Till Brönner: The Good Life – fängt mit einem guten Konzert an

Till Brönner: The Good LifeTill Brönner und Band in der Hamburger Laeiszhalle stellen das neue Album: The Good Life vor Foto: GH

„The Good Life“ – Till Brönner präsentiert in Laeiszhalle sein neues Album.

von Cetin Yaman
„The Good Life“ lautet der Titel des neuesten Albums von Till Brönner und genau so ein gutes Leben führt auch der derzeit bekannteste deutsche Jazz-Musiker. Erst im April dieses Jahres wurde der Star-Trompeter von US-Präsident Barack Obama ins Weiße Haus eingeladen, um mit 45 internationalen Kollegen den International Jazz Day der UNESCO mit einem Konzert zu feiern. Das gute Leben zelebrieren auch seine neuen Songs, die er in der Laeiszhalle vorstellte.

Die Band

Brönners Band mit Christian von Kaphengst (Bass), David Haynes (Drums), Jasper Soffers (Piano) und Magnus Lindgren (Saxophon) stellt ebenfalls die erste Sahne der Jazz-Szene dar, das wurde bereits nach den ersten Songs schnell deutlich. Ein warmer Klangteppich breitete sich beim Opener „3 days of the Condor“ von Dave Grusin aus. Mit reichlich Zwischenmoderation – manchmal einen Tick zu viel – ausgestattet, erfährt der Besucher so einiges warum weshalb wieso Till Brönner sich zu den diversen Coverversionen entschlossen hat.

Die Songs

Eigenkompositionen kommen aber auch vor, so zum Beispiel „O que resta“ und „Her smile“, beide vom neuen Album. Dass er nicht nur als Trompeter überzeugen kann, sondern auch als Künstler in anderen Bereichen, hatten die Hamburger bereits im Frühjahr dieses Jahres auf seiner Fotoausstellung bestätigen können. Doch mit dem eigenen Gesang ist es so eine Sache, viele Jazzer nehmen zusätzlich Vocalsongs in ihr Repertoire auf, da man damit vermeintlich größere Chancen im Mainstream-Markt hat. Reine Instrumental-Alben sind eben nichts für den Massengeschmack, aber ob man dabei wirklich selbst zum Mikrofon greifen muss, ist zumindest diskussionswürdig.

Im Falle Nils Landgren beispielsweise geht das in Bereiche über, für die schon eher das Etikett „Kuschelrock“ als Jazz angebracht ist. Immerhin beweist Brönner bei der Auswahl seiner Lieder ein glückliches Händchen, „Love is here to stay“ (Gershwin Brüder) und „Change partners“ (Irving Berlin) passen gut in das Konzept seiner neuen Veröffentlichung (im Gegensatz zu Landgren, der sich auch gern mal an 80er Jahre-Poprock-Hits wie „Broken Wings“ vergreift).

Spätestens bei „In the wee small hours of the morning“ weiß man allerdings, dass die Stärken von Brönner ebenfalls in seinem Instrument liegen.Unweigerlich kommt einem als Zuhörer die allererste Version dieses Klassikers von Frank Sinatra in den Sinn; mit der Stimmgewalt und dem facettenreichen Ausdruck von Ol‘ Blue Eye kann der Trompeter aus Nordrhein-Westfalen in keiner Weise mithalten. Die musikalische Interpretation ist allerdings schön gelungen und keine 1:1-Kopie des Originals. Überhaupt ist Till Brönner nicht unbedingt der große Innovator der Jazz-Musik, aber seine Werke überzeugen und rein handwerklich betrachtet gehört er sowieso zu den Großen. Das Hamburger Publikum fand jedenfalls viel Gefallen an seinem Konzert.

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