Chancengleichheit für Frauen in Film und Fernsehen?

Hamburger FilmfestDie Talk-Runde inklusive der Veranstalterinnen (den Repräsentantinnen) von WIFT: Kim Seidler (Repräsentantin von WIFT), Monique Simard (CEO des kanadischen Kulturförderungsinstituts), Anna Serner (schwedische Filmförderchefin), Jana Schiedek (Hamburger Staatsrätin für Kultur und Medien), Verena Gräfe-Höft (Repräsentantin von WIFT & Filmproduzentin), Sandra Quadflieg (Repräsentantin von WIFT & Schauspielerin), Katja Eichinger (Autorin und Journalistin), Maria Köpf (Chefin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein) und Gudrun Lehman (Repräsentantin von WIFT & Komponistin) FotO WIFT

Internationales WIFT-Panel in Hamburg zum Thema Chancengleichheiten für Frauen in Film und Fernsehen beim Hamburger Filmfest

 

Fakt ist, das belegen zahlreiche Studien, Frauen sind in den kreativen Schlüsselpositionen vor und hinter der Kamera beim Film/TV deutlich unterrepräsentiert. Die Gründe dafür sind vielschichtig und nicht eindimensional. Doch woran liegt es wirklich und was kann dagegen getan werden? 

Anlässlich des Hamburger Filmfestes diskutierte ein hochkarätig besetztes Panel, moderiert von Journalistin Katja Eichinger, im überfüllten Hamburger Filmfest-Zelt. Wobei sich hierher nur einige „Quoten-Männer“ verirrt haben. 

Die Stimmen zur Chancengleichheit von Frauen im Film und Fernsehen

Wenig überraschend plädierte Jana Schiedek (Hamburger Staatsrätin für Kultur und Medien) für die Einführung einer Quotenregelung, da Selbstverpflichtungen erfahrungsgemäß zu langwierig sind und meist mehr schlecht als recht funktionieren. 

Schweden geht einen anderen Weg berichtete Anna Serner (Chefin der schwedischen Filmförderung). Es gibt es zwar keine Frauenquote, jedoch werden die öffentlichen Gelder zur Hälfte an Frauen vergeben. Skandinavier bevorzugen da meist den unkomplizierten pragmatischen Weg.

In Kanada gibt es ein Quotensystem berichtete Monique Simard (CEO des kanadischen Kulturförderungsinstituts SODEC). Bei zwei eingereichten Projekten muss mindestens ein Projekt von einer Regisseurin realisiert werden. Maria Köpf (Chefin der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein) meinte Deutschland sei auf einem guten Weg: „Die interessantesten und erfolgreichsten Filme der letzten Zeit sind von Regisseurinnen realisiert worden.“

Wenig überraschend war sich das Podium einig, dass es dringend zu einer gerechteren Verteilung von Filmfördermitteln kommen sollte, um die Vielschichtigkeit in der Gesellschaft zu gewährleisten. „Nicht Worte, sondern Taten zählen“, so Anna Serner. „Wer nicht in der Lage ist, auch Regisseurinnen, Autorinnen, Kamerafrauen oder Cutterinnen zu besetzen, hat seine Hausaufgaben nicht gemacht und muss besser suchen“, stellte Monique Simard dazu trocken fest. 

Offene Fragen

Die wirklich offenen Fragen sind: Helfen Quoten wirklich die kreative Qualität, die zuschauer- oder nutzerwirksame Relevanz zu verbessern? Können sich nicht auch Quoten gegenseitig ausschließen?

Gerade Fördergremien neigen bei Entscheidungen zu Mittelmaß oder „Ausgewogenheit“ und bevorzugen einen, wie auch immer gearteten, Mainstream. Hier werden durch die Gremien häufig Projekte flachgeschliffen bzw. Stoffe verwässert. Gremienerfolg hat wenig mit Zuschauerzuspruch zu tun. Ob Quotierungen dem abhelfen können?

Ganz wichtig ist auch ein offensiver selbstbewusster Auftritt von Frauen. Falsche Bescheidenheit ist nicht angebracht und auch das Networking ist häufig verbesserungswürdig. Das internationale weibliche Branchennetzwerk WIFT (Women in Film and Television) will demnächst mit einer umfassenden Datenbank die Suche nach weiblichen Branchenmitgliedern erleichtern. Ab dann soll es heißen: „Geht nicht – gibts nicht!“

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