Traumberuf Comiczeichner: Illustrator Carsten Mell zeigt wie es geht und berichtet über Trends

Schneidi Copyright Carsten MellSchneidi Copyright Carsten Mell
Carsten Mell hat es geschafft: Der 38-Jährige Comiczeichner ist bundesweit einer der gefragtesten Illustratoren. Seine Kundenliste ist lang: So hat er bereits für Unternehmen wie Warner Brothers, McDonalds, BMW, Lufthansa, Porsche, Birkenstock sowie das Magazin SPIEGEL und die Welt am Sonntag gearbeitet. Eins seiner Lieblingsprojekte ist im Moment Schneidi. Dabei handelt es sich um einen Milchzahn, dem der zweifache Familienvater mit einem Comic das Leben eingehaucht hat. Im Interview mit Alexander Hauk berichtet der gebürtige Kölner über seinen Entwicklungsweg sowie über Trends und gibt Einsteigern Tipps.

Als Comiczeichner wird man nicht geboren. Was war als Kind Ihr Traumberuf?
Ganz am Anfang wollte eine Warenhauskette besitzen und zeichnete fleißig „C & M“, meine Initialen, statt „C & A“. Aus der Warenhauskette wurde nichts, aber das Zeichnen habe ich beibehalten.

Wie sind Sie zum Comiczeichnen gekommen?
Asterix und Garfield waren meine Einstiegsdroge als Kind. Ich zeichnete bald eigene Geschichten und schließlich machte ich mein Hobby zum Beruf. Was hier so simpel klingt, war natürlich mit Schweiß und Glück verbunden. So lernte mein Vater just in dem Moment, wo ich einen Praktikumsplatz für mein Studium benötigte, den Leiter einer Werbeagentur kennen. Nach Abschluss meines Praktikums übernahm man mich als Freiberufler und so zeichnete ich beruflich.

Wie würden Sie Ihren Stil beschreiben? Gibt es dafür Vorbilder?
Mein Stil ist eine Mischung aus amerikanischem und europäischem Stil. Und er variiert stark nach Auftraggeber. Er hängt zum Beispiel davon ab, ob es ein Motiv für eine Kinderzielgruppe oder aber eine Zeitungsillustration für Erwachsene sein soll. Meine Vorbilder sind etwa Stephen Silver, Characterdesigner für Disney und Alex Woo, Story Artist bei Pixar. Aber auch Klassiker wie Asterix oder Hägar.

Der Illustrator Carsten Mell mit Schneidi

Der Illustrator Carsten Mell mit Schneidi

Wie hat sich Ihr Stil in den vergangenen Jahren entwickelt?
Die Kolorierung und die Zeichnungen werden ausgefeilter. Ich bilde mich konstant weiter mit Fachliteratur und Online-Seminaren. Der Lernprozess ist lebenslang.

Welches waren bisher Ihre größten und wichtigsten Projekte?
Das „SPIEGEL“-Titelbild war wohl für sich gesehen die wichtigste Publikation. Jede Aufgabenstellung hat ihren Reiz und es müssen nicht unbedingt große Etats sein, ich zeichne auch sehr gern für Kleinunternehmen, ich bin schließlich selber eins.

Welche Objekte zeichnen Sie am liebsten? Warum?
Tiere mit menschlichen Eigenschaften sind mein Favorit. Dadurch kann man der Menschheit so herrlich den Spiegel vorhalten.

Im Moment arbeiten Sie unter anderem an der Comicfigur „Scheidi, der Milchzahn“. Was ist das Besondere an Schneidi?
Er ist ein Zahn mit menschlichem Habitus, Extremitäten und einem Gesicht. Eigentlich ist es erstaunlich, welche Figuren und Wesen bisher für Zahngesundheit herhalten mussten: Es gibt Biber, Waschbären, Schildkröten sogar. Dass vorher noch niemand auf die brillante Idee kam, einen tatsächlichen Zahn zu verwenden, hatte mich völlig überrascht.

Ein Schneidi-Buch ist bereits fertig. Welche Abenteuer mit Schneidi sind noch geplant?
Mindestens so viele, wie es Milchzähne gibt. Aber auch seine Widersacher sind zahlreich. Ich denke, da gibt es keine Grenzen.

Welchen Rat haben Sie für junge Comiczeichner?
Unbedingt einen eigenen, unverwechselbaren Stil zu entwickeln, statt andere zu kopieren. Der Markt für den hunderttausendsten Manga-Zeichner, der genau so aussieht wie alle anderen zuvor, ist dünn und wird dünner.

Zeichnen Sie noch mit Stiften auf Papier und mit welchen Produkten und Marken arbeiten Sie?
Mittlerweile arbeite ich ausschließlich digital auf einem Grafiktablett von WACOM und an Rechnern von Apple.

Wie sehen Sie im Moment den Markt für Comiczeichner?
Der Comic hat mit zunehmender Konkurrenz zu kämpfen. In meiner Kindheit gab es kein Internet und nur drei Fernsehkanäle. Da sieht es heute grundlegend anders aus. Es gibt zwar auch Erfolgsgeschichten von Mutigen, die ihre Veröffentlichung online selbst in die Hand nehmen, grundsätzlich aber ist der Markt für Comics schwierig, zumindest im Verlagsbereich.

Wie gehen Sie an einen Auftrag ran? Wie lange dauert gewöhnlich die Umsetzung?
Das hängt vollkommen vom Auftraggeber ab. Es reicht von „wir planen in den nächsten Wochen, …“ bis hin zu „Haben Sie in den nächsten anderthalb Stunden schon etwas vor?“. Ich suche anfangs nach Referenzen im Internet, entwickle durch Skizzen, optimiere, verwerfe. Wenn es denn die Headline zulässt.

Gibt es ein Ziel, das Sie in den kommenden Jahren erreichen wollen? Wenn ja, welches?
Mehr internationale Arbeit ist mein Ziel. Ebenso habe ich eine eigene Comicgeschichte entwickelt, die zur Zeit bei diversen Verlagen liegt. Und ich möchte einen Verlag gründen mit meinen eigenen Produkten, wie Postern, Puzzeln und Memoryspielen.

Wie und wo kann man das Comiczeichnen erlernen?
Es ist kein klassischer Lehrberuf mit IHK-Zertifikat und es gibt keine zwei gleiche Wege zu diesem Ziel – mittlerweile gibt es in Deutschland Institutionen wie die Comicademy. Ich selbst habe in Düsseldorf an der FH Grafik-Design studiert und bilde mich konstant weiter.

Vielen Dank für das Interview.

 

Weitere Informationen:
http://www.carstenmell.com

 

 

 

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