Netzwerken beim Hanse Rendezvous in der Hamburger Markthalle

Hanse RendezvousTalkgäste beim Hanse Rendezvous: Matthias Ewardt, Mike Keller, Lars Meier, Michael Ehnert (vl) © ganz-hamburg.de

Schon zum 30. Mal lud Lars Meier die Hamburger Kulturszene zum Hanse Rendezvous ein

Schon lange wird in Markthalle am Klosterwall nichts mehr gehandelt. Dafür ist sie seit mehr als 40 Jahren die angesagte Location wenn’s laut, etwas dirty und rockig werden soll. 

Garantiert gesitteter und wesentlich leiser ging es gestern am Montagabend zu.  Lars Meier hatte zu seiner Netzwerkveranstaltung „Hanse Rendezvous gut  100 Kulturschaffenden aus den Bereichen Musik, Film, Theater und Medien zum Austausch sich über die aktuelle Lage der Hamburger Kulturlandschaft eingeladen.

Einen ersten Impuls für ihre Themen erhielten die Gäste durch die Diskussion zum Thema „Anspruch und Existenzangst der Hamburger Kultur“, die von Lars Meier moderiert wurde. Mike Keller (Geschäftsführer Markthalle), Michael Ehnert (Schauspieler) und Matthias Elwardt (Geschäftsführer Abaton) debattierten darüber, welchem Wandel die Hamburger Kultur nicht nur durch die Elbphilharmonie ausgesetzt ist.

Ohne das Buzz-Word Elbphilharmonie ging das nicht. Aber die Wogen haben sich schon kräftig geglättet. Die drei Talkgäste sahen sich nicht als direkte Konkurrenten des neuen Prestigeobjekts in der Hansestadt. Sogar die Laiszhalle hat steigende Zuschauerzahlen.

Interessant waren ihre Einblicke in die Hamburger Kulturlandschaft, die sich doch beträchtlich und sicher nicht nur in Hamburg weiter entwickelt hat. Die zunehmende Nutzung digitale Medien hat verändert die reale Mediennutzung nachhaltig.

Die Talkrunde

„Ich muss inzwischen mit viel mehr Bällen jonglieren und viel schneller reagieren als früher“, erklärte Abaton Geschäftsführer Matthias Elwardt. Während das Kino früher im Schnitt fünf Veranstaltungen pro Monat umsetzte, sind es nun fünf Veranstaltungen pro Woche. Auch der Besucherschnitt wurde gehalten, doch die Zahl der Filmaufführungen wurde erhöht. Wenn es um Flops geht, in Filmen über AKWs und über die Flüchtlingsproblematik sind viele freie Plätze garantiert. Schulen kommen häufig in diese Vorführungen.

Das neue Arbeitsrecht- und die Umweltvorschriften machen die Arbeit eines Veranstalters nicht gerade einfacher, so Mike Keller, Chef der Markthalle Hamburg. Der Wind im Markt ist rauer geworden, die Konzentration der Konzertagenturen schreitet voran. Der Umsatz ist stabil, doch es werden weniger Tickets verkauft. Die Markthalle hat rund 200 Veranstaltungen mit 100.000 Besuchern bei einem mittleren Ticketpreis von 18-20 Euro. Seine Strategie: „Wir versuchen ein möglichst breites Programm aufzustellen, sind aber zunehmend abhängig von externen Veranstaltern. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an uns“.

Der Schauspieler Michael Ehnert hadert noch etwas der Elbphilharmonie. Für ihn ist wichtig, dass Verantwortung für eine gesunde und langfristig stabile Kulturszene übernommen wird: „Kultur muss langsam wachsen. Man muss etwas säen, bevor man etwas ernten kann. Da gibt es in Hamburg leider ein Missverhältnis.“ Ehnert weiß aus eigener Erfahrung allerdings auch, wie schwer die Förderung junger Künstler sein kann. Gemeinsam mit drei Kollegen gründete er vor einigen Jahren die Theater Mafia. Nach dem Prinzip „Tust Du mir einen gefallen, tue ich dir einen Gefallen“ stellten sie ein Projekt auf die Beine, das beispielsweise Produktionsräume für neue Projekte zur Verfügung stellte. Nach nur fünfzehn Monaten mussten die Initiatoren allerdings die Reißleine ziehen. Sie hatten sich bereits hoch verschuldet.

Abschließend waren sich die Diskussionsteilnehmer einig, dass die Wertschätzung für Kultur in der Gesellschaft wieder zunehmen müsse. „Die Menschen vergessen, dass Kultur etwas wert ist und dass Kultur bezahlt werden muss“, fasst Matthias Elwardt die Diskussion zusammen.

Die Kulturkiste

Zum Programm des Hanse Rendezvous gehört neben dem Bühnentalk auch die sogenannte „Kulturkiste“, die gestern Abend wieder einmal fleißig genutzt wurde. Auf dieser kleinen Bühne konnten die Gäste eigene Kulturempfehlungen und persönliche Highlights aus der Kulturszene teilen. Damit waren sie automatisch im Rennen um den besten Tipp des Abends, der traditionell mit einem hochwertigen Preis prämiert wird.

Dieses Mal durfte sich Christiane Filla freuen, die ihr Projekt Aid A – Aid for Artists in Exile vorstellte. Mit einem lauten Jubeln nahm sie ihren Gewinn in Empfang: ein Abonnement der SZENE Hamburg.

Als der Austausch der Teilnehmenden langsam sein Ende fand, hatte die letzte Stunde des Tages bereits begonnen und alle Gäste wurden mit einer prall gefüllten „Gute Nacht Tasche“ in die Dunkelheit entlassen.

Gäste beim 30. Hanse Rendezvous 2018

Von ganz-hamburg.de in der Hamburger Markthalle bei frisch gezapften Holsten Pilsener gesehen: Janina Blohm-Sievers (Schauspielerin), Hannah Rebekka Ehlers (Schauspielerin), Jennifer Ehnert (Schauspielerin), Matthias Elwardt (Geschäftsführer Abaton), Katrin Ingendoh (Schauspielerin), Nicolas König (Schauspieler), Vanessa Lizanne (Schauspielerin), Harald Maack (Schauspieler), Viola Möbius (Schauspielerin), Ines Nieri (Schauspielerin), Svenja Pages (Schauspielerin), Kerstin Ramcke (Geschäftsführerin Nordfilm GmbH).

 

 

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