Im Gespräch mit dem Künstler Fiete Stolte

Fiete StolteDer Berliner Künstler Fiete Stolte stellt im Kunsthaus Hamburg aus

Kunsthaushaus Hamburg – der Berliner Künstler Fiete Stolte stellt bis Ende Juni 2016 aus

von Susanne Lettner
Der Künstler Fiete Stolte wurde 1979 in Berlin geboren, wo er noch heute lebt und arbeitet. Er studierte bei Karin Sander an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und schloss 2007 sein Studium ab. Sein Werk spannt sich von nur latent existierenden Interventionen im Ablauf der Zeit bis zu Manifestationen in unterschiedlichsten Materialien und Medien. Die Einteilung der Woche in 8 Tage und die sich daraus ergebende Entkopplung vom Sonnenlicht bilden den Rahmen für die Beobachtung von Situationen und Spuren im Alltäglichen und Besonderen. Im Spannungsfeld zwischen Tag und Nacht, Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit oder Anwesenheit und Abwesenheit entstehen seine Arbeiten, die häufig den Betrachter ins Zentrum seiner eigenen Reflexion stellt. Im Dezember 2015 gab Fiete Stolte seine erste Monographie Hotel Absence heraus. Die Publikation fasst das Werk des Künstlers von 2007 bis heute zusammen. Aktuell sind seine Arbeiten im Kunsthaus Hamburg zu sehen (Gruppenausstellung „…und eine welt noch“: 26. April bis 26. Juni 2016).

KünstlerInnenliste:

Georges Adéagbo & Alfredo Jaar, Ayreen Anastas & Rene Gabri, Anna Artaker & Meike S. Gleim, Fiona Banner, Irma Blank, Heath Bunting, Banu Cennetoğlu, Alejandro Cesarco, Armin Chodzinski, Daniela Comani, Martin Creed, Natalie Czech, Hanne Darboven, Cevdet Erek, Isa Genzken, Flora Hauser, Robert Heinecken, Ydessa Hendeles, Channa Horwitz, Nick Koppenhagen, Tim Lee, Sol LeWitt, Lucy R. Lippard, Almir Mavignier, Jonathan Monk, Susan Morris, Michael Müller, Matt Mullican, Henrik Olesen, Ulrike Ottinger, Lia Perjovschi, Michael Riedel, Arno Schmidt, Barbara Schmidt Heins, Sigrid Sigurdsson, Fiete Stolte, Josef Strau, Rayyane Tabet, Rirkrit Tiravanija, Joëlle Tuerlinckx, Jorinde Voigt, Tris Vonna-Michell, Hannah Weiner, Lawrence Weiner.

Susanne Lettner sprach mit dem Künstler Fiete Stolte über seine Arbeiten.

Susanne Lettner: In deinen Arbeiten spielt das Thema Zeitvermessung eine bedeutende Rolle, wenn ich beispielsweise an ‚8 Sunrises / 8 Sunsets‘ oder ‚Measure 8 Days a Week‘ denke. Wann wird für dich Zeit spürbar?

Fiete Stolte: Das lässt sich anhand vieler Dinge des täglichen Lebens erspüren, der Wanderung des Lichts zum Beispiel. Für mich wird es dort spannend, wo ein paralleler, aber nicht weniger reeller Handlungsraum betreten wird. Durch das Einfügen eines achten Tages in den Ablauf der Woche habe ich mich aus manchen Festlegungen entzogen und einen Denkraum zu meinem Aufenthaltsort gemacht. Schon immer habe ich meinen Körper in die Versuchsanordnung gegeben. In der parallelen Zeitlichkeit, in der meine Handlungen stattfinden, kann ich gegenwärtig und zugleich abwesend sein. So habe ich mit Graphit experimentiert und auch den Körper einbezogen. ‚Drawing into the Space‘ ist das Abbild meiner Hand, in Graphit gegossen. Durch die Benutzung dieser Hand als Beispiel löst sich die Fingerspitze, die für eine Zeichnung das Material berührt, auf. In der entstehenden Spiegelfläche kann der Betrachter sich und die Umwelt reflektiert sehen. Wie die blanken Stellen an einer Bronze-Skulptur von den unzähligen Berührungen Zeugnis ablegen, durch die eine Skulptur in die Welt getragen wird, verflüchtigt sich das Material als Zeuge der Handlung. Genau hier wird Zeit spürbar oder, besser noch, sichtbar.

