Fulminanter Start der SHIGERU KAWAI Konzertreihe in Hamburg

GruppenbildAm Ende gab es für die hervorragende Leistung der Künstlerin Shion Ota Blumen von Anne-Sophie Desrez (KAWAI, rechts). Auch die Generalkonsulin von Japan in Hamburg, Kikuko Kato, zeigte sich beeindruckt. Foto: Cetin Yaman

Auftritt von Shion Ota in der Alfred Schnittke Akademie in Hamburg Altona begeistert.

Der japanische Instrumentenhersteller KAWAI bereichert den Kultursommer in der Hansestadt mit zwei Konzerten von großartigen Talenten. Der unter dem Label SHIGERU KAWAI präsentierte Spitzenflügel spielt dabei eine Hauptrolle. Damit ist eine neue Konzertserie gestartet, die es zwar schon gibt, aber jüngst ihre Hamburg-Premiere feiern durfte. Aufführungsstätte ist die Alfred Schnittke Akademie in Hamburg-Altona, die unter Klassikmusikfreunden einen exzellenten Ruf besitzt. Das erste Konzert gab Ende Juli die junge Japanerin Shion Ota. Der Auftritt der 22-Jährigen kam beim Publikum, unter dem sich auch einige Klassikexperten befanden, bestens an. Sie spielte Werke von Komponisten aus verschiedenen Epochen.

Die Alfred Schnittke Akademie von außen
Die Alfred Schnittke Akademie in Hamburg-Altona ist ein beliebter Veranstaltungsort für Piano-Fans. Foto: Cetin Yaman

Den Beginn machte die Partita Nr. 2 in c-moll von Johann Sebastian Bach, was kein Zufall gewesen ist, denn dieser ist der Lieblingskomponist von Shion Ota. Damit konnte sie schon mal der Veranstalterin, Anne-Sophie Desrez von KAWAI (Markenbotschafterin und Artist Relations), ziemlich imponieren: „Die Partita Nr. 2 von Bach interpretierte sie sehr lyrisch und innig, ganz tief versunken in die Poesie der Klänge“, lautete ihre Analyse. Konzipiert hatte Bach diese Partita übrigens als Lehrwerk für klavierspielende Laien, die sich technisch und musikalisch damit schulen sollten. Heraus kam am Ende eine historische Komposition, die an Intensität und kreativem Reichtum seinesgleichen sucht. Ota ist das Gegenteil eines „klavierspielenden Laien“ und ihr gekonnter Vortrag bildete einen glänzenden Einstieg in den Piano-Abend.

Shion Ota am Flügel
Erst in diesem Jahrtausend geboren, aber schon eine Meisterin an den Tasten: die 22-jährige Pianistin Shion Ota. Foto: Cetin Yaman

Hinein in die religiöse Welt ging es anschließend mit der Komposition „St. François de Paule marchant sur les flots“ von Franz Liszt. Gewidmet seinem einzigen überlebenden Kind Cosima (der späteren Ehefrau von Richard Wagner), ist es ein Inbrunst verströmendes Werk. Liszt hatte, wie er sagte, persönliche Beziehungen zum heiligen Franz von Paulus und betrachtete ihn als seinen Schutzpatron. Es ist eine sehr schwierig zu spielende Musik mit einer wunderbaren Vielfalt von Nuancen, Ota meisterte diese Klippen überzeugend. Ihr Spiel war voller phantasievoller Schattierungen und zugleich von einer gewissen edlen künstlerischen Ruhe geprägt. Ihre Technik und die erforderliche Virtuosität für solch ein Werk hielten bestens mit, Klarheit und Maß der Interpretation sind bei Ota bereits in jungen Jahren auf einem hohen Level. Die Ballade Nr. 2 in h-moll, ebenfalls von Liszt, beschloss den ersten Teil des Konzertabends.

Konzertsaal
Der Alfred Schnittke Saal war gut gefüllt. Die Atempause in der Hitzewelle nutzten viele Klassikfreunde für einen Konzertbesuch. Foto: Cetin Yaman

Und wer dachte, dass es schwierig sein würde dieses Niveau im zweiten Teil durchzuhalten, wurde angenehm überrascht. Nach der Pause präsentierte Shion Ota Images Band II von Claude Debussy „lyrisch und hochdifferenziert“, wie Desrez hocherfreut beobachten durfte.

Das Finale war dann der Klaviersonate Nr. 28 in A-dur Op.101 von Ludwig van Beethoven vorbehalten. Das 23 Minuten lange Werk ist – wie alle späteren Sonaten Beethovens – mit einer ungewöhnlichen formalen Struktur ausgestattet. Ein berühmter Kollege der Japanerin, Piano-Star Igor Levit, beschreibt es so: “Ich habe, wenn ich am Flügel sitze, das Gefühl, der Satz läuft schon ganz lange, und ich darf einfach mittendrin einsteigen”. Shion Ota kommt mit den ganzen Brüchen und radikalen Umschwüngen in dieser Sonate sehr gut zurecht.

