SwingDelight überzeugen voll und ganz trotz Widrigkeiten

SwingDelightDie Musik von Django Reinhardt ist ihr Vorbild: SwingDelight versprühen viel gute Laune und Charme auf ihren Auftritten. Foto: Cetin Yaman

Glanzvoller Auftritt trotz widriger Umstände – Technikprobleme können SwingDelight tollen Auftritt nicht vermiesen

von Cetin Yaman
Unter Jazz-Fans steht der Name Django Reinhardt nach wie vor einer für einen der größten Musiker des 20. Jahrhunderts. Die Formation SwingDelight (bis vor Kurzem noch unter dem Namen Gypsy Swing auftretend) ist eben dieser Meinung und hat einen Schwerpunkt auf die Musik des französischen Jazz-Giganten gelegt. Doch original Reinhardt-Kompositionen sind in ihrem Programm eher Mangelware, dafür werden alle anderen Songs im Reinhardt-Stil vorgetragen. Bei ihrem Auftritt im Engelsaal neulich konnte man sich davon überzeugen wie gut das Ganze funktioniert.

Mit Frank Laue und David Grabowski an den beiden Gitarren ist das Quintett bestens dafür ausgestattet. Ihre filigrane Technik an den sechs Saiten macht Laune und garantiert ein echtes Reinhardt-Feeling auf den Auftritten des Hamburger Ensembles. Das ist aber noch längst nicht alles, denn mit Malwina Richter bietet SwingDelight eine weitere Attraktion. Die gertenschlanke Sängerin mit der bärenstarken Stimme gewann 2008 den Ersten Preis im Landeswettbewerb „Jugend jazzt“; bereits nach dem Opener „On a clear day“ weiß man auch warum. Die Stimme der 29-Jährigen umfasst gefühlte vier Oktave, weitere Beweise dafür liefern die Klassiker „Bei mir bist du schön“, „Dream a little Dream“, „Big Spender“, „Sway“ und „Why don‘t you do right“.

Tontechnik oder dem Ingeniör ist leider einiges zu schwör

Mehr als schade ist allerdings, dass anfangs der Sound im Engelsaal mit nichts anderem als miserabel zu bezeichnen ist. Auch während des gesamten Konzerts wurde er nur geringfügig besser Obwohl der Haustechniker nach fast jedem Song nachzujustieren versucht, kommt das Mikrofon vor allem bei den ersten drei Liedern verzerrt und übersteuert rüber. Der Kontrabass – bedient von Malwinas Vater Medard Krajecki – geht fast komplett unter. Dafür ist Laues Gitarre überpräsent; so viel Freude es macht, seinen Künsten zu lauschen, so sehr möchte man auch die anderen Instrumente – neben dem Bass auch das Cello von Malwinas Schwester Karolina Kranjeckiund die zweite Gitarre von Grabowski – vernehmen und nicht nur einem „Gitarrenkonzert von Frank Laue mit Hintergrundbegleitung“ lauschen.

Umso überraschender ist dann dafür die Tatsache, dass die coolen Arrangements, in denen New Orleans Jazz, französicher Walzer und Musik der Roma wild gemixt werden, trotz dieser widrigen Umstände so überzeugend dargebracht werden. Stellvertretend hierfür seien SwingDelight’s Versionen von “Witchcraft” (Version, die auch Frank Sinatra gesungen hat), “Fever” und “Hit the road Jack” genannt.

Zwei Zugaben vom bereits gehörten Repertoire vervollständigen einen insgesamt doch mehr als zufriedenstellenden Abend. SwingDelight sind eine Band, die man sich merken sollte – und die man sich aber auch mit einem professionellen Sound ausgestattet wünscht. Abgesehen von den Klangproblemen – für die das Haus und nicht die Band verantwortlich zu machen sind – strahlt der Engelsaal einfach zu viel 50er Jahre-Kleintheater-Mief aus, in einem coolen Jazz-Club würde das Vergnügen diesen talentierten Musikern lauschen zu dürfen, sich sicher noch steigern.

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