For Forest oder da steht ein Wald nicht auf dem Flur sondern im Stadion von Klagenfurt

Wald in einem Sportstadion Zeichnung von Max PeintnerThe Unending Attraction of Nature - Max Peintern Bleistiftzeichung hand koloriert von Klaus Littmann

Ein spektakuläres Kunstprojekt in Klagenfurt dramatisiert den Wald und verändert Sehgewohnheiten.

Nun, kaum ein Volk hat so ein enges und mythisches Verhältnis zum Wald, der ja nicht ohne Grund auch der Deutsche Wald genannt wird. Deutsche Märchen, Sagen, Erzählungen und Romane kreisen immer wieder um den Wald oder haben in als Handlungsort.

Doch was die Mythen verdecken. Der Deutsche Wald ist keine unberührte Urlandschaft, sondern ganz das Gegenteil. Bis auf relativ wenige Ausnahemen sind unsere Wälder eine Kulturlandschaft und in etwa so ursprünglich wie Weizenfeld eine Ökolandwirtes.

Die Steinkohle hat den Wald gerettet

Nach den Kahlschlägen im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Setzte eine Aufforstungsbewegung ein. Der Deutsche Wald ist das Produkt einer gezielten Forstwirtschaft, die Deutschland konsequent mit Wirtschaftswäldern zur Nutzholzgewinnung aufgeforstet hat.

Ein Waldretter ist auch der Stein- und Braunkohleabbau geworden, denn so wurde nur noch relativ wenig Holz zu Heiz- und Kochzwecken geschlagen. Nur wenige deutsche Waldgebiete sind ursprünglich oder haben gar einen ‚Urwald-Status‘.

Die Grünen hätten in ihren Anfangsjahren ohne dass Narrativ des Waldsterbens, bei weitem nicht die Resonanz gehabt. Ob der Mythos des Deutschen Waldes auch zukünftig noch diese Bedeutung haben wird, ist offen. Denn bedingt durch die Migration und der gerade durch die Zuwanderung vieler junger Männer aus ganz anderen Kulturkreisen, werden andere Narrative zukünftig Bedeutung gewinnen.

Aber, die Untergangsszenarien, die um das Waldsterben in den 1970er ein allgegenwärtiges Medienthema waren, haben sich nicht erfüllt. Fast das gesamte europäische Ausland hat damals mit Staunen und Kopfschütteln auf diese sehr deutsche Thematik geschaut. Sage keiner, dass sich Trends nicht wiederholen. Die aktuelle Diskussion um den Klimawandel und #FridaysforFuture erinnert an die intensiven Debatten vor 40 Jahren.

Klaus Littmann Künstler
Der Schweizer Künstler Klaus Littmann in Hamburg bei der Vorstellung des For Forest Projektes © ganz-hamburg.de

So gesehen ist die Kunstintervention FOR FOREST des Schweizer Künstlers Klaus Littman im Klagenfurter Fußballstadion ungewollt sehr aktuell.

Ungewollt deshalb, weil das Projekt eine sehr lange Vorlaufzeit hat und beim Beginn nicht absehbar war, dass im Jahr 2019 wieder der Wald im Mittelpunkt einer gesellschaftlichen Debatte stehen würde.

Modell der Kunstaktion For Forest
For Forest, Kunstprojekt, Klaus Littmann, Modell Wörtherseestadion
Foto by Johannes Puch www.johannespuch.at

FOR FOREST inspiriert von „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“,

Die dystopischen Bleistiftzeichnung „Die ungebrochene Anziehungskraft der Natur“, des visionären, österreichischen Künstlers und Architekten Max Peintner (*1937), die Littmann vor knapp dreißig Jahren eher zufällig entdeckte, war der Ausgangspunkt der FOR FOREST Installation.

Ein Wald in einem Sportstadion, der von Besuchern einfach angeschaut – nur konsumiert – wird. Eine Vision, in der Natur ursprünglich nicht mehr erlebt werden kann, sondern wie Sport- oder Show-Event von Zuschauern passiv konsumiert wird. Natur, die einen Warencharakter hat und den Gesetzes der Vermarktbarkeit und des Marktes unterliegt.

Ein Wald mit Bäumen auf dem Spielfeld des Fußballstadions. Eine Installation, die so ungewöhnlich, wie einfach (gärtnerisch natürlich nicht!), so selbstverständlich, wie monumental ist.

Mit Vision eines Waldes in einem Stadion schafft Littmann Verfremdung und fordert damit unsere Natur-Wahrnehmung heraus. Er wirft einen scharfen Blick auf die Zukunft der Mensch-Natur Beziehung. Das Projekt versteht sich auch als Mahnmal dafür, dass die Selbstverständlichkeit der Natur eines Tages nur noch in ihr speziell zugewiesenen Gefäßen zu bestaunen sein könnte, wie das bereits heute etwa mit Tieren im Zoo der Fall ist.

Die Installation

Das Spielfeld des Klagenfurter Stadions wird dabei gänzlich von einem authentischen einheimischen europäischen Mischwald in Besitz genommen. Mit rund 300 Bäumen, von denen einige bis zu sechs Tonnen wiegen, gestaltet Enzo Enea, der als Gärtner und Landschaftsarchitekt das Projekt umsetzt, den Wald. Dabei ist der Wald nur da, er kann nicht betreten, sondern von den Sitzplätzen nur betrachtet werden.

Ohne große Show und Klimbim aller Art wird sich der Wald präsentierten. Nach dem 27. Oktober braucht König Fußball wieder das Stadion und der Wald wird in die freie Natur gepflanzt werden.

Mehr Infos zu forforest.net und Klagenfurt.

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