Drei Hamburger Leben. Diamanten, Dynamit und Diplomatie – die Lipperts

Ein hanseatischer KaufmannLudwig Julius Lippert (1838-1918) Bild im Privatbesitz Foto: Charlotte Bunsen

Spannend – Hamburger Kaufleute in imperialen und kolonialen Zeiten

Von heute aus gesehen mutet die Geschäftswelt im 18. und 19. Jahrhundert idyllisch an. Es gab keine hektischen Büros, klingelnde Telefone, Computer, Fotokopierer, Drucker, ja nicht einmal die Schreibmaschine war erfunden. Schiffe waren monate- wenn  nicht jahrelang auf See und verschwanden spurlos. Handel und Geschäfte waren von einem hohen Wagemut und viel Risikobereitschaft geprägt. Belastbare Sicherungssysteme gab es kaum und ein hanseatischer Kaufmann bürgte mit seinem gesamten Vermögen. Hohe Profite standen dem persönlichen Bankrott und der damit verbundenen gesellschaftlichen Ächtung gegenüber. 

In dem gerade erschienenen 20. Band der Buchreihe „Mäzene für Wissenschaft“ steht nicht nur ein kleines Jubiläum an. In dem neuen Band wird ein Blick auf die drei Brüder Ludwig, Wilhelm und Eduard Lippert geworfen. Sie trieben als Hamburger Kaufleute seit Ende der 1850er Jahre erfolgreich Handel mit Südafrika. Henning Albrecht  beschreibt erstmals drei Hamburger Leben: als Kunstsammler, Stifter, Bauherren, Gutsbesitzer, reich an Kämpfen, Schicksalsschlägen, Niederlagen und Siegen. 

Die Familie Lippert

Ludwig Lippert wurde 1835 als Mitglied einer Hamburger Familie, die zum christlichen Glauben konvertiert war, geboren. Bereits 1857, nach dem Tod seines Vaters, trat er in die elterliche Firma David Lippert & Co ein und wurde Kaufmann. Ursprünglich im Wollhandel mit dem südlichen Afrika tätig, stieg er Anfang der 1870er Jah­re in das Geschäft mit den dort entdeckten Diamanten ein und kam rasch zu beträcht­lichem Vermögen. Zu Beginn der 1880er Jahre geriet sein Geschäft jedoch in Turbu­len­zen, die zu Verlusten in Millio­nenhöhe führten. Doch durch eine Neuausrichtung und Ver­lagerung der Aktivitäten und durch enorme Energie und Disziplin gelang es ihm, erneut zu Wohlstand zu gelangen.

Ludwig Lippert trug eine umfangreiche Kunst­samm­lung zusammen. Zugleich war der 1918 Verstorbene ein namhafter Philanthrop. Nicht nur war er einer der ersten Förderer des monumen­talen Bismarck-Denkmals am Hamburger Hafen, auch an der Begründung der Hamburgischen Wissen­schaft­li­chen Stiftung, der finan­ziel­len Keimzelle der spä­teren Uni­ver­sität, hatte er seinen Anteil. 

Hoch interessante Verbindungen bestehen von Ludwig Lippert zu seinen jüngeren Brüdern, Eduard und Wilhelm. Letzterer wurde Hamburger Konsul in Kapstadt just zu jener Zeit, als das Kaiserreich mit „Deutsch-Südwest“ seine erste Kolonie erwarb.

Der verwegenste der drei Brüder, Eduard, war ein einflussreicher Kaufmann, Finanzier und Politiker, der vielfältige Spuren im südlichen Afrika hinterlassen hat. 1887 erlangte er von der Regierung der Südafrikanischen Republik das Monopol für die Dynamitherstellung, das infolge der Intensivierung des Bergbaus in Transvaal außerordentlich lukrativ und entsprechend umstritten war. Daneben spielte er – als Konkurrent von Cecil Rhodes – eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Südrhodesien (Simbabwe) . 1895 nach Hamburg zurückgekehrt, wandte auch er sich zahlreichen wohltätigen Aktivitäten zu und förderte u.a. die Hamburger Sternwarte in Bergedorf. 

Buchcover über hanseatische Kaufleute

Diamanten, Dynamit und Diplomatie: Die Lipperts. Hamburger Kaufleute in imperialer Zeit von Henning Albrecht Abb: Verlag

Diamanten, Dynamit und Diplomatie: Die Lipperts. Hamburger Kaufleute in imperialer Zeit (Mäzene für Wissenschaft, Band 20)

Das Buch erscheint  bei Hamburg University Press und kann direkt (keine Versand­kosten) unter https://blogs.sub.uni-hamburg.de/hup/products-page/publikationen/156/ oder im Buchhandel bestellt werden.

Henning Albrecht
Hamburg University Press
227 Seiten – ISBN 978-3-943423-45-7 – 27,80 Euro
Weitere Informationen unter www.h-w-s.org

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