Retro-Trend in Hamburg: subtil und überall

Frau mit kopftuch und Coca Cola FlascheFoto: pxhere.com - Licence: CC0 Öffentliche Domäne

Vergangenheit und Moderne lassen sich sehr gut mischen, der Retro-Trend bietet den lebendigen Beweis dafür. In Hamburg finden sich eindrucksvolle Beispiele beinahe an jeder Ecke und es bereitet Freude, ihnen auf die Spur zu kommen.

Ganz neu, trotzdem klassisch gestaltet: das Schmidtchen Theater

„Klein, frech und experimentierfreudig“, so sehen die Betreiber ihr Schmidtchen Theater an der Reeperbahn. Die kleine Spielstätte existiert erst seit 2015 und gibt sich entsprechend modern.

Das Schmidt Theater
Das Schmidt Theater an der Reeperbahn © ganz-hamburg.de

Doch wirft man einen Blick in die Innenräume, kommen altvertraute Theatergefühle auf: Der schwere rote Vorhang, die Backsteinwände, die edle Bestuhlung mit den roten Polstern und die kerzenartige Beleuchtung erinnern doch gemeinsam sehr stark an frühere Zeiten.

Das erscheint im Grunde auch völlig korrekt, denn schließlich handelt es sich beim Theaterspielen um eine historische Kunst, die sich immer wieder neu aufbereiten lässt. Das typische Theater-Ambiente gehört auch heute noch mit dazu, möge das Programm auch noch so zeitgenössisch sein.

Die Räumlichkeiten sind übrigens multifunktional ausgelegt, wie es in modernen Etablissements sein muss. Auf etwa 350 Quadratmetern finden 80 bis 200 Zuschauer Platz, je nachdem, ob es sich um eine Veranstaltung mit Stühlen oder ohne handelt. Wer mag, kann sich das Theater auch für private Zwecke mieten, um das doch recht eindrucksvolle Flair für sich zu nutzen.

Gemütliche Bars im typischen Hamburger Retro-Stil

Ähnlich verhält es sich mit zahlreichen Bars im selben weltbekannten Viertel. Die beschauliche Gastronomie Möwe Sturzflug setzt beispielsweise auf schummriges Licht und Oma-Möbel, die zusammen eine ungeheure Gemütlichkeit aufkommen lassen. Die Tapeten sehen aus, als hätte bereits jemand versucht, sie von der Wand zu kratzen. Die Getränkekarte gibt sich auf skurrile Art traditionell: Hier ist beispielsweise ein „Möwenschiss“ verzeichnet, der aus Korn, Sahnemeerrettich und Pumpernickel besteht. Wahrscheinlich hat diesen seltsamen Drink schon Hans Albers zu seinen besten Zeiten genossen.

Und dann wäre da noch das weltbekannte Lokal Zur Ritze, das seit 1974 existiert und sein Image seitdem kein Stück gewandelt hat. Die Eingangstür zieren wie eh und je zwei gespreizte Frauenbeine. Wer diese Pforte passiert, den erwarten seit über vierzig Jahren leckere Biere, Weine und Schnäpse – Cocktails kommen nicht auf den Tisch. Es gibt schließlich keinen Grund, sich dem Zeitgeist anzubiedern, oder?

Spielcasino bei Nacht
Das Spielcasino Hamburg Esplanade © ganz-hamburg.de

Spielbanken greifen einen beliebten Evergreen auf

Die Stadt Hamburg ist nicht nur wegen seiner lebendigen Kneipenszene international beliebt, auch die großen Spielbanken locken Gäste aus allen Nationen an. Der Retro-Trend hat auch das Casino Esplanade und Schenefeld erreicht, daran führte wohl kein Weg vorbei. Klassisch gestaltete Spielautomaten, die an die alten einarmigen Banditen von Las Vegas erinnern, gehören schon lange zum Repertoire spezialisierter Online Casinos wie 777 Deutschland.

