Rindermarkthalle, hier shoppt der Kiez

Foto: RindermarkthalleHier kauft bald der Kiez, die neue Rindermarkthalle Foto: Rindermarkthalle

Die Rindermarkthalle in St. Pauli hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Gestartet ist sie nach dem Krieg als Zentralviehmarkthalle und gehörte zum Hamburger Schlachthof. Nach gerade einmal 20 Jahren verlor sie ihre Funktion und  verschiedene Großsupermärkte gaben sich nacheinander die Klinke in die Hand. Jetzt startet sie neu als bundesweit wegweisendes Nahversorgungszentrum durch und will Genuss, Individualität und Stadtteilintegration auf bis heute nicht dagewesene Weise verbinden, so die Macher des Projektes in ihrer Eigendarstellung.

Mit viel Sympathie konnte man sagen, hier konnten die Anwohner preisgünstig einkaufen. So sah es aus, mehr und mehr kam das Gebäude herunter, stand zum Schluss leer und in der Erhaltung wurde nur das Allernotwendigste, wenn überhaupt, investiert. So konnte es nicht weitergehen, die Rindermarkthalle hatte sich zu einem städtebaulichen Schandfleck entwickelt. Seit 2012 wird die Rindermarkthalle umfangreich saniert und von der Edeka Handelsgesellschaft Nord umgebaut.

Nicht einfach bei einem denkmalgeschützten Gebäude und einer überwachen Nachbarschaft, die Gentrifizierung hinter jedem Bauzaun wittert, nur zumeist nur nicht bei sich selbst. Nur Ironiker werden bemerken, wie gern linksstehende Kapitalismuskritiker zu Fürsprechern von Kleinkapitalisten werden oder sich Gedanken über die Platzierung eines ALDI Marktes, der ansonsten in diesen Kreisen nicht unbedingt populär ist, machen. Die Rindermarkthalle wurde zwischenzeitlich zu einem Politikum. Wie schon üblich gab es Forderungen, die die Allgemeinheit finanzieren sollte, die voraussichtlich aber eher wenigen Interessierten zu Gute gekommen wären und teilweise immense Kosten verursacht hätten. Letztendlich erhielt Edeka den Zuschlag, die Nahversorgung der stetig wachsenden und attraktiver werdende Stadtteile St. Pauli, Schanzen- und Karolinenviertel sicherzustellen. Auflage war, ein Konzept zu entwickeln, das die spezifischen Interessen und Besonderheiten der Anwohner berücksichtigt und kleinteilige, günstige Mietflächen für Gründer sowie soziokulturelle Zwecke zur Verfügung stellt.

Die Rindermarkthalle eine zweistellige Millionen Investition

Pro Quadratmeter hat Edeka in den vergangen zwei Jahren rund 10.000 Euro investiert, also insgesamt die stolze Summe von 15 Mio. Euro. Nicht wenig, auch wenn die Zinsen heuer auf einem Tief angekommen sind. Aber, es hat sich gelohnt, die Rindermarkthalle erstrahlt im neuen Glanz! Doch die Auseinandersetzungen schwelen weiter und etliche Aktivisten wünschen sich immer noch ein Scheitern des Projektes. Die Bruchlandung des politisch gewollten Ökozentrums VIVO in Altona , hier hat die hoch verschuldete Stadt immerhin jährlich rund 1,6 Mio. Euro (in der Summe waren es dann wohl 46 Mio. Euro) in den Sand gesetzt, zeigt was passiert, wenn der politische Wille einer meinungsführenden Minderheit über die wirtschaftliche Vernunft triumphiert. Die ehemalige Umweltministerin Renate Künast (Die Grünen) möchte sicherlich nicht mehr an ihre vollmundigen Worte ihrer Grundsteinlegungsrede des VIVO erinnert werden. Shit happens, es war ja auch nur Geld der Hamburger Steuerzahler. Wunder über Wunder, heute haben viele städtische Behörden Quartier im VIVO genommen.

