Kreativ und produktiv im aufgezwungenen Stillstand

Gruppenbild mit 2. Bürgermeisterin Katharina FegebankZu der Baustellenbesichtigung im August 2020 kam auch Hamburgs Zweite Bürgermeisterin, Katharina Fegebank (GRÜNE). Vorne rechts neben ihr: Elmar Lampson. (c) Cyrh Rhida

Die Hamburger Hochschule für Musik und Theater Hamburg wusste die Zeit zu nutzen und ist einen kräftigen Schritt voran gekommen.

Die Pandemie zwang auch Anfang 2021 noch nahezu die gesamten gesellschaftlichen Aktivitäten zum Stillstand. Dies betrifft natürlich auch (noch) den Lehrbetrieb an den Musikhochschulen in Deutschland. Mit Kreativität – und viel Disziplin – ließ sich jedoch dennoch einiges aufrecht erhalten. Die Hochschule für Musik und Theater (HfMT) Hamburg hat in den vergangenen 14 Monaten bewiesen, dass selbst im Lockdown nicht alles aufhören muss und die Studierenden dennoch effektiv in ihrer Ausbildung vorankommen können. Zusätzlich überwacht die HfMT derzeit zwei Baustellen gleichzeitig, deren Fertigstellung für den Sommer diesen Jahres erwartet werden. In diesen zwei Gebäuden wird einerseits für eine räumliche Konzentration der diversen Bereiche gesorgt und zum anderen die Universität um eine attraktive Auftrittsmöglichkeit für Musiker ergänzt. Während sich die Jazz-Hall – ein Neubau – sich auf dem Gelände des Stammhauses der Hochschule im noblen Stadtteil Harvestehude befindet, ist die Ausgliederung der Theaterakademie und des Instituts für Kultur- und Medienmanagement in Hamburg-Barmbek angesiedelt.

Die HfMT befindet sich im Hamburger Stadtteil Harvestehude, direkt an der Alster. (c) Cyrh Rhida

Harter Einschnitt für Studierende

„Für unsere Studierenden war die Situation ein wirklich harter Einschnitt“, sagt Professor Elmar Lampson, Präsident der HfMT. „Diejenigen, die in den künstlerischen Ausbildungen sind, konnten die ganze Zeit über keine Konzerte mehr geben. Dies betraf auch ihre Examenskonzerte, auf die sie während ihres ganzen Studiums hingearbeitet haben. Da werden sie normalerweise vom Publikum und von ihren Freunden gefeiert und das fiel nun alles weg. Lampson zeigt sich aber beeindruckt davon, wie viel Aktivität die Studierenden unter diesen schwierigen Bedingungen entfaltet haben. Dabei bezieht er die Lehrenden mit ein: „Sie zeigen alle eine immense Betriebsamkeit. Sie sind ständig online miteinander in Kontakt und es entstehen viele Streaming-Projekte. Sei es auf Facebook oder auf anderen Social Media-Kanälen, alle machen etwas“. Zudem sieht der Präsident die Fähigkeit, mit der Einsamkeit umzugehen, als etwas, das gerade zukünftige Musiker sehr gut gebrauchen könnten.

Sponsoren halfen die Zeit zu überwinden

Selbst der Einzelunterricht musste an der HfMT nicht entfallen. Ein differenziert ausgearbeitetes Hygiene-Konzept, vom Tragen von Gesichtsmasken bis hin zu entsprechenden, strikt eingehaltenen Distanzregeln, ermöglichte es, dass es zu keinen Quarantäne-Maßnahmen kam. Innerhalb der Hochschule ist es auch zu keiner Weitergabe des Coronavirus gekommen – worüber sich der Präsident besonders freut. „Wir müssten bei nicht mehr nachvollziehbaren Infektionsgeschehen von heute auf morgen alles dicht machen und das will keiner“. Eine bestimmte Gruppe an Studierenden hatte es in dieser Zeit allerdings ganz besonders schwer: die, die aus anderen Ländern zum Musikstudium nach Hamburg gekommen sind. Weltweite Ein- und Ausreise-Stopps verhinderten Familienbesuche in den Ferien, für viele nicht einfach auszuhalten. Nicht zuletzt, weil dies auch teilweise eine finanzielle Frage darstellt, doch auch in dieser Hinsicht war die HfMT gut aufgestellt. Dank der Hilfsbereitschaft von Freunden, Förderern und Stiftungen der Hochschule konnten Notsituationen aufgefangen werden. So überließ beispielsweise das Hamburger Pianohaus Trübger zehn E-Pianos zu minimalen Leihgebühren, damit auch alle Studierenden ihre Übungsstunden einhalten konnten.

Langfristige Auswirkungen der Pandemie auf Berufsaussichten

Eine Unsicherheit blieb jedoch trotz aller Vorsichtsmaßnahmen bestehen. „Was wir auch noch nicht wissen, ist, wie sich das auf die Berufsaussichten der Studierenden auswirken wird. Probespiele wurden abgesagt, Vorsingen in Theatern entfielen und so weiter. Wir tun als Hochschule so viel wir können, um den Studierenden in dieser Situation zu helfen, aber da tappen auch selbst wir bei einem zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht absehbarem vollständigen Pandemieende teilweise im Dunkeln“, so Lampson.