Der Trend, sich den Ursprüngen des digitalen Storytellings und der kunstvollen Graphik zuzuwenden, wurde inzwischen auch von den beiden Hamburger Locations aufgegriffen. Außerdem tragen im Esplanade Frauen wie Männer gehobene Abendkleidung und die regelmäßig stattfindenden Events werden verstärkt mit Live-Musik und Entertainment gerahmt: Genau so, wie es „damals“ war – aber immer noch modern und typisch für Hamburg.

Alter Spielautomat auf dem Flohmarkt
Der einarmige Bandit hat die Zeiten überdauert Bild von Kerstin Herrmann auf Pixabay

Street-Art wie aus alten Zeiten: Hingucker auf Hamburgs Straßen

Die Street-Art der Elbmetropole hat viele Gesichter, einige sind absolut modern, andere wiederum erscheinen herrlich out of time. Wer mit offenen Augen durch die Stadt geht, der erkennt bestimmte Motive immer wieder, wie zum Beispiel die SuperFatCat. Hierbei handelt es sich, wie der Name schon sagt, um eine superfette Katze, die an den aus alten Zeiten bekannten Garfield erinnert. Allerdings ist dieses Tier nicht unbedingt rot getigert, sondern vielfarbig und mit einer facettenreichen Mimik gesegnet. Ähnlich retromäßig kommt Marshal Arts rüber, ein Street-Artist, der mit Schablonentechnik arbeitet. Viele seiner Figuren sind rein fiktiv, andere wiederum entstammen dem wirklichen Leben. Teilweise sind politische Anspielungen enthalten, aber immer überkommt den Betrachter das Gefühl, alles schon einmal vor Jahrzehnten gesehen zu haben.

Läden mit schöner Vintage-Mode sind weit verbreitet

Wer Vintage-Klamotten shoppen möchte, ist in Hamburg absolut an der richtigen Adresse. Hier haben sich ziemlich viele kleine Läden mit schöner Retro-Mode angesiedelt, die es zu durchstöbern lohnt. Gerade die jugendliche Underground-Szene fährt absolut auf alte Styles und Second Hand ab, und findet zum Glück mehr als genügend Stoff, um ihre Lust am Verkleiden zu stillen.

Das Vintage & Rags beispielsweise, das sich etwas versteckt in der Altstadt befindet, gehört zu den wahren Klassikern der Stadt. Auf zwei Etagen breitet sich ein echtes Eldorado für Retro-Fans aus, bestehend aus einer großen Zahl von Vintage-Schätzen mit moderaten Preisen. Auch das Pick’n Weight entfaltet seinen eigenen Charme, hier wird nach Gewicht der Ware bezahlt. Der gut sortierte Shop bietet ausschließlich Second-Hand-Artikel an, die teilweise aus anderen Jahrzehnten stammen. Und auch im Hot Dogs wird schnell klar, dass sich ziemlich viele Einwohner der norddeutschen Stadt auf einem entspannten Retro-Trip befinden. Der Laden ist fast schon legendär, er liegt im Karoviertel, das ohnehin reich an Vintage-Shops ist. Hier sieht alles irgendwie irre und exzentrisch aus, doch nebenbei auch reichlich schick.

Tonarm und Schallplatte
Schallplattenspieler Bild von Pexels auf Pixabay

Vinyl war nie out: Plattenläden säumen Hamburgs Straßen

Es war einmal … die Schallplatte. Und sie ist immer noch! Plattenläden haben in Hamburg dauerhaft Hochkonjunktur, erstaunlich viele Menschen stehen noch immer auf musikalisches Vinyl.

Das Freiheit & Rosen gehört zu den Geschäften, die dauerhaft gut besucht sind, weil sie Relikte aus alten Zeiten anbieten, die heute noch begehrt sind. Die Räumlichkeiten sind labyrinthartig gestaltet, Kunden müssen sich hier sprichwörtlich durchwühlen, weil die Regale bis zum Rand vollgestopft sind. Hin und wieder lassen sich auch echte Sammlerstücke ausgraben, doch dafür braucht es ein bisschen Geduld und ein wirklich gutes Auge. Michelle Records macht sich schon seit mehr als vierzig Jahren direkt am Hamburger Hauptbahnhof breit, hierher reisen durchaus auch Musikfans aus anderen Städten an.

