Tätowierte Hansestadt – Lebendige Hamburger Tattoo Tradition

Anker Tattoo auf FrauenbeinAnker Tattoo - ziemlich maritim Bild Flickr Anchors Away! Alex Bellink CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

Tattoos gehören zu Seefahrern wie die Matrosen zum Hamburger Hafen. Das ist schon seit den 1870er-Jahren so und nahm in St. Pauli seinen Anfang.

Hier auf dem Kiez tätowierte der ehemalige Porzellanmaler Karl Rodemich Matrosen und Arbeiter aus der Unterschicht mit vornehmlich maritimen Motiven – noch ganz martialisch mithilfe einer spitzen Nadel. Christian Warlich stach da schon unter bessere hygienischen Bedingungen und erreichte somit eine deutliche Qualitätssteigerung im Gewerbe. Herbert Hoffmann war es letztendlich, der die Tattoo-Szene auch für den Rest der Gesellschaft populär machte.

Bis heute hat sich die Tätowier-Kultur in der Hansestadt wacker gehalten – vieles hat sich verändert, anderes ist beim Alten geblieben. Wer Flash-Tattoos albern findet, hat also mehr als genug Gelegenheit, es den Seefahrern des 19. Jahrhunderts gleichzutun. Wir erklären, worauf man bei einem guten Tätowierer achten muss und wo die besten Studios zu finden sind.

Was ein gutes Studio ausmacht

Natürlich kann man sich auf der Suche nach einem Studio an den Kundenrezensionen auf Online-Portalen wie Yelp orientieren. Dabei sollte man aber im Kopf behalten, dass nicht der Preis, sondern die Qualität der ausschlaggebende Faktor ist: Grundsätzlich sollt man nur Tätowierern vertrauen, die eine offizielle Gewerbeanzeige vorweisen können. Ein sauberer Arbeitsplatz ist in der Nähe von Nadeln sowieso absolute Pflicht: Ein Fachmann wechselt nach jedem Kunden seine Handschuhe, desinfiziert die Haut des Kunden und verwendet einen elektronischen Sterilisator für sein Besteck. Was die Kunstfertigkeit anbelangt, sollte man weniger auf die langjährige Berufserfahrung und mehr auf ein überzeugendes Fotoalbum mit vergangenen Motiven wertlegen.

Und auch, wenn man den Tätowierer seines Vertrauens bereits gefunden hat, sollte man nochmal eine Nacht darüber schlafen. Wichtige Vorüberlegungen umfassen etwa die gesundheitlichen Implikationen von Tattoos. Da ergibt es durchaus Sinn, eine vorherige Beratung beim Hautarzt in Anspruch zu nehmen – Termine kann man heutzutage bequem online ausmachen. Im schlimmsten Fall ist es nämlich auch der Mediziner, der die Entfernung eines unliebsamen Tattoos per Laser durchführen kann.

Die besten Stecher Hamburgs

Dank seiner langen Tattoo-Geschichte ist die Hansestadt auch heute noch eine Hochburg für talentierte Hautkünstler. Und Kundschaft gibt es genug: In Deutschland hat jeder Zehnte mindestens ein Motiv auf dem Körper – ein zeitloser Modetrend also, dem man sich in den folgenden Studios anschließen kann:

Dass Tattoo-Studios nicht düster und zwielichtig wirken müssen, zeigt The Black Mess in der Mottenburger Straße 5 in Ottensen anhand seines mit antiken Möbeln, Teppichen und hübsch gerahmten Motiven gespickten Wartezimmers, in dem gerne auch Kaffee und Gebäck serviert wird. Hier kriegt man seit knapp drei Jahren professionelle Tattoo-Kunst von Traditional über Neo-Traditional bis Abstrakt.

Ein Tattoo Studio in Hamburg

Das älteste Tattoo-Studio Deutschland in Hamburg St. Pauli © ganz-hamburg.de

Die „Älteste Tätowierstube in Deutschland“ am Hamburger Berg 8 heißt wirklich so und hat sich den Namen aufgrund des Gründungsjahres 1946 auch redlich verdient. Der heutige Inhaber Günter ist der Neffe von Herbert Hoffmann persönlich und hat sich in seinen 30 Jahren Berufserfahrung eine gewisse Exzentrik bewahrt, was sein Handwerk angeht: Findet er eine Motiv-Anfrage albern oder sinnentleert, sagt er dem Kunden gemäß eigenen Angaben auch gerne mal ab.

Maritimes Seefahrer-Feeling gibt es im 150 Quadratmeter großen Studio von Spadetattoo in der Eimsbütteler Chaussee 18: In einem zur bequemen Sitzgelegenheit umfunktionierten Ruderboot wartet man auf seine individuelle Tattoo-Session. Vier Tätowierer bieten dafür ihre ganz eigenen Stilrichtungen, darunter Asia, Dotwork, Comic und Trash Polka. Walk-In Days finden meist freitags statt.

Bildrechte: Flickr Anchors Away! Alex Bellink CC BY 2.0 Bestimmte Rechte vorbehalten

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