Foto: Betreiber

Die Rindermarkthalle von oben Foto: Betreiber

Die Rindermarkthalle setzt bundesweit Maßstäbe

Ohne Grundversorgung geht das nicht und drei Einkaufslieblinge der Hamburger sind dabei: Ein Edeka Supermarkt, Deutschlands Discounter Nummer Eins Aldi und der Drogeriemarkt, dem sehr viele Hamburger Herzen gehören, Budnikowsky. Sie sorgen für ein breites Sortiment, sind das Herzstück und sollen der Frequenzbringer für die „Markthalle“ sein. Ähnlich wie bei Markthallen in Südeuropa werden Händler hier wie auf einem Wochenmarkt ihre Waren und Dienstleistungen anbieten.

Abgerundet wird das Angebot durch individuelle Gastronomiekonzepte, die zum Viertel passen. Im ersten Stock wurden darüber hinaus 800 Quadratmeter zum Selbstkostenpreis für soziokulturelle Einrichtungen aus St. Pauli zur Verfügung gestellt. Die Auswahl der Mieter oblag dabei einer Vergabekommission, der auch Vertreter aus dem Stadtteil angehörten. Wichtigste Kriterien der Entscheidungsfindung waren der Stadtteilbezug, die soziale Ausrichtung der Projekte und die Herstellung einer möglichst großen Nutzungsvielfalt. So finden jetzt zum Beispiel der Domkindergarten, ein Theaterprojekt sowie eine Streetart-, Kung-Fu- und Nähschule ihr dauerhaftes Zuhause in der Rindermarkthalle.

„Das Spannende an diesem Projekt ist, dass kommerzieller Erfolg und das stadtteilgerechte Konzept nicht im Widerspruch stehen, sondern sich gerade gegenseitig befeuern. Eine Nullachtfünfzehn-Lösung aus amerikanischen Fast-Food-Ketten und standardisierten Schmuck- und Modeläden hätte hier keine Akzeptanz gefunden. Die vielen individuellen Konzepte, die daher umgesetzt wurden, schaffen eine Besonderheit, die die Halle nicht nur für Hamburger zu einer Attraktion machen wird“, erklärt Peter Saur (Geschäftsbereichsleiter Objekt- und Grundstücksverwaltung Edeka Handelsgesellschaft Nord) ganz-hamburg.de das Konzept.

Im Zentrum der Gestaltungsbemühungen stand daher von Anfang eine auf St. Pauli, das Karo- und Schanzenviertel zugeschnittene Vermietung der kommerziellen und nicht-kommerziellen Flächen. Das Konzept und die konkrete Ausgestaltung der Markthalle wurden dabei von der Maßmann & Co. Handelsimmobilien realisiert. Peter Maßmann„Ein zentrales Ziel des Planungsprozesses war es, die Wünsche und Erwartungen der Bewohner der umliegenden Quartiere zu berücksichtigen. Wir haben für St. Pauli einen idealen Mix gefunden aus Nahversorgung mit preiswerten Lebensmitteln und Angeboten, die Einkaufen zu einer sinnlichen Erfahrung machen. Die Rindermarkthalle wird die vielfältige internationale Kultur der umliegenden Viertel wunderbar widerspiegeln. Es wird Hamburgs erster richtiger überdachter Marktplatz. Wir haben traditionelles Schlachter- und Bäckerhandwerk und den Obsthändler aus dem Alten Land genauso wie den Händler orientalischer Spezialitäten.“

Rindermarkthalle
Neuer Kamp 31
20359 Hamburg
Öffnungszeiten:
Montag  – Samstag von 09.00 – 20.00 Uhr
Der EDEKA-  und ALDI Markt haben jeweils von 08.00 bis 21.00 Uhr geöffnet
Parken
Über der Rindermarkthalle gibt es 400 überdachte kostenpflichtige Parkplätze. Es gibt die Möglichkeit über Nacht, zu FC St. Pauli Heimspielen und zum Hamburger DOM zu Spezialtarifen zu parken.
Mehr Infos: www.rindermarkthalle-stpauli.de

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