dabei gut in Kontakt und in’s Gespräch gekommen. Ein Produkt, das wir in diesem Jahr hierzu anbieten, ist ein „Cross-Mentoring-Programm“: Zuwanderer begegnen Key-Playern aus Hamburger Unternehmen – in einem einjährigen Mentoring-Prozess, von dem Mentor und Mentee profitieren.

Im Gespräch mit Yukiko Elisabeth Kobayashi

Wie viel Zeit verbringen Sie pro Woche auf Ihrem „Chefsessel“ (Alternativ Bürostuhl)?

Das ist je nach Woche ganz unterschiedlich – im Schnitt vermutlich ca. 1/3 meiner Gesamt-Arbeitszeit. Hauptsächlich bin ich kreuz und quer in Hamburg unterwegs – pflege und erweitere das Netzwerk und nehme Akquise-Termine wahr: derzeit führe ich Verkaufsgespräche für unsere Innovation Journeys (bei denen wir Unternehmen in der Entwicklung neuer Business-Ideen unterstützen) und für unser Cross-Mentoring-Programm (in dessen Rahmen wir Key-Player aus Hamburger Unternehmen in Mentoring-Partnerschaften mit qualifizierten Zuwanderern bringen). Einen weiteren relevanten Teil meiner Zeit verbringe ich mit meinem Team.

„Arbeitstabu“ haben sie zu welchen Zeiten?

Am späten Nachmittag& abends – vom Abholen der Kinder von der Kita bis zum In’s-Bett-Bringen – später setze ich mich dann meistens nochmal an den Schreibtisch – und an den Wochenenden herrscht in der Regel „Arbeitstabu“ – wir lieben es, Freunde einzuladen und mein Mann und ich gehen oft und gern aus (Arthouse Movies, Konzerte, französische Bistros) Eines meiner liebsten „Arbeitstabus“ herrscht dienstagabends – da gehe ich zu meinem heißgeliebten Tanztraining (Contemporary, in der Tanzfabrik)

Wollten Sie schon immer das werden, was Sie jetzt sind?

Das Impact DOCK Hamburg zu gründen und zu führen ist wie eine Art logischer, stimmiger Synthese aus allem, was ich bisher in meinem Leben an Ausbildung, Berufs- und Lebenserfahrung genossen habe. Es hat sich mit der Zeit ergeben – und es bringt sicher etwas auf den Punkt, das mich im Kern umtreibt und motiviert: unternehmerisches Denken und Handeln mit (gesellschaftlich) sinnvollen Zielsetzungen zu verbinden! Mein Weg erinnert mich an einen Satz aus Steve Jobs’ „Stanford Speech“: trust in yourlife – the dots will beconnected!

Wie lautet Ihr wichtigster Rat an junge Frauen, wenn sie ins Berufsleben starten?

Zunächst einmal: einen Job zu finden, der wirklich zu einem passt – zu dem, was einem wichtig und sinnvoll erscheint, ein Job, für den man sich wirklich voll und ganz engagieren möchte. … und dann: mit Vollgas voraus!

Handtasche Yuki

Was finden wir in Ihrer Schreibtischschublade, Handtasche oder Businesstasche?

  • iPhone, iPad mini, Headset
  • Moleskine-Notizbuch, meine Lieblingsstifte (Kuli und Füller!)
  • Portemonnaie
  • Sonnenbrille

Hand aufs Herz – was ist eigentlich überflüssig, aber muss einfach immer dabei sein? 

  • Ein Mini-Fotoalbum in Olivenholz gebunden – mit wunderschönen Familienbildern, die ein Fotograf in Südfrankreich von uns 5en gemacht hat (pour la maman, pour le sac à main)
  • Liedtexte von ZAZ – von ihrem Album „rectoverso“ – die mir viel bedeuten
  • eine Mini-Tasche der Tanzfabrik Hamburg
  • immer irgendwelche Bastelarbeiten meiner Kinder – aktuell eine „Steinzeit-Kette“, die mir einer meiner Zwillingssöhne gebastelt hat – mit kleinen Versteinerungen und einem eigens für mich abgenagten Hühnchen-Knochen
  • ein Puzzle-Stück – stammt von einem Spiel im Rahmen unseres letzten Impact DOCK Hamburg – Events „Soul Food Jam Session“

Wenn Sie ein Bewerbungsgespräch führen, was ist für sie ein generelles Ausschlusskriterium?

