Von Autoscheibenwischern bis zu Heimsicherheitskameras Weltfrauentag: Hinter vielen bahnbrechenden Erfindungen stehen Frauen

Canary Spy CamDie Canary Pro ist eine Internetkamera mit Mikrofon, Lautsprecher und Sirene. Foto: Smartfrog & Canary

Am 8. März ist internationaler Frauentag. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Break the Bias“, was übersetzt etwa bedeutet: „Stoppt die Voreingenommenheit“. Es geht darum, Stereotypen und Schubladendenkengegenüber Frauen und Mädchen zu durchbrechen.

Zum Beispiel dem Vorurteil,dass Frauen Schwierigkeiten mit Technik hätten. Hamburg ist Erfindermetropole: So stammen unter anderem Schnulli, Labello-Stift, Tesafilm, Schwimmflügel und Heftpflaster aus der Hansestadt.

Was kaum bekannt ist: Hinter vielen Erfindungen, die längst zum Alltag gehören oder ihn erleichtern, stecken Frauen. Von Autoscheibenwischern, über Kommunikationstechnik bis hin zu Heimsicherheitskameras, ohne das Genie und die Geistesblitze von Erfinderinnen würde das Leben heute anders aussehen.

Autos ohne Scheibenwischanlage?

Kaum vorstellbar. Die Erfindung basiert auf der Entwicklung von Mary Anderson (1866-1953), die damit ursprünglich den Fahrern von Straßenbahnen bei Schnee und Regen zu besserer Sicht verhelfen wollte. Im Jahr 1903 meldete die US-Amerikanerin ihr Patent an. Inzwischen hat ihre Erfindung einen weltweiten Siegeszug hingelegt. Scheibenwischanlagen tragen auch noch nach mehr als 100 Jahren maßgeblich zur Verkehrssicherheit bei.

Kamera für mehr Sicherheit

Ebenfalls dem Thema Sicherheit – genauer der Sicherheit von Privathaushalten – hat sich Marie van Brittan Brown (1922-1999) verschrieben: Zusammen mit ihrem Mann erfand sie 1966 eine Sicherheitslösung – inklusive Kamera, Fernsehmonitor, Mikrofon und Lautsprecher.

Dazu hatte Brown eine Kamera an ein Loch der Innenseite ihrer Haustür befestigt, die kabellos mit einem Fernsehmonitor verbunden war. Mit zusätzlichen Mikrofonen und Lautsprechern konnte Brown mit Besuchern vor der Tür sprechen. Im Notfall konnte über einen Alarmknopf die Polizei über Funk informiert werden. Browns Erfindung gilt als Vorläufer moderner Sicherheitskameras für die Heimüberwachung.

Arlo, Bosch, Nest, Ring und Smartfrog & Canary: Heute bieten zahlreiche Unternehmen Internetkameras für Zuhause an und kommen mit ihren Entwicklungen dem gestiegenen Sicherheitsbedürfnis nach.


„Allein die Sichtbarkeit von Sicherheitskameras kann auf Kriminelle abschreckend wirken“, sagt Alexander Hauk, Sprecher von Smartfrog & Canary

Das Technologieunternehmen hat mit der Canary Pro eine Sicherheitskamera mit HD-Kamera, Mikrofon und 90 Dezibel lauten Sirene entwickelt. Sicherheitskameras werden aber längst nicht nur Zuhause, sondern auch auf öffentlichen Plätzen eingesetzt. Dort dienen sie der Gewaltprävention und können Frauen ein gutes Gefühl geben.

Melitta Kaffeefilter im Kaffee
Der Kaffee-Urfilter von Melitta (c) Melitta / Schöttger Fotography

Eis und Kaffee

An heißen Sommertagen sorgt leckeres Speiseeis für Erfrischung. Nancy Johnson (1794-1890) hat sich große Verdienste um die Produktion erworben. Sie erfand 1843 die erste mechanische Eismaschine. Diese bestand aus einer Art Butterfass, dessen Inhalt von außen durch eine Schicht aus Eis und Salz heruntergekühlt wurde. Mit einer Handkurbel verrührte Johnson die Eismasse bis sie cremig genug war, um dann anschließend auf der Zunge zu zergehen.

Selbst der Kaffee schmeckt dank einer Frau besser: Um den Kaffeesatz aus den Tassen zu verbannen, erfand die Dresdnerin Melitta Bentz (1873-1959) im Jahre 1908 den ersten Kaffeefilter. Dazu durchlöcherte sie den Boden eines Messingtopfes mit einem Nagel zu einem siebartigen Gefäß und legte ein Löschblatt aus dem Schulheft ihres Sohnes rein. Fertig war der erste Kaffeefilter aus Papier.

Angespornt von ihrem begeisterten Bekanntenkreis, meldete sie 1908 das Patent beim Kaiserlichen Patentamt an und gründete eine Firma auf ihren Namen.

Lamarr und das Frequenzsprungverfahren

Eine weitere Technikpionierin, die ihrer Zeit weit voraus war, war Hedy Lamarr (1914-2000). Sie erfand eine Fernfunksteuerung für Torpedos. Das dafür verwendete sogenannte Frequensprungverfahren ist Grundlage für zahlreiche Mobilfunk-Technologien wie WiFi und GPS und kommt noch heute bei Bluetooth-Verbindungen zum Einsatz.

Diese kleine Auswahl an Beispielen zeigt: Wenn es um geniale Ideen und Erfindergeist geht, stehen Frauen Männern in nichts nach. Allerdings müssen Frauen noch immer weltweit um Anerkennung und Gleichberechtigung kämpfen.

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