Hanse Rendezvous: erfolgreiche Kultur in der Stadt der Pfeffersäcke

28. Hanse Rendezvous 201628. Hanse Rendezvous Veranstaltung im Schanzenkino 73 am Schulterblatt Anna Bertheau und Christopf Kottenkamp Foto: Stephan Wallocha

Das 28. Hanse Rendezvous – Hamburgs Kultur, Geld und der zufällige Erfolg“  

Für Nichteingeweihte war es auf Anhieb nicht gleich zu finden, das neue SchanzenKino 73 die Location des 28. Hanse Rendezvous 2016.  Rund 110 Gäste aus der Hamburger Kultur-, Medien-, Musik-, Theater- und Filmszene trafen sich bei der exklusiven Netzwerkveranstaltung. Eine schöne Gelegenheit für Macher und Multiplikatoren, sich zu treffen und auszutauschen.

Geprächsanstöße lieferte die Talkrunde gleich zu Beginn des Abends. Die Autorin Jasmin Ramadan (Soul Kitchen), Holger Zebu Kluth (Geschäftsführer Hamburger Kammerspiele) und Jan-Christof Scheibe (Schauspieler und Musiker) tauschen sich unter der Moderation von Lars Meier über Hamburgs Kultur, der Elbphilharmonie, Geld, den neuen Kultursenator aus und den zufälligen Erfolg“ aus.

Jasmin Ramadan denkt nicht an Geld

Die Autorin Jasmin Ramadan könnte nicht arbeiten, wenn sie beim Schreiben immer an den ökonomischen Erfolg denken müsste. Auch nach ihrem Erfolgsroman „Soul Kitchen“ ist sie von dem Erfolgsdruck befreit und fragt sich erst hinterher, ob es ein Erfolg werden wird. „Ich scheitere lieber auf meinem eigenen Niveau und bleibe mir treu“, bekennt sie ehrlich. Bei der Vermarktung ihres neuen Buches „Hotel Jasmin“ wird sie vom Verlag von einer PR-Frau unterstützt. Ramadan bekennt, dass die Literaturbranche etwas anders als andere Kulturbereiche ist. Dort ist der Erfolg eher dem Zufall überlassen.

Von der neuen zukünftigen KultursenatorIn wünscht sie sich, dass die Reeperbahn und St. Pauli nicht noch mehr zu einer Plastiklandschaft und nicht alles zu einer Kommerzmeile verkommt. „Bitte lasst uns die Seitenstraßen.“ Das wurde mit viel Applaus bedacht.

Erfolg lässt sich nicht kalkulieren

Holger Zebu Kluth findet, dass man den Erfolg nicht kalkulieren kann. Er wird immer wieder überrascht, welches Stück das Publikum begeistert. Das Stück „Rot“ wurde ein großer Erfolg, obwohl er dachte, dass dieses Thema keiner sehen will. Es war aber immer ausverkauft. Darüber ist ein Geschäftsführer eines Theaters natürlich nicht traurig.

Eine sehr wichtige Aufgabe für die nächste Kultursenator sieht er in der Elbphilharmonie und den Stiftungsgeldern.  Hamburg ist die Stadt der Stifter und die Kultur erhält sehr viele Gelder aus Stiftungen. Diese haben in den letzten Jahren kein Kapital mehr erwirtschaften können, da es keine Zinsen mehr gibt und somit auch kaum Geld zum Fördern vorhanden ist. Dennoch findet er, dass  „kostspielige Staatstheater eine Form der Kulturproduktion sind, die unser Land groß gemacht hat, wie Goethe und Schiller“ und meint „es kostet was es kostet“.

Jan-Christof Scheibe freut sich über einen Cash Back

Jan-Christof Scheibe freut sich, dass Hamburger für 80 Euro Karten für die Elbphilharmonie gekauft haben, die sie jetzt für 2.000 Euro wieder verkaufen. „Damit holen sie das Geld, das sie über Steuergelder in das Gebäude investiert haben, privat wieder raus“. Er glaubt, dass die Elbphilharmonie auch für die Stadt ein internationaler Anziehungspunkt wird.

Auch ihm ist persönlicher Erfolg wichtig und dass er sich von seinem Beruf ernähren kann. Alles andere ist Überraschung und nicht kalkulierbar. Seine größte Herausforderung ist die eigene Vermarktung und Social-Media, und eben nicht das künstlerische. „Mein eigener Alptraum ist es, mich um die Vermarktung zu kümmern“, findet Scheibe. 

Der Kulturtipp der Talkrunde

Zwei zu Eins lauteten die Empfehlungen. Jan-Christof Scheibe empfahl das Ohnsorg Theater, die ja auch die Filmversion von Soul Kitchen spielen. Jasmin Ramadan und Holger Kluth sprachen sich für die Kunstgalerie Feinkunst Krüger in den Kohlhöfen 8 in der Neustadt aus. Allerdings mit einer Spoiler-Warnung, man kommt als harmloser Besucher und Galerist Ralf Krüger bringt einen dazu, als Kunstsammler die Galerie zu verlassen. 

Von ganz-hamburg.de in entspannter Stimmung an diesem Abend im Schanzenviertel gesehen: Anna Bertheau (Schauspielerin), Janina Blohm-Sievers (Schauspielerin), Dorothee de Place (Theater Klabauter), Jennifer Ehnert (Schauspielerin/Model), Michael Ehnert (Kabarettist/Autor), Andrea Gerhard (Moderatorin/Schauspielerin), Maria Ketikidou (Schauspielerin), Johannes Franke (Schauspieler), Nico König (Schauspieler), Christoph Kottenkamp (Schauspieler), Peter Lohmeyer (Schauspieler), Andrea Lüdke (Schauspielerin), Julia Obst (Schauspielerin), Jasmin Ramadan (Autorin), Jan-Christof Scheibe (Schauspieler/Musiker), Jana Voosen (Schauspielerin), Jamin Yazdani (Schauspieler), Josef Wutz (Künstlermanager/ehem. Leiter Filmfest Hamburg).

 

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