Susanne Lettner: Was hat dich dazu bewegt mit dem Thema Zeit und Bewegung zu arbeiten?

Fiete Stolte: Es geht um Spuren. Spuren, die von einer parallelen Zeitlichkeit berichten und Bewegung gleichsam erst entstehen lassen. Wenn Spuren nicht nur etwas Vergangenes abbilden, sondern auch Fährten in die Zukunft öffnen, dann kommt es zu einer Schnittstelle, an der wir uns genau jetzt befinden. ‚Hotel Absence‘ ist ein aus Graphit gegossenes Schild, das den von mir schon erwähnten Ort des Geschehens benennt. Das Hotel als Synonym für einen temporären Aufenthalt, vielleicht sogar als Zuhause, wird allerdings direkt mit seiner eigenen Abwesenheit kontrastiert. Mit seiner Anmutung eines Schilds an der Außenfassade bewirkt es, im Innenraum präsentiert, eine Verdrehung der Bereiche. Auch in ‚Night between 7th and 8th Day‘ geht es um diese Ambivalenz von Präsenz und Absenz. In dem Relief sind die Spuren meines Körpers während der Nacht festgehalten. Die unbewusst gesteuerten Bewegungen im Schlaf sind im Material manifestiert. Die Präsenz meines Körpers gestaltet das Werk, ich aber bin abwesend.

Susanne Lettner: In deiner Arbeit ‚Drawing Polaroids‘ hast du mit Fotographie experimentiert. Welche Idee steckt hinter dieser Arbeit?

Fiete Stolte: Meine Polaroids sehe ich als auskristallisierten Blick. Die Polaroids halten einen Moment fest, als Unikat. Diesen Vorgang selbst kann man ja als Berührung bezeichnen. Das von den Dingen reflektierte Licht gelangt durch die Linse direkt auf das fotografische Trägermaterial und wird durch chemische Prozesse in ein Abbild umgewandelt. Die ‚Drawing Polaroids‘ sind wie visuelle Tagebucheinträge aus dem Prozess der Wandlung – der Körper ist eine Skulptur, ist eine Zeichnung, ist ein Bild der vergehenden Zeit oder eben einer anderen Zeit.

Susanne Lettner: Du wohnst und lebst im Norden von Berlin mitten im Grünen und hast in unterschiedlichen Städten weltweit gelebt. Hast du dir bewusst eine Wohn- und Arbeitsstätte in der Natur gesucht?

Fiete Stolte: Den Inselstatus finde ich an meinem Atelier entscheidend. Das mag mit den Kindheitserinnerungen aus einem geteilten Berlin zusammenhängen, in dem eine absurde Gleichzeitigkeit prägend war.

Susanne Lettner: Welche Projekte stehen bei dir noch an?

Fiete Stolte: Eine konzentrierte mentale Reise. Ich werde davon berichten.

Susanne Lettner studierte Journalistik und PR sowie Tanzwissenschaft in Berlin. Auf dem Stadtportal München-Exklusiv – Szene, Society & Shopping in München – schreibt sie die Kolumne „Stil und Etikette“. Sie ist Autorin beim Debatten-Magazin The European, beim Lifestyleblog Klüngelkram und beim Münchner Stadt-Magazin Monaco de Luxe. Um Inspiration und Impulse zu bekommen, besucht sie Events wie die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin oder die Berlinale.  

Kunsthaus Hamburg Preise und Öffnungszeiten

Dienstag bis Sonntag von 11.00 bis 18.00 Uhr
Das Kunsthaus ist am Donnerstag, den 05.05.2016 (Christi Himmelfahrt) und
am Montag, den 16.05.2016 (Pfingstmontag) geschlossen!

Eintritt: 5,00 Euro, ermäßig 3,00 Euro, Schüler 1,50, Gruppen ab 10 Personen 2,00 Euro/Person

Kunsthaus Hamburg
Klosterwall 15, 20095 Hamburg
www.kunsthaushamburg.de

 

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