Herbert Bruhn und Harald Meyer
Prominente Gäste von nebenan: Professor Herbert Bruhn und Harald Meyer von der Alten Druckerei Ottensen. Foto: Cetin Yaman

Der Start dieser Komposition ist zwar lyrisch-verträumt, doch schon im zweiten Satz wird es erdiger, um dann im dritten wieder – nach Depression und Todesnähe – das Thema des Beginns aufzugreifen. Im vierten Satz schließlich feiert Beethoven das Leben: mit viel Witz, Humor und Freude wird ein großes musikalisches Fest gefeiert. So umwerfend sich das Ganze anhört, für die vortragenden Pianisten hat das Ganze einen Haken: der Schwierigkeitsgrad beim Vortrag steigt nahezu zum Maximum. Eine Fuge mittendrin enthält Sprünge, komplizierte Läufe und sehr dichte Akkordballungen. Wer das bewältigen kann, darf sich zu den fortgeschrittenen Konzertpianisten dieser Welt zählen. Ota kann es und wird dafür am Ende zu Recht vom Publikum gefeiert. 

 Bernd Mesecke und Franck Naji.
Zwei begeisterte Klassikmusik- und KAWAI-Fans: Bernd Mesecke und Franck Naji. Foto: Cetin Yaman

Die Musikerin, die jetzt zwar in Berlin studiert, aber das Konzert in Hamburg ihr allererstes überhaupt außerhalb ihrer Heimat Japan gewesen ist, zeigte sich ebenfalls zufrieden mit dem Verlauf des Abends.

„Obwohl viele der Besucher mich nicht kannten, haben sie mich herzlich empfangen. Ich hatte das Gefühl, dass sie sich jedes Stück gerne angehört haben. Das ist ein echter Segen und das spürt man als aufführende Künstlerin“, sagte sie. Besonderes Lob hatte Ota für das Instrument parat: „Ich finde, der SHIGERU KAWAI ist ein sehr kontrollierbares Klavier. Die Tatsache, dass es im Klang sowohl sensibel als auch mutig ist, kommt meinem Spiel entgegen“. Das Stück von Debussy hatte sie deswegen extra wegen des Flügels in das Programm aufgenommen: „Das hatte ich bereits in der Vergangenheit auf dem SK-Flügel gespielt und findet sich auch auf meinem YouTube-Kanal“, so Shion Ota.

Mari Inoue und Eiko Okuno
Zwei Kolleginnen von Shion Ota: die ausgebildeten Konzertpianistinnen Mari Inoue (re.) und Eiko Okuno-Jürgensen. Sie waren vor allem von Beethoven begeistert: „Der zweite Teil mit der Klaviersonate am Ende fanden wir sehr interessant“. Foto: Cetin Yaman

KAWAI-Markenbotschafterin Anne-Sophie Desrez hatte die neue Konzertserie im Blick:

„Ich habe einen sehr guten Eindruck vom Start der SHIGERU KAWAI-Konzertreihe in Hamburg erhalten. Einen Termin während der Sommerferien ausgesucht zu haben war natürlich ein Risiko, aber der Saal war voll und das Publikum begeistert. So kann es weitergehen!“. Besonders im Visier war bei der abschließenden Betrachtung natürlich der Veranstaltungsort. Der Konzertsaal der Alfred Schnittke Akademie in Hamburg erfüllte dabei die Erwartungen, wie Desrez weiter ausführte. „Von der Sitzkapazität war dies der richtige Veranstaltungsort. Wir haben unseren Shigeru Kawai SK-6 (214cm) gebracht und die Flügelgröße hat in diesem Saal von der Akustik her gepasst“.

Sonntag, 11. September, verspricht ebenfalls viel musikalischen Hochgenuss. Hyuk Lee gewann die Ohren und Herzen der Jury beim Finale des 18. Internationalen Chopin Klavierwettbewerbs 2021 in Warschau auf einem Shigeru Kawai Konzertflügel. „Mit seinen Darbietungen, die das volle Leistungsspektrum des Instruments forderten, hat er das Publikum verzaubert. Davon kann sich nun jeder selbst beim Auftritt des mehrfachen Preisträgers überzeugen“, so Anne-Sophie Desrez. Die Interessen des 2000 in Seoul geborenen Lee reichen von russischer Musik (Rachmaninow, Prokofjew, Schostakowitsch) über das Repertoire der deutschen Romantik (Schubert, Schumann, Brahms) bis hin zu französischer Musik (Ravel, Messiaen) und Komponisten der näheren Gegenwart (wie Ligeti). Mit nur 16 Jahren wurde der Südkoreaner zum Gewinner der 10. Ausgabe des Ignacy-Paderewski-Klavierwettbewerbs in Bydgoszcz, Polen, gekrönt. Zwei Jahre später gewann er den dritten Preis beim 10. Hamamatsu International Piano Competition, dem japanischen Wettbewerb, dessen Prestige seit der ersten Ausgabe vor zwei Jahrzehnten erheblich gewachsen ist. Lee wird am 11. September neben Chopin noch Kompositionen von Prokofjew, Medtner und Stravinsky spielen.

Der Pianist Hyuk Lee am Konzertflügel
Hyuk Lee wird am 11. September in der Alfred Schnittke Akademie sein Talent präsentieren. Foto: Wojciech Grzedzinski für KAWAI

Hier der nächste Termin der neuen SHIGERU KAWAI-Konzertreihe in Hamburg:

Sonntag, 11. September – Hyuk Lee in derAlfred Schnittke Akademie in HH-Altona, Max-Brauer-Allee 24 Das Konzert beginnt um 20.00 Uhr. Tickets für 15 und ermäßigt für 8 Euro
Anmeldung und Tickets über: KAWAI Europa Hamburg – Anne-Sophie Desrez 0162/341 6874

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