Galerie Roschlaub: Sehenswerter Weltuntergang und malerische Apokalypse am Mittelweg

Maria EmpfängnisMaria in „Conception“ analog zum Gemälde von Lorenzo Costa die Botschaft ihrer Empfängnis übers iPad Foto: Josef Fischnaller

Sehenswert:


Bekanntlich sollte man, wenn ein Weltuntergang droht, nach Mecklenburg ziehen, denn dort passiert alles so rund 50 Jahre später. Allerdings, wenn man jetzt seine Schritte zum Mittelweg 21 in die Galerie Roschlaub lenkt, dann erwartet den Betrachter sehenswerte Weltuntergangs-Fotografie von Josef Fischnaller.

Als im März 2020 der österreichische Fotograf Josef Fischnaller seine neueste Ausstellung kuratierte, hatte er keine Ahnung, dass der von ihm gewählte Titel „Apokalypse“ fast etwas Hellseherisches hatte. Es war die Zeit, als die Welt und damit auch unser normales Leben anfing still zu stehen, sich die Pandemie ausbreitete und in vorher schwer denkbarer Weise unser Leben veränderte. Eigentlich nur die Inhaber von Lieferdiensten, Streaming Diensten und Home Wear konnten sich darüber freuen.

Fischnallers Werke waren dem Publikum nur online zugänglich. Knapp zwei Jahre später werden sie Arbeiten endlich haptisch erlebbar, wenn die Hamburger Galerie Roschlaub an ihren Wänden Fischnallers malerische Motive in Hamburg präsentiert.

„Auch wenn wir gerade an einem ähnlichen Punkt sind und eine Vernissage aufgrund Virusmutationen, hoher Inzidenzen und Co nicht möglich ist, war es mir wichtig, neue Bilder zu hängen. Corona hat uns allen schon genug abverlangt und darf uns jetzt nicht auch noch den Kunstgenuss nehmen.“

Galeristin Kirsten Roschlaub

Josef Fischnaller Fotografie

Das reizvolle an Josef Fischnallers Arbeiten ist der Kontrast seiner Bilderwelten zu unserem norddeutschen Bilderkanon, der durch hohe Horizonte, weiträumige Blicke und einen gewissen evangelischen Purismus, der zu einem logischen Bildaufbau führt, geprägt ist. Fast exotisch mutet Fischnallers Bilderwelt an: Sinnlich erotischen Welten, voller Lust, Begehren, morbidem Tod und Gefahr. Sicher bewegt er sich in der Barocken Bilderwelt, die er mit einem ironisch humorvollen Spin, der zeigt, dass wir am Beginn der Digitalepoche stehen, bricht. Dabei sind seine Bilder nicht flüchtig oder oberflächig im Stil der Instagram-Selfiewelt. Seine Fotografien sind nicht nur genau choreografiert, sie leben auch stets von der sorgfältigen Ausstattung und Inszenierung, die alles – nur nicht spontan beiläufig – ist.

Josef Fischnaller ist in Hamburg kein Unbekannter. Er kann bereits auf eine erfolgreiche Ausstellung in 2016 zurückblicken. Wie damals knüpfen auch seine neuen Motive daran an, Meisterwerke der Kunstgeschichte eigenständig zu interpretieren. So erfährt Maria in „Conception“ analog zum Gemälde von Lorenzo Costa die Botschaft ihrer Empfängnis übers iPad und die „Lady with a squirrel“ hält wie in Hans Holbeins Werk, das als Vorlage diente, zwar ein Eichhörnchen im Arm, jedoch eins, das aus Luftballons geknotet ist.

„Rubens, Vermeer, Caravaggio – sie alle haben in der Renaissance die Malerei neu erfunden. Ich versuche nun, in der Fotografie etwas Neues zu finden. Für mich bedeutet Apokalypse nichts Negatives, sondern die Chance auf Neues.“

Josef Fischnaller


Beginn der Ausstellung: 17. Dezember 2021
WWW.GALERIE-ROSCHLAUB.COM, Mittelweg 21, 20148 Hamburg
Vorübergehend nur nach Vereinbarung geöffnet:
Tel. +49-40-41 46 69 55, E-Mail: info@galerie-roschlaub.com

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