Niemand tanzt… Der Billstedter Kulturpalast kämpft im Corona-Lockdown

Flashmob im Autokino HeiligengeistfeldKulturpalast Flashmob auf dem Heiligengeistfeld: Niemand tanzt... Foto: Kulturpalast

Niemand tanzt… Ein Hilferuf in der Corona-Zeit vom Kulturpalast Hamburg aus Billstedt.

Wie dringlich dieser Appell ist zeigen die jungen Künstler in einer starken Tanzperformance, die als Flashmob auf dem Autokino Heiligengeistfeld am letzten Freitag stattfand.

Billstedt, ist einer der Hamburger Stadtteile, der sich sicher sein kann, dass er von der links-grünen oder etablierten Kultur- und Medienschickeria kaum zur Kenntnis genommen wird. Entsprechend wenig Geld fließt aus dem Kulturetat in diesen nicht gerade sozial starken und sehr multikulturell geprägten Stadtteil. Die Gründe sind ganz simpel, der Stadtteil hat keine Lobby, kaum Hippster, ist nicht so vernetzt und ist eben nicht so cool, chic und angesagt wie das Karo-Viertel, St. Pauli, Ottensen oder das Schanzenviertel.

Zum Ausgleich dafür sorgt die Politik des SPD und Grünen Senats dafür, dass hier immer wieder neue Immigrantenwellen, für die in den Hamburger In-Stadtteilen angeblich kein Platz ist, am Ostrand der Stadt angesiedelt werden. Wer NIMBY-Politik (Not in my backyard) erleben will, muss sich nur ein HVV Ticket besorgen und mit der U3 in Richtung Osten fahren.

Natürlich gibt es auch Oasen in Billstedt. Wie der Kultur Palast Hamburg, der seit 40 Jahren eines der wenigen Kulturprojekte in diesem Stadtteil ist. Er kann eine lange Geschichte über Tanz und Musik und jene Kids, die in Billstedt und vergleichbaren Randgebieten sonst wenig Unterstützung und Ansprache erfahren, erzählen.

Vierzig Jahre Kulturpalast, das ist eine Chronik von Engagement und Begeisterung junger Menschen, die über den Tanz das erfahren, was andere tagtäglich in ihrem behüteten Heim erleben dürfen. Hier werden mit Kultur Brücken gebaut. Junge Menschen erleben und verinnerlichen jene Werte, die ihnen helfen ein einfacheres Leben als Erwachsene zu leben.

Doch nun… niemand tanzt…

In ganz Hamburg sind seit dieser Woche Plakate der Stiftung Kultur Palast Hamburg zu sehen. Ihre Botschaft: braucht Seele, Kinder brauchen Musik, Kultur und Tanz. Einen großen Preis müssen Jugendliche aus sozial schwachen Stadtteilen während des Corona-Lockdowns entrichten. Sie haben viel weniger Laptops, keinen stabilen WLAN Zugang und leben in beengten Wohnverhältnissen.

Zwar kann der Kultur Palast jetzt unter Auflagen wieder Hip Hop-, Musik- und andere Kurse anbieten. Doch anstelle von 30 bis 40 Teilnehmern pro Kurs treffen sich nun nur sechs bis sieben Kinder zum Training.

Viele Angebote es Kulturpalastes werden durch Spenden und verschiedenste Veranstaltungen, zu denen Menschen aus ganz Hamburg kommen, finanziert. Doch, keine Veranstaltungen, d.h. auch keine Einnahmen. Das Budget schrumpft, die Wartelisten werden länger.

Mehr Infos unter kph-hamburg.de

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