Das Handy entlarvt als „Der Spion in meiner Tasche“

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Im Frühjahr 2020 erschien das Buch ‚Der Spion in meiner Tasche‘ von Helmut Spudlich, doch es ist nach wie vor aktuell. Der Autor ist gelernter Journalist, Ex-Chef des IT-Ressorts der Zeitung ‚Der Standard‘ und einstiger Unternehmenssprecher von Magenta Telekom. Sein verständlich und humorvoll geschriebenes, brillant recherchiertes Werk öffnet dem Leser die Augen. Es deckt nicht nur auf, sondern gibt auch wertvollen Tipps, wie man sich vor der Schnüffelei der Konzerne schützen kann. Datenschützer machen sich Sorgen, weil die Corona App eventuell zu viele Daten von den Bürgern preisgeben könnte und haben sie so eingeschränkt, dass sie kaum nützt. Doch wissen wir Bürger eigentlich, wie durchsichtig wir durch das Nutzen von Google, Facebook, Alexa, Tik Tok & Co. bis ins Digitalste unserer persönlichen Daten sind?

Der Spion in meiner Tasche
Helmut Spudich: Der Spion in meiner Tasche (c) Edition a

Mehr als 60 Millionen Spione leuchten uns aus

In „Der Spion in meiner Tasche: Was das Handy mit uns macht und wie wir es trotzdem benutzen können“ entlarvt Spudlich unseren intimen Begleiter als Stalker, der weiß, wofür und für wen wir Geld ausgeben, mit wem und worüber wir chatten oder telefonieren und welche Ärzte und Therapeuten wir regelmäßig besuchen!

Den Anfang machte das Handy mit „Global Positioning System“ (GPS), dem in den 1960er Jahre entstandenen Ortungsdienst des amerikanischen Militärs. Europas Antwort ist das Navigationssystem Galileo, das in 2021 alle seine 34 Satelliten im Orbit positioniert hat. Damit wird die Ortung auch für Zivilisten zielgenau möglich und die Abhängigkeit vom GPS ist passé.

Das Buch gibt erstaunliche Informationen, die der Autor auf unterhaltsame Weise in Kapitel zusammenfasst mit Überschriften wie: Geliebter Spion, Der Feind auf Deinem Touchscreen, Der Spitzel, Der Stalker u.v.m. Unter der Überschrift ‚Der Spitzel‘ werden die Machenschaften von Google dargelegt. Das kalifornische Unternehmen speichert alle geografischen Daten der Nutzer in „Sensorvault“ – das sind Rechnerfarmen. Aus den gesammelten Infos macht Google in erster Linie Anzeigengelder: 2020 wurden fast 225 Mrd. Euro für Werbung auf Smartphones ausgegeben. Dass die größte Vorratsdatenspeicherung der Welt durch das ‚Geofencing‘ auch für Ermittler enorm wichtig geworden ist, beschreibt Spudlich im Kapitel ‚Der Kommissar‘. Nach Fingerabdrücken und DNA sind Lokalisierungsdaten die neue Wunderwaffe im Arsenal der Kriminologen.

Pokeman Go mobil spielen
Pokemon Go Bild von Thanks for your Like • donations welcome auf Pixabay

Die totale Manipulation löste 2016 die ‚Pokémon Go‘ App aus. Erfinder John Hanke, der auch Google Earth und Streetview gegründet hat, beeinflusst damit das Verhalten der Nutzer, statt nur Verhalten zu protokollieren. Während Streetview Fotos liefert, GPS die Erde vermisst, bestimmen Pokémons die Richtung!

Anfang 2020 startete das Projekt „Human Screenome“ von der Stanford University. Unsere Smartphones spiegeln unser gesamtes digitales Leben wider, geben Kenntnis über unser Verhalten, unsere Kontakte und manchmal auch Krankheiten. Beim Forschungsprojekt werden alle fünf Sekunden Screenshots der Displays gemacht, um aus den tausenden Aufnahmen die digitale DNA des Nutzers zu gewinnen. Die vollständige Überwachung!

Aber Helmut Spudlich lässt den geschockten Leser nicht allein und gibt unter ‚Digitaler Hygiene‘ wertvolle Empfehlungen, um auch künftig nicht aufs Handy verzichten zu müssen.

‚Der Spion in meiner Tasche‘, 256 Seiten, Preis: 20 Euro, Editions A Verlag, ISBN 978-3-99001-384-7.  

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