Elbphilharmonie: Auf die ersten fünf Jahre!

Ein Rückblick auf die Eröffnung der Elbphilharmonie am 11. Januar 2017. So wurde damals das spektakuläre Gebäude von außen illuminiert. Foto: Elbphilharmonie RALPH LARMANN

Die Hamburger Elbphilharmonie katapultiert Hansestadt in die Weltelite, da kann im Moment kein Deutsches Konzerthaus mithalten.

An die ewig zu dauernde Bauzeit und die explosionsartig gestiegenen Erstellungskosten erinnert sich heute fast keiner mehr, zu groß ist die Freude über den umwerfenden Erfolg des neuen städtischen Konzertgebäudes, das sich gleich von Anfang an als neues Wahrzeichen von Hamburg etablieren konnte. Die Rede ist natürlich von der Elbphilharmonie, die  exakt vor fünf Jahren am 11. Januar 2017 den Konzertbetrieb aufnahm.

v.li.: Elbphilharmonie-Intendant Christoph Lieben-Seutter, NDR Elbphilharmoniker Orchester-Dirigent Alan Gilbert,
Bürgermeister Peter Tschentscher und Kultursenator Carsten Brosda. Foto: Cyrh Rhida

Zur Eröffnung kam damals die Bundeskanzlerin Angela Merkel, sie ist mittlerweile in Rente und der damalige Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz ist jetzt der neue Bundeskanzler. Er war nicht unter den Ehrengästen auf dem Jubiläumskonzert 2022, doch sein Nachfolger wiederum, Peter Tschentscher, lobte stattdessen in seiner Rede das Haus in den höchsten Tönen:

„Die Elbphilharmonie ist ein Leuchtturm der Musik- und Kulturstadt Hamburg, der in der HafenCity gleichermaßen für die maritime Tradition und den Aufbruch ins 21. Jahrhundert steht“.

Die Pressekonferenz zur Eröffnung der Elbphilharmonie am 11. Januar 2017 hielt noch der damalige Hamburger Bürgermeister – und jetzige Bundeskanzler – Olaf Scholz ab. Foto: Cyrh Rhida

Auf dem Geburtstag spielte das residierende NDR Elbphilharmonie Orchester ein Festkonzert unter der Leitung seines Chefdirigenten Alan Gilbert. Der Abend war Teil eines neuntägigen Musikfestivals, in dem unter anderem noch Sir Simon Rattle und das London Symphony Orchestra sowie die Staatskapelle Berlin unter ihrem Chefdirigenten Daniel Barenboim in der Hansestadt auftreten werden.

Die Elbphilharmonie – ein städtebaulicher Volltreffer

In der kurzen Zeit ihres Bestehens hat die Elbphilharmonie alle Erwartungen haushoch übertroffen: Qualität und Vielfalt des Musikprogramms werden national und international gelobt, zudem erfährt das einzigartige Gebäude so viel Aufmerksamkeit wie kein anderer Neubau für die Kultur in diesem Jahrhundert. Zwar gab und gibt es immer wieder Kritik an der zu trockenen, d.h. komplett echo-losen Akustik des Großen Saals, doch insgesamt dominiert die Begeisterung. Die deutlichste Sprache sprechen die rund 3,3 Millionen Konzertbesucher, die laut Angaben der Elbphilharmonie seit der Eröffnung über 2.900 Konzerte erlebten. Mit 1,25 Millionen Besuchern pro Jahr hat sich in den letzten fünf Jahren das Konzertpublikum in Hamburg verdreifacht. Die „Plaza“ genannte Aussichtsplattform der Elbphilharmonie ist mit rund 14,5 Millionen Besuchern zum Touristen-Hotspot Hamburgs geworden und läuft derzeit damit selbst anderen deutschen Topp-Destinationen wie Schloss Neuschwanstein den Rang ab. Kultursenator Carsten Brosda ist dabei naturgemäß die weitere Profilierung Hamburgs zur Kulturstadt besonders wichtig: „Hamburg hat in der Hinsicht eine lange Tradition. Intendant Christoph Lieben-Seutter und sein Team verstehen es, zusammen mit vielen Akteuren in der Stadt und mit großer Lust und Kreativität unvergessliche Kulturereignisse zu schaffen und für Kultur zu begeistern“.

Trotz Pandemie Jubiläumsfeiern möglich

Gastgeber der Jubiläumswoche ist Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant von Elbphilharmonie und auch der Laeiszhalle (das vormalige Konzerthaus Nummer 1 in Hamburg) zeigte sich erleichtert, dass trotz ansteigender Infektionszahlen diese Jubiläumswoche ermöglicht wurde:

„Ich freue mich riesig, dass die Konzerte zum fünften Geburtstag nach langem Zittern mit nur wenigen Abstrichen und vor vollem Haus stattfinden können“. In den zurückliegenden Jahren der Pandemie musste auch das Publikum der Elbphilharmonie viele Monate lang auf Live-Konzerte verzichten. In dieser Zeit aber entwickelte das Konzerthaus eine rege und fantasievolle Tätigkeit im Hinblick auf Streams und versorgte sein weltweites Publikum über das Internet mit besonderen audiovisuellen Projekten. Zum 5-jährigen Jubiläum hat die Elbphilharmonie außerdem in Kooperation mit dem Museum für Kunst & Gewerbe das international renommierte Künstlerduo DRIFT aus den Niederlanden beauftragt, ein außergewöhnliches Lichtkunstwerk zu schaffen: “Breaking Waves” erweckt mit Hunderten von beleuchteten Drohnen die Fassade des Konzertsaals spielerisch zum Leben. Die Lichtinstallation wurde aber aufgrund der pandemischen Lage auf den 28. April bis 1. Mai 2022 verschoben.

