Boogie Woogie als Therapie für schwere Zeiten

Pianist Silvan Zingg am FlügelFür eine Videoproduktion kam der Boogie Woogie-Maestro Pianist Silvan Zingg aus Lugano/Schweiz zur Laeiszhalle nach Hamburg. Foto: Cyrh Rhida

Der Hamburg-Fan Silvan Zingg ist ein Meister darin.


Der international gefeierte Boogie Woogie Pianist Silvan Zingg ist ein ausgesprochener Hamburg-Fan. Alleine in den letzten zwei Jahren hat der sympathisch-exzentrische  Schweizer vier Konzerte in der Hansestadt gegeben.

Nun war er erneut für eine Video-Produktion in der norddeutschen Metropole und hat sich dabei auch mit Organisatoren bezüglich eines Benefiz-Events für die Kulturbranche getroffen. Der Coup dabei: alleine dafür hat er auch einen „Elb-Boogie“ komponiert, den er auf diesem Konzert uraufführen will.

„Ich war schon immer verrückt nach Boogie Woogie und wie ich bei meinen Besuchen hier immer wieder feststelle: die Hamburger sind es auch!“, erzählt er in großer Vorfreude.

Das Instrument seiner Wahl ist dabei ein SHIGERU KAWAI Flügel, die Proben für seine Konzerte hält er deswegen regelmäßig bei KAWAI Hamburg ab. Doch nicht nur weil er offizieller Künstler-Botschafter des japanischen Instrumentenherstellers ist, zeigt er sich begeistert von seinem Musikwerkzeug:

„Der SHIGERU KAWAI Flügel hat einen wunderbar voll-abgerundeten, warmen Klang mit viel Bass – genau so wie ich ihn bevorzuge“.

Immer bestens gelaunt und mit Fingern den Boogie Woogie spielend – auch ohne Klavier: der Schweizer Pianist Silvan Zingg vor der Elbphilharmonie
Immer bestens gelaunt und mit Fingern den Boogie Woogie spielend – auch ohne Klavier: der Schweizer Pianist Silvan Zingg vor der Elbphilharmonie. Foto: Cyrh Rhida

Der muntere Eidgenosse sieht seine musikalischen Auftritte nicht minder als eine Mission: „Schon als junger Teenager hat es mir unheimlich viel Spaß gemacht, meinen Mitschülern mit meinem Pianospiel eine Freude zu bereiten“, sagt er und fügt mit Blick auf die derzeitige Pandemie hinzu:

„In den 1920er Jahren gab es ebenfalls eine große Krise und damals wurde der Boogie Woogie, eine vor Optimismus strotzende Musik erfunden, es gibt einige Parallelen zu unserer jetzigen Zeit“.

Doch Silvan Zinggs Liebe gilt nicht nur dem Boogie Woogie. So wird sein nächstes Album – dann das insgesamt fünfzehnte – sich ausschließlich dem Blues widmen. „Mit dem Älterwerden kommt der Geschmack für den Blues“, beichtet er, wohl wissend, dass seine Hörer wissen, dass er keinen zutiefst depressiven, aussichtslos wirkenden Blues interpretieren wird. Dafür ist er einfach zu virtuos am Piano, sorgt mit anziehendem und verlangsamendem Tempo und anderen Stilmitteln für viel Abwechslung auch in diesem Genre und, nicht zu vergessen: sein lebhaftes Agieren während der Aufführung – inklusive vielfältiger Mimik und Gestik, die einen gar nicht daran denken lässt, dass es im Text um nahezu unlösbare Probleme gehen könnte.

„Tatsächlich habe ich während des Lockdowns mehr Blues als Boogie Woogie gespielt, das hat sich irgendwie ganz natürlich ergeben“, erinnert sich Zingg.

Auch die schlimmste Zeit der Covid-19-Maßnahmen konnte dem fröhlichen Schweizer nicht viel anhaben:

„An meinem Wohnort in Lugano gibt es eine herrliche Natur drumherum, die konnte ich jetzt mehr als sonst genießen. Ich war sehr viel im Wald spazieren um durch die frische Luft und die Sonne mein Immunsystem zu stärken“.

Und ein wenig mit Musik zu tun habendes Hobby zog ihn noch mehr in seinen Bann:

„Konnte mich durch den enormen Zeitgewinn – auch das von mir organisierte Boogie Woogie Festival in Lugano musste leider abgesagt werden – viel stärker um meinen Gemüsegarten kümmern. Habe sogar einen riesigen länglichen Kürbis züchten können“, sagt er und zeigt stolz ein Foto davon.

In seinen 28 Jahren als Berufsmusiker hat Zingg schon einige denkwürdige Begegnungen mit den Giganten der Szene gehabt. 2011 spielte er gemeinsam mit B.B. King auf dem Jazz Festival in Montreux, das gefiel der Familie von King so sehr, dass er vier Jahre später auf die Beerdigung des Blues-Meisters eingeladen und dort ebenfalls etwas am Piano vortragen durfte. Auch mit der Rock’n’Roll-Legende Chuck Berry stand Silvan Zingg schon Seite an Seite auf der Bühne, danach nannte ihn Berry respektvoll: „Blues Brother Silvan!“. Swing und Jazz zählen ebenso zu seiner Musikfamilie hinzu, da verwundert es wenig, dass Zingg jährlich im Dezember in Basel weltbekannte Pianisten zu seinem Festival “Piano Jazz auf zwei Flügeln” zusammenbringt. In diesem Jahr findet das pianistische Großereignis vom 30. November bis 5. Dezember statt. Mehr Infos auf www.silvanzingg.com 

Die Hansestädter werden ganz sicher demnächst wieder in den Genuss eines höchst unterhaltsamen Auftritts des Boogie Woogie-Virtuosen kommen: „Sobald es wieder möglich ist, stehe ich in Hamburg auf der Bühne“, verspricht freudig der musikalisch hoch talentierte Spaßvogel.

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