Hamburger Kammerspiele bringen den HSV auf die Bühne

Heiß auf 2. Ligaheiß auf 2. Liga in den Hamburger Kammerspielen: Hannelore Droege, Gil Mehmert, Björn Bonn, Ann-Cathrin Sudhoff Foto: Anatol Kotte

König Fußball war wohl der Autor des neuen Stücks: „Heiß auf 2. Liga“ in den Hamburger Kammerspielen

Fußball braucht eigentlich kein Theater, denn Drama, Komödie, Tragödie, Humoreske oder Farce hat jeder Bundesliga-Club fast immer im Spielplan auch ohne Verlängerung. Ob auf dem Rasen, der Tribüne, in der Umkleide oder in der VIP-Lounge, langweilig wird es selten. Für dramatische Zuspitzungen oder Einlagen sorgen Spielerfrauen und die ominösen Berater. Wenn gar nichts mehr geht, kommen Teppichluder zusammen mit dem unermüdlichen Einsatz der Zeitung mit den vier großen Buchstaben zum Einsatz. Rein statistisch gesehen, gehen die meisten Fußballer eher selten ins Theater. Warum auch, sie erleben es mehr oder weniger täglich. Und von den Gehältern können Schauspieler sowieso nur träumen.

Ein Abend ohne Rasen, Bälle, Fußballer und VIP-Lounge

Da geht doch was, dachten sich die Hamburger Kammerspiele und bekanntlich schreibt das reale Leben stets die besten Geschichten. Zum Glück haben wir in Hamburg mit dem HSV einen Fußballverein, der dafür eine perfekte Blaupause liefert. Kein Autor hätte sich solche Akteure, Handlungen und Stories ausdenken können.

Mit „Heiß auf die zweite Liga“ werfen die Hamburger Kammerspiele das Fußball-Karussell an. Diese Mischung aus Misswirtschaft, Intrigen, Sponsor-Millionen, Vereinsmeierei und Erfolglosigkeit aufm Platz ist leider (oder zum Glück?) einmalig. 

 

Wenn Lotto King Karl im Volksparkstadion „Hamburg meine Perle…“, intoniert,die Rot-Hosen des HSV auf den Rasen laufen, dann kocht die Stimmung. Seit Jahren laborierte der HSV mit Vorliebe in der Abstiegszone der 1. Bundesliga, aber zum Saisonende konnte stets das Unfassbare, der Abstieg, vermieden werden. Doch in der letzten Saison kam das Aus für den Bundesliga-Dino. Der Abstieg war da und auf den Tribünen gab es heftige und unschöne Fantumulte. 

Hamburg hat jetzt mit dem HSV und dem FC St. Pauli zwei Zweitligavereine und zum Auswärtsspiel kommt man mit einem HVV-Ticket aus. Bitter, aber schnell hieß es: „Heiß auf 2. Liga“. Alles neu, alles auf Anfang!

Das Spiel ist diesmal im Theater und nich aufm Platz

Die Abstiegskomödie “Heiß auf 2. Liga” bringt der Regisseur Gil Mehmert auf die Bühne der Hamburger Kammerspiele. Schon mit dem Musical „Das Wunder von Bern“ und dem Günter Netzer Film „Aus der Tiefe des Raumes“ hat er seine Fußballexpertise bewiesen. Mehmert ist für seinen besonderen Regiestil, der mehrfach mit Preisen ausgezeichnet wurde, bekannt. 

Seine Theaterszenen sind mit „choreographiert“ nur unzureichend beschrieben. Sie ergießen sich förmlich über die karg möblierte Bühne. Verkopftes Stadttheater ist nicht sein Ding. Lieber setzt er kunstvoll Pointen und auf solides Theater-Handwerk. Wie heißt es so schön: „Das Spiel ist diesmal im Theater und nich aufm Platz.“

Uraufführung für „Heiß auf 2. Liga“ ist am 24. September um 19.30 Uhr in den Hamburger Kammerspielen. Aufführungen gibt es anschließend mehrmals pro Woche bis zum 17. November 2018. Letztendlich bleibt eine Frage offen, wer bietet in dieser Saison mehr Theater? Der HSV oder die Hamburger Kammerspiele? Wir sind gespannt.

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