Dirigent Alan Gilbert (vorne re.) und Pianist Kirill Gerstein gratulieren sich gegenseitig zur gelungenen Aufführung. Foto: Cyrh Rhida

Beeindruckende Zahlen – Auswirkungen auch für die ganze Stadt Hamburg

In den ersten drei Jahren nach der Eröffnung bis zum Corona-Lockdown Anfang März 2020 hatten bereits rund 2500 Konzerte vor 2,9 Millionen Zuhörerinnen und Zuhörern in der Elbphilharmonie stattgefunden. Seit Sommer 2021 kehrt das Publikum mit Freuden in sein angestammtes Konzerthaus zurück und füllt die Ränge je nach gerade erlaubter Saalbelegung. Auf der Plaza, der öffentlich zugänglichen Aussichtsplattform auf der 8. Etage der Elbphilharmonie, wird im Frühjahr 2022 der 15 millionste Besucher erwartet.

Von den 900.000 Konzertbesuchern der letzten Vor-Corona-Saison, also 2018/2019, seien nur 45.000 über den Massentourismus gekommen, also weniger als fünf Prozent, so Intendant Lieben-Seutter. Auch als Tourismusdestination konnte sich die Stadt in den letzten Jahren noch stärker und internationaler positionieren. Die Übernachtungszahlen sind von Januar 2017 bis Ende 2019 um mehr als 15 Prozent gestiegen. Übernachtungen aus dem Ausland haben sich um 16 Prozent erhöht. Das sei nicht nur, aber auch auf die Strahlkraft der Elbphilharmonie zurückzuführen.

Pianist Kirill Gerstein war der Solist des Abends. Foto: SOPHIE WOLTER

Jubiläumskonzert erfreut Freunde moderner Klassikmusik – für manche zu modern

Wie auf der Eröffnung 2017 manifestiert sich im Programm der Festkonzerte das klare Bekenntnis des Orchesters und seiner Stammspielstätte zur Musik der Gegenwart. Mit einem ausschließlich der Musik des 20. und 21. Jahrhunderts gewidmeten Festkonzert beging die Elbphilharmonie Hamburg am 11. Januar 2022 ihr fünfjähriges Bestehen. Genau wie schon vor fünf Jahren gehörten auch neben geladenen Gästen hunderte Menschen, die ihre Tickets bei einer Verlosung gewonnen hatten. Es spielte das NDR Elbphilharmonie Orchester unter der Leitung seines Chefdirigenten Alan Gilbert. Auf dem Programm standen Werke von John Adams und Esa-Pekka Salonen sowie das Klavierkonzert von Thomas Adès, das dessen Widmungsträger Kirill Gerstein spielte.

Für Gilbert ist das nur logisch:

„Die Elbphilharmonie ist ein wunderbarer Konzertsaal, der sich besonders für Raumklang-Musik eignet. Unser Programm feiert dieses Wunder und die Experimentierfreude, die die Elbphilharmonie in ihrer kurzen, aber glänzenden Existenz auszeichnet“.

Für manche Besucher war das allerdings schon etwas too much an moderner Musik, zum Beispiel meinte einer der VIP-Gäste, der unerkannt bleiben möchte: „Nichts gegen moderne Musik, aber gerade so einen Jubiläumsabend ausschließlich damit zu bestreiten, finde ich übertrieben. So eine schöne Mozart-Komposition hätte der Feier sicher gut getan“.

In der Tat hatte es auf dem Eröffnungskonzert vor fünf Jahren auch einen deutlichen Schwerpunkt auf moderne Kompositionen gegeben, aber immerhin war da noch ein Werk von Beethoven mit dabei. Und berücksichtigt man die Tatsache, dass wie erwähnt auch sehr viele Besucher im Publikum waren, die ihr Ticket gewonnen hatten, also sich wahrscheinlich nicht so intensiv mit moderner Musik beschäftigen, hätte eine etwas buntere Mischung aus Alt und Neu sicher nicht geschadet. Und blickt man auf die Komponisten-Statistik der Elbphilharmonie, geht das Rennen sogar eindeutig für die Klassiker aus.

Die drei meistgespielten Komponisten in den vergangenen fünf Jahren seit der Eröffnung lauten nämlich: Beethoven, Mozart und Bach. Der Geburtstagslaune hat es aber dennoch nicht groß geschadet. Hamburg ist stolz auf sein neues Wahrzeichen – und das völlig zu Recht. Ganz-hamburg.de sagt Cheers! Und auf die nächsten 5 Jahre!

von Cyrh Rhida

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