Traumhaft schön und bewegend – Olga Scheps und das Quatuor Danel in der Elbphilharmonie

Olga Sheps in der ElbphilharmonieOlga Scheps und das Quatuor Danel in der Elbphilharmonie Foto: Cetin Yaman

Olga Scheps überzeugte mit warmem Klang im kleinen Saal. Ansonsten: viele Hamburger brauchen Hustenbonbons!

von Cetin Yaman
Zwei Dinge fallen beim Konzert der in Köln lebenden russischen Pianistin Olga Scheps und dem belgischen Streichquartett  „Quatuor Danel“ bereits nach wenigen Minuten auf: der im Vergleich zum großen Saal wohltuend warme Klang des kleinen Saals der Elbphilharmonie und das anscheinend vorhandene große Hust-Bedürfnis vieler Besucher auf Konzerten. Letzteres nimmt teilweise stark störende Ausmaße an; nur gut, dass die meisten sich wenigstens darauf beschränken, lediglich zwischen den einzelnen Sätzen ihre Atemwege – von was auch immer – zu befreien.

Inhaltlich ist der Abend in jedem Fall gelungen, mit Beethoven (nur das Quatuor Danel auf der Bühne agierend) und Schumann kann man bekanntlich nichts falsch machen. Dass diese Vorträge meisterhaft präsentiert werden, ist bei dieser hochkarätigen Besetzung nicht anders zu erwarten gewesen.

Olga Scheps

Olga Scheps Foto: Cetin Yaman

Entdeckung Komponist Weinberg

Lobenswert ist es, den hierzulande etwas weniger bekannten ehemaligen sowjetischen Komponisten Mieczysław Weinberg mit ins Programm aufzunehmen. Das Klavierquintett f-Moll op. 18 kommt im XXL-Format daher und lässt hin und wieder seinen guten Komponisten-Freund Schostakowitsch anklingen. Etwas melodischer angelegt, ist es ein intensives Werk, das auch jüdische Volksmusik-Elemente involviert. Das für diesen Abend zusammengekommene Quintett mit Quatuor Danel, Marc Danel, Gilles Millet (beide Violine), Vlad Bogdanas (Viola), Yovan Markovitch (Violoncello) und Olga Scheps (Klavier) interpretiert die komplexe Komposition, die eigentlich schon fast orchestrale Dimensionen erreicht und sogar Anklänge von Marsch, Walzer und Tango vereint, hoch konzentriert und beeindruckend. Dialogisch treten Streicher und Piano in Aktion, im Finale wird es zunächst geradezu leichtfüßig, bevor es ganz Ende mit einer gewissen zweideutigen Unsicherheit auszufransen scheint. Olga Scheps‘ große Leistung ist es, sich einerseits komplett in das famose Quartett zu integrieren, andererseits aber auch immer wieder ihre individuelle Klasse am Flügel strahlen zu lassen. Ihr Debüt in der Elbphilharmonie kann man ohne Abstriche als gelungen bezeichnen.

Selfie von der Bühne und spießige Lokalmedien

Zum Schmunzeln fanden viele Besucher, dass die junge Pianistin am Ende ihr Smartphone auspackte und sich und das Publikum mit einem Selfie für die Nachwelt festhielt. Dass man damit in der arg angestaubten Klassik-Kritikerwelt nicht gerade Applaus dafür ernten würde, musste die noch junge Erwachsene Olga Scheps zwei Tage später in einem Hamburger Lokalblatt nachlesen.

Dort fand – der wohl schon sehr betagte – Berichterstatter, dass dies ein unverzeihlicher „Lapsus“ sei. So beweist man nur seine eigene Antiquiertheit, selbst ein so großer Opern-Star wie Anna Netrebko schießt mittlerweile auf der Bühne Selfies. Warum darf das einer wesentlich jüngeren Musikerin nicht erlaubt sein? Und was hat das mit der Qualität eines Konzertes zu tun? Fragen, die sich spießige Lokalredaktionen mal unbedingt stellen sollten. Für Hamburg ist das nicht unbedingt ein „weltoffenes“ Bild, das da in auflagenstarken Publikationen abgegeben wird.

Neu – Olga Scheps spielt Scooter – neue CD

Olga Scheps bewies wenig später erneut wie flexibel sie auch in der Musik mit den Genre-Grenzen umgeht. Die in Köln lebende Russin hat zum 25-jährigen Jubiläum der Techno-Pop-Band Scooter eine CD mit deren größten Hits aufgenommen – eigens von ihr transkribiert auf Solo-Piano, darunter natürlich Knaller wie „The logical Song“, „Nessaja“ und „Bigroom Blitz.  


 

Aktuelle Olga Scheps-CDs:

Tschaikowsky-Klavierkonzert Nr. 1, „Nussknacker“-Konzertsuite u. a. WDR Sinfonieorchester, Carlos Domínguez-Nieto (Sony Classical). 

100% Scooter – Piano Only

Label: Sheffield Tunes Classics / Kontor Records GmbH

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