Die Entdeckung des Himmels, gefeierte Premiere im Altonaer Theater

Die Schauspieler Tobias Dürrund Franz-Josef Dieken auf der BühneDie Entdeckung des Himmels - Tobias Dürr Franz-Joseph Dieken (vl) © G2 Baraniak/Gimpel

Am Sonntagabend hatte „Die Entdeckung des Himmels“ nach Romanvorlage von Harry Mulisch Premiere im Altonaer Theater.

Das war am Sonntagabend bei der Premiere schon Theaterkost von der nicht milden Sorte. Das Altonaer Theater hat sich an einen Wälzer von Harry Mulisch herangewagt und „Die Entdeckung des Himmels“, mit rund 900 Seiten auf 75 Seiten Testbuch extrahiert.

Axel Schneiders Rezept dabei, er löste die wahrlich mäandernde Vorlage mit den vielen Wortspielen, Assoziationen in viele kleine Einzelszenen vor einem puristischen, wie auch gelungenen, Bühnenbild auf. Für die Schauspieler hieß das Aufstellungwechsel fast im Minutentakt.

Das Altonaer Theater hat Mut bewiesen

Denn Harry Mulisch Romanerfolg hat eigentlich nur zwei Lesergruppen, die, die ihn verschlungen haben und die anderen, die nach spätestens 37 Seiten kapitulieren und lieber zu typisch bewegende Bestseller-Literatur wie „Drei Schwestern und das Meer“ oder „Carola – eine Frau kämpf um ihre Liebe“ greifen.

Mutig, als Privattheater hat sich das Altonaer Theater an ein Stück gewagt, dass man eher auf einer staatlichen Bühne, wie dem Malersaal oder dem Thalia Gaußstraße, vermuten würde.

So ist es auch mit dem Stück, Harry Mulisch ist eine Herausforderung und wer seinen Roman nicht kennt, der wird einige Zeit benötigen, um sich im Stück zurechtzufinden.

Man merkt der Vorlage auch an, dass sie weit vor den #meetoo-bewegten Zeiten entstanden ist. Denn, die beiden Macho-Narzissten Onno (Franz-Joseph Dieken) und Max (Tobias Dürr), die sich im Sekundentakt Wortgefechte liefern, wirken wie aus der Zeit gefallen. Heute würden sie im Wochentakt Twitter-Shitstorms ernten. Dabei gab es zwar ein wenig unfreiwillig Komik, doch leider nicht mehr, denn Harry Mulisch Vorlage ist schon in ihrer intellektuelle Schärfe positiv verrückt.

Katastrophen und andere Kleinigkeiten

Handlungsgrundlage ist, wie kann der Himmel die Tafeln mit den Zehn Geboten wieder zurückbekommen. Denn, der Vertrag, den Gott mit den Menschen geschlossen hat (Gründe gäbe es dafür wahrlich mehr als genug) soll aufgelöst werden.

 Nadja Wünsche, Sandra Quadflieg auf er Bühne
Die Entdeckung des Himmels – Engel als Top-Management-Assistentinnen:
Nadja Wünsche, Sandra Quadflieg (c) G2 Baraniak/Gimpel

Assistentinnen im Top-Management: Engel

Die beiden Engel Nadja Wünsche und Sandra Quadflieg, im Stil von coolen Top-Management-Assistentinnen, lassen sich da einiges einfallen um den Lauf der Dinge zu beeinflussen. Allerdings, dass hat mit den Taten der üblichen netten Kitsch-Engel wenig gemeinsam.

Dabei sind sie nicht allzu zimperlich. Von Autounfällen, Beischlaf oder Weltkriegen und anderen Kleinigkeiten ist alles dabei. Im besten deutschen Sinn, heiligt hier der Zweck die Mittel.

Sandra Quadflieg auf der Bühne
Die Entdeckung des Himmels Sandra Quadflieg zwischen den schwebenden Holzwänden
© G2 Baraniak/Gimpel

Das Bühnenbild von Ricarda Lutz ist so einfach wie effektvoll. Große Holzwände werden nicht nur hin- und hergeschoben. Sie sind auch Projektionsfläche für einen Sternenhimmel, chemische Formeln, religiöse Motive, Buchillustrationen oder Barlachs Mose mit den leeren Gebotstafeln, mit der Frage: „Wie wollen wir miteinander leben?“

Theaterstück die Entdeckung des Himmels
Die Entdeckung des Himmels: Franz-Joseph Dieken, Johan Richter, Sandra Quadflieg
© G2 Baraniak/Gimpel

Als der junge Quintin (Johan Richter) im zweiten Akt dann ins Spiel kam, erhielt die rasante Abfolge eine kräftige Dosis frisches Theaterblut. Ging es doch nun darum, die angeblich in Rom versteckten Zehn Gebotstafeln aufzuspüren. Da blitzte die satirische Wucht der Vorlage auf.

Die Entdeckung des Himmels“ – eine interessante, etwas sperrige Herausforderung

Das Motto des Altonaer Theaters ist „Wir spielen Bücher“. Die Herausforderung ist dabei nicht nur der Text, sondern der Geist, die Quintessenz, der Vorlage. Hier wäre mehr Mut zu Ironie, Sarkasmus und Satire angebracht gewesen. Die Konstellation Onno und Max hätte das hergegeben.

Der Abschlussapplaus des Premierenpublikums war reichlich. Besonders Johan Richter profitierte davon. Alle anderen Schauspieler wussten ebenso in ihren Rollen zu überzeugen.

Sehenswert ist „Die Entdeckung des Himmels“ besonders für Menschen, die den Roman von Harry Mulisch gelesen oder sich mit der Thematik auseinandersetzt haben. Sie werden diese Produktion gern sehen und ihr Vergnügen haben. Viele klassische Theaterabo-Inhaber sollten sich vorher schon etwas einlesen, wenn sie den Abend im Altonaer Theater in allen Facetten genießen möchten. Das Stück läuft noch bis zum 16. Februar 2020.

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