Süsser Terror – Horst Janssens sehenswerte erotische Phantasien

Horst Janssen ohne TitelAquarell - Horst Janssen ohne Titel 1977

Qualvoll oder sanft, Horst Janssen imaginäre Liebeswelten in der Galerie St. Gertrude

Wäre eigentlich ein Künstler wie Horst Janssen heute, in den Zeiten des Gender-Mainstreamings, der Political Correctness und der neuen Prüderie, noch denkbar? Wahrscheinlich schon, denn, Zeitgeist war für Horst Janssen nicht der Maßstab für seine Arbeiten. Horst Janssen hat in unterschiedlichsten Techniken eine große Anzahl von motivischen Variationen zum Thema des Erotischen geschaffen und nie das Gegenständliche verlassen.

Das Affenmädchen

Horst Janssen – Das Affenmädchen, Aquarell und Feder, 1992

In seinem Werk nehmen vor allem Paarbilder einen breiten Raum ein: Weibliche Akte im gegenüber von Frauen, Männern, Tierfiguren, Voyeure oder anderen Zuschauern bieten dem Betrachter eine breite Palette von Differenzierungen erotischer Phantasien an.

Offenheit und Ehrlichkeit

Aktuell kochen gerade etliche erotische Skandale in Politik und Kultur hoch. Plötzlich wird die Mauer des Schweigens durchbrochen und das Umfeld sagt, davon hatten wir Kenntnis… Nur,warum wurden dann sexuelle Übergriffe von einflussreichen Persönlichkeiten so lange verschwiegen und gedeckt? Das ist die eigentliche und aktuelle Frage.

Horst Janssen Antwort war schon immer schonungslose Offenheit und Ehrlichkeit. Damit hat sich der Künstler natürlich keine Freunde gemacht. Etliche Kritiker haben ihn verachtet, weil er hartnäckig am Gegenständlichen festhielt und ihm so, einem künstlerischen Todesurteil gleich, das Etikett des Dekorativen aufgedrückt.

Annettchen Lachen

Horst Janssen – Annettchen Lachen, Farbradierung, 1992

süsser Terror

„süsser Terror“– eine von Janssen gewählte Bildunterschrift eines Aquarells aus der Drollerei-Serie (1991) – stellt einen thematischen Akzent der Auswahl in der Galerie St. Gertrude dar. Von interessierter Seite wurde seine Arbeiten gern als sadomasochistisch und pervers kritisiert. Nur einmal so angemerkt, eine Hauptgruppe der Leser von „Fifty Shades of Grey“ sind jüngere Frauen. Oder, reale SM-Praktiken kann heute jeder erleben, wenn er versucht mit einem Mobilfunkunternehmen via Callcenter zu kommunizieren.

Zahlreiche Szenen sanfter Liebe sind als Gegenpol zu den qualvollen Lustspielen zu sehen. Die surreale Verfremdung erinnert an Kuss-Ikonen eines Peter Behrens oder Edvard Munchs, die die Liebe in ihrer entgrenzenden Dimension zeigen. 

Am Ende seines künstlerischen Lebens hat Horst Janssen im Zusammenhang mit seinen Bobethanien-Landschaften (1990) von sich gesagt: „[…] ich will kein Künstler – ich möchte ein LIEBENDER sein, der die Krankheit Liebe per Zeichnung pflegt.“

Frühe Holzschnitte, feinausgeführte Blei- und Farbstiftzeichnungen sowie Druckgrafiken aus allen Schaffensphasen bieten ein hochkarätiges Anschauungsmaterial für Janssens imaginäre Liebeswelten, in denen er seine sublimen Sehnsüchte, aber auch seine gewaltbesetzten Phantasien auslebte.

Die Ausstellung lädt in diesem Sinne dazu ein, einen intimen Blick auf das Werk eines bedeutenden Hamburger Künstlers des 20. Jahrhunderts zu werfen.

süsser Terror – Arbeiten von Horst Janssen in der Galerie St. Gertrude

Wann:
Vernissage am 09. November 2017 ab 19.00 Uhr
Laufzeit:  10.11. – 22.12.2017
Öffnungszeiten: Di. – Fr. 10 .00 – 18.00 Uhr, Sa. 11.00 – 15.00 Uhr 
und nach Vereinbarung
Wo:
Galerie und Verlag St. Gertrude, Goldbachstraße 9 – 22765 Hamburg Altona
info@st-gertrude.de – www.st-gertrude.de

 

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