Die Schaufensterkonzerte dieses Ladens haben ihm darüber hinaus einen gewissen Ruhm eingebracht, doch auch die angebotenen Waren können sich sehenlassen. Die Auswahl reicht von aktuellen Neuheiten bis zu teuren Raritäten, Hauptsache, das Produkt besteht aus schwarzem Vinyl.

Die Hanseplatte ist der „hamburgischte“ von allen Plattenläden, denn hier kommen ausschließlich hanseatische Musikstücke in die Tüte. Dabei ist es ganz egal, ob die Künstler schon altbekannt oder ganz neu sind, sie müssen ihre Musik nur auf Schallplatte herausbringen, um im Laden vertreten zu sein.

Kultige Hotels mit gemütlich-historischem Charme im Retro-Trend

Wer Lust hat, der kann in Hamburg auch retro übernachten. Das Hotel Henri in der Bugenhagenstraße 21, bietet sich hierzu an, es ist zentral gelegen und bietet vintage Gemütlichkeit im Stil der 1950er und 1960er Jahre.

Die Lobby vom Hotel Henri Hamburg
Die Lobby des Hamburger Hotel Henri – eine Hommage an die Kontorhauskultur der 1950er und 1960er Jahre © ganz-hamburg.de

Schon die Möblierung der Lobby des sehr beliebten Hotels weist darauf hin, dass moderne Möbelgeschäfte an diesem Refugium rein gar nichts verdient haben. Das Frühstück findet in einer behaglichen Landhausküche statt, die Getränke werden im Retro-Kühlschrank dargeboten.

Kibbybereich
Impressionen aus dem 25h Hotel Number One in Hamburg Bahrenfeld © ganz-hamburg.de

Das 25hours Hotel Number One schlägt in dieselbe Kerbe, allerdings etwas eleganter. Die alten Möbelstücke stammen in etwa aus den 60er bis 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, sie werden durch angenehm warme Beleuchtung ins rechte Licht gesetzt.

Gestaltet wurde das Interieur vom Kreativbüro Dreimeta aus Augsburg, das Hotel war das erste der 25hours-Kette. Es verfügt über eine gemütliche Terrasse, wo es Burger und Pommes zu essen gibt – und in der Lobby gibt es einen interessanten Mix regionaler Produkte zu kaufen. 128 Zimmer stehen zur Auswahl, jedes von ihnen entfaltet auf seine individuelle Weise betörenden Retro-Charme.

Historische Liebhaberstücke für die eigene Wohnung

Und dann gibt es natürlich noch die Leute, die nicht nur für ein paar Tage, sondern dauerhaft in historisch angehauchter Umgebung wohnen möchten. Dafür hat Hamburg ebenfalls die passende Lösung parat: eine wirklich breite Palette an Möbelläden, die sich ausschließlich auf gute, alte Stücke konzentrieren. Ein prominentes Beispiel hierfür bietet das 7. Zimmer, das nicht im Verkauf, sondern auch im Verleih tätig ist.

Die Möbel aus diesem Shop dienen diversen Requisiteuren regelmäßig als ästhetische Foto-Objekte, zu Beispiel für Wohnmagazine und Ambientebilder. Sogar ein ehemaliger Heuboden gehört zu diesem Laden, dessen Verkaufsräume mehr als prall gefüllt sind mit antikem Krimskrams fürs Dekorieren, Wohnen und Wohlfühlen.

Einrichtungsfreunde, die es deutlich exklusiver mögen, wenden sich ans Auktionshaus Lauritz, das luxuriöse Antiquitäten unter den Hammer bringt. Der zugehörige Showroom in der Großen Elbstraße präsentiert auf 1000 Quadratmetern Fläche zahlreiche Liebhaberstücke und kostbare Retro-Objekte. Natürlich lässt sich das alles auch online ansehen, aber in natura kommen die Gegenstände noch ein gutes Stück besser rüber. Der Einkauf erfolgt allerdings auch dann über das Internet, wenn der Kunde mitten im Laden steht – per Gebot, nicht zum Festpreis.

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