Trotz all des Klagens über das fast verlorene Jahr werden aber einige Aspekte vom Hochschulpräsidenten durchaus als Gewinn betrachtet. „Der mittlerweile virtuose Umgang mit den technischen Kommunikationsmöglichkeiten, so wie wir jetzt unser Interview via Zoom durchführen, ist sicher ein Plus dieser Zeit. Einiges davon wird auch sicher dauerhaft bleiben“. Ebenso sei der psychologische Effekt nicht zu unterschätzen. Das Zutrauen in sich selbst, auch zukünftig schwierige Situationen meistern zu können, da man sich selbst ja bewiesen hätte, dass man dies in einer Pandemie geschafft hat, sei wertvoll, ist sich Lampson sicher.

Hochschule für Musik und Theater in Barmbek Straßenansicht
Die neuen (zusätzlichen) Räumlichkeiten der Hochschule für Musik und Theater am Wiesendamm in Hamburg Barmbek. (c) Cyrh Rhida

Erweiterung der Räumlichkeiten dank Umbau einer Fabrik in Barmbek

Parallel zur Bewältigung einer von einer Pandemie bestimmten Zeit erwartet die HfMT die Fertigstellung von zwei Baustellen, die ihre Arbeit räumlich erleichtern soll. Im Sommer diesen Jahres soll die gesamte Theaterakademie an einen neuen Standort im Hamburger Stadtteil Barmbek umziehen, bisher befindet sie sich in einer provisorischen Räumlichkeit im Gewerbegebiet City-Nord. Alle auf das Theater bezogenen Studiengänge – also auch der gesamte Opernbereich und die Musiktheater-Regie – werden dann, nach einer jahrelangen Odyssee von Standort zu Standort, dort untergebracht sein.

Barmbeker Bauplan der Hochschule für Musik und Theater
Der Bauplan der neuen Außenstelle der HfMT in Hamburg-Barmbek. Foto: Cyrh Rhida

Ebenso wird das Institut für Kultur und Medienmanagement (derzeit in Hamburg-Altona) dort sein neues Zuhause finden. „Wir werden in Barmbek tolle Studios und Aufführungsräume besitzen. Das sind technisch sehr gut ausgestattete Räume und ist für uns ein Riesenschritt nach vorn“, freut sich Lampson. Es handelt sich dabei um Hallen einer ehemaligen Werkzeugmaschinenfabrik, die für die Nutzung durch die HfMT und das Junge SchauspielHaus umgebaut werden. Insgesamt entstehen auf rund 9.000 Quadratmetern Räume für Aufführungen, Proben, Lehre und Forschung. Die Projektkosten liegen bei rund 36,4 Millionen Euro. Nach derzeitigem Planungsstand sollen die Räume im Sommer 2021 bezogen werden können.

Die im Bau befindliche Jazzhall
So soll es mal innen in der Jazz-Hall aussehen.(c) MPP MEDING PLAN-PROJEKT

Neubau einer Jazz-Hall – direkt angegliedert an den Stammplatz in Harvestehude

Das zweite spektakuläre neue Bauprojekt der HfMT ist die Jazz-Hall, die direkt am Universitätsgelände in Harvestehude neu erstellt wird. Sie wird eine Kapazität von bis zu 400 Plätzen bieten, darüber hinaus auch die Aufnahme von weiteren Studenten im Jazz-Bereich ermöglichen. Worauf man beim Bau viel Wert gelegt hat: die 550 Quadratmeter große Jazz-Hall befindet sich unter der Gartenanlage und wird lediglich um die zusätzlich benötigte Raumhöhe aus der Rasenfläche hervorragen damit die Sichtbarkeit des denkmalgeschützten Budge-Palais nicht behindert wird.

BAustelle
Ein Blick auf die Baustelle der neuen Jazz-Hall der HfMT, Stand Mitte Februar. (c) Cyrh Rhida

„Es ist ein wunderbarer kammermusikalischer Saal für Jazz-Musik“, schwärmt der Präsident, „unser Dank geht an den Mäzen Dr. Ernst A. Langner, der einen Großteil der Kosten übernahm und damit die Finanzierung sicherstellte“. Auf knapp 5,7  Millionen Euro wird der Neubau insgesamt veranschlagt. An beiden Gebäuden wird übrigens die gesamte Hamburger Bevölkerung ihre Freude haben, im Gebäudekomplex in Barmbek wird ebenso das Junge Schauspielhaus einziehen und wie die HfMT öffentliche Aufführungen zeigen.  

Elmar Lampso mit Bauhelm
Der Präsident der Hochschule für Musik und Theater Hamburg Elmar Lampson auf der Baustellenbesichtigung der neuen Räumlichkeiten im Stadtteil Hamburg-Barmbek. (c) Cyrh Rhida

Sie sehen: trotz Corona hat die HfMT hervorragende Perspektiven zu bieten“, fasst Professor Lampson die derzeitige Lage seiner Hochschule Anfang 2021 zusammen.

Vom ganz-hamburg.de Gastautor Cyrh Rhida

Print Friendly, PDF & Email