Wenn ich das Gefühl habe, jemand ist wenig authentisch und über-angepasst (mehr Schein als Sein), verfügt über wenig Eigeninitiative und Drive und wenig „Rückgrat“.

Welche Berufe sind unterbezahlt?

Erzieher/innen (bräuchten allerdings auch eine höherwertige Ausbildung) und Altenpfleger/innen

Erfolg setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen. Welchen Rat würden Sie geben, um dorthin zu kommen, wo man hin will?

Klarheit bzgl. der persönlichen Motive und Ziele, hohe Leistungsbereitschaft, Leidenschaft, Durchhaltevermögen, Frustrationstoleranz, Gelassenheit, Fähigkeit zur Selbstreflexion, Bescheidenheit, Freude an dem, was man tut!

Für wie wichtig halten Sie “Networking“ unter Frauen? Und warum?

Ich selbst liebe es, mit möglichst vielen, möglichst unterschiedlichen Menschen in Kontakt und im Austausch zu sein – dabei spielt das Geschlecht für mich eine untergeordnete Rolle.

„Geld allein macht nicht glücklich“? Wie wichtig ist Wertschätzung für Sie im Berufsleben?

Wertschätzung im Berufsleben drückt sich für mich nur zu einem kleinen Teil monetär aus. Ich bin glücklich, wenn ich gemeinsam mit Menschen, die mir viel bedeuten und die mich inspirieren, etwas Sinnvolles bewirken kann – dafür auch angemessen bezahlt zu werden bedeutet für mich Autarkie/Freiheit, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können.

Spielt „socialmedia“ in Ihrem Leben eine Rolle?

Ja, eine relevante Rolle – in Zukunft vermutlich noch mehr, da meine älteste Tochter seit Neuestem ein iPhone hat und ich „digital dranbleiben“ möchte.

Was muss in Hamburg anders/geändert sein/werden?

Ich wünsche mir für Hamburg (noch) mehr Weltoffenheit – eine Stadt, die eine Willkommenskultur im besten Sinne entwickelt – und die Potentiale der Menschen, die aus aller Welt zu uns kommen, als Bereicherung erkennt und nutzt. Sowohl in den Senior Management Teams der Unternehmen als auch der Stadt: weit mehr Diversität – das würde das Innovationspotential sowohl bei den Unternehmen als auch bei der Stadt relevant stärken (wobei ich nicht nur Gender, sondern auch unterschiedliche Generationen, funktionale Hintergründe, verschiedene Kulturen, soziale Hintergründe, etc. meine)
… und ich wünsche mir eine Stadtentwicklung in Richtung einer „smart city“, die an den Bedürfnissen der Menschen in der Stadt ansetzt und Digitalisierung nicht um ihrer selbst willen vorantreibt.

Was ist IHR Wunschprojekt für 2015?

Ein, zwei Innovation Journeys durchzuführen, die Unternehmen zu disruptiven, neuen und nachhaltig erfolgreichen Business-Ideen führen und unser Cross-Mentoring-Programm mit großartigen Zuwanderer-Mentees und engagierten Key-Playern Hamburger Unternehmen erfolgreich an den Start zu bringen

Elbe oder Alster?

Eher die Elbe als die Alster –ein ganz anderes Gefühl von Weite! Und ich liebe es, beim Laufen die Schiffe an mir vorbeiziehen zu sehen!

Yukiko Elisabeth Kobayashi

im Mai 2015

Vielen Dank für Ihre Zeit! Weitere interessante Hamburgerinnen finden Sie in der Rubrik Hamburgs GANZE Frauen!

Spannende Links